Archiv für November 2009

Neonazis üben mit

Der Hessische Rundfunk berichtet davon, dass zwei bekannte Rechtsextreminaus des hessischen Schwalm-Eder-Kreis vor einigen Wochen an einem Bundeswehr-Manöver in Frielendorf als Reservisten teilgenommen haben. Einer der beiden, Martin B., ist Aktivist der „Freien Kräfte Schwalm-Eder“, die 2008 durch einen Überfall auf ein Zeltlager bundesweit bekannt wurden, bei dem ein junges Mädchen fast mit einem Klappspaten erschlagen wurde. Der andere, Wolfram M., ist sogar Vorsitzender der Reservisten-Kameradschaft Großropperhausen, einem Ortsteil von Frielendorf und soll jahrzehntelang in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen sein.

Der hessische Reservistenverband will sich nun angeblich von den Reservesoldaten trennen.

Quelle:
* Hessischer Rundfunk, Magazin „de facto“, 4. Oktober 2009, zitiert unter: http://www.antimanifest.de/ararrese.htm

Ungarn: rechtsextreme Miliz wird von Offizieren ausgebildet

Am 25. August 2007 wurde in Ungarn die rechtsextreme paramilitärische „Ungarische Garde“ („Magyar Gárda“) gegründet. Trotz Verbote des Trägervereins existiert diese Miliz in SA-Analogie bis heute und soll über mindestens 3.000 Mitglieder verfügen. Sie steht der rechtsextremen Partei „Jobbik Magyarországért Mozgalom“ (kurz: Jobbik, „Die Besseren“) nahe, die es bei den letzten Europa-Wahlen schaffte drei Sitze im Europa-Parlament zu erringen. Ihr Motto lautet „Die ungarische Garde ist hart wie die geballte Faust, zäh wie Bast, scharf wie das Schwert.“ Etwa 10% aller Ungarn sympathisieren laut einer Umfrage von 2009 mit der Garde. Die Garde marschiert gerne gegen „Zigeunerkriminalität“, demonstriert aber auch gegen Juden.
Nach Informationen des Journalisten Karl Pfeifer sollen ehemalige Offiziere, darunter auch ein Generalmajor a.D., die Garde ausbilden.

Quelle:
* Karl Pfeifer: Hohe Offiziere bilden verbotene Ungarische Garde aus, 16.11.09, http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1560&Itemid=38

SS-Veteran tritt für Neonazis auf

Waffen-SSler bei NPD
Unter dem Titel „Soldaten erzählen!“ wird auf der Homepage der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ ein Vortrag am 28. November angekündigt. In der Westpfalz soll Toon Paul, ein ehemaliger Angehöriger der flämischen Waffen-SS, dazu vor Publikum sprechen. Als Email-Kontakt ist die Adresse einer „Aktion Südwest“ angegeben. Diese Emailadresse und die angegebene Telefonnummer wurden bisher von der NPD Zweibrücken (Saarland) und den NPD-Kreisverbänden Südwestpfalz und Kaiserslautern verwendet.

Ergänzung (20.11.09)
Für die Veranstaltung mit dem SS-Mann wurde auch in dem neofaschistischen Monatsmagazin „Nation & Europa“ geworben. Laut einer Meldung des Hartmut-Mayer-Archivs des VVN-BdA in NRW war Paul „2001 Kontaktadresse für ein Treffen der flämischen Ostfrontgemeinschaft „Sint-Maartensfonds“ mit Sitz in Antwerpen.“

USA: Angehöriger rechtsextremer Milizen tut Dienst im Irak

Die US-Watch-NGO „Southern Poverty Law Center” (SPLC) berichtet in einem Beitrag davon, dass ein Mitglied der Miliz “Oath Keepers” ein Foto ins Internet gestellt hätte auf dem eines ihrer Mitglieder als US-Soldat in Mosul (Irakisch-Kurdistan) zu sehen ist. Der Abgebildete zeigt die Symbole rechter Gruppen. Laut SPLC gehören die „Oath Keepers“ zu den Antiregierungs-Milizen. Diese Milizen tragen beispielsweise Namen wie „Michigan Militia“, „Militia of Montana“, „Arizona Patriots“, „Texas Constitutional Militia“, “Wolverines”, “Montana Freeman”, “Free Militia”, “Indiana Militia”, “Minnesota Patriots Council”, “Viper Militia”, “Militia-at-Large for the Republic Georgia”, “West Virginia Mountineer Militia”, “Big Star One” oder “Almost Heaven survivalist compound”. Laut dem Buch „Terrorismus – der unerklärte Krieg“ gab es vor etwa zehn Jahren in den Vereinigten Staaten 809 Milizen, die landesweit 50.000 Mitglieder und 150.000 Sympathisanten hatten. Der harte Kern wurde aber auf 10.000 Mann geschätzt. Diese Milizen sind eine Ansammlung von rechten Regierungsgegnern und viele von ihnen sind auch mehr oder weniger den Suprematisten zuzurechnen. Suprematisten glauben an die Höherwertigkeit einer „weißen Rasse“ und wenden sich gegen „Rassenmischung“. Zudem sind viele dieser Mitglieder christliche Fundamentalisten und Verschwörungs-Anhänger. Aus diesen Punkten resultiert ein apokalyptisches Weltbild. Die Milizen erwarten einen bevorstehenden Bürgerkrieg, den viele auch als „Rassekrieg“ bzw. RaHoWa („Racial Holy War“) verstehen. Der harte Kern der Milizen schottet sich deswegen, nicht selten in abgelegenen ländlichen Regionen, von der Umwelt ab und bereitet sich auf den kommenden Endkampf vor. Dafür werden Waffen gehortet und an diesen trainiert. Einige Miliz-Mitglieder scheinen nun auch in die US-Army zu gehen, um sich dort ausbilden zu lassen.

Quellen:
* Rob Waters: Oath Keepers Say They’re on Patrol in Iraq, 21.10.09, http://www.splcenter.org/blog/2009/10/21/oath-keepers-say-theyre-on-patrol-in-iraq/
* Bruce Hoffmann: Terrorismus – der unerklärte Krieg, Frankfurt a. M. 1999, Seite 139-140

Österreich: Bundesheer distanziert sich von nationalistischer Organisation

Die österreichische Armee will laut Pressemeldung zukünftig nicht mehr mit dem „Kärntner Abwehrkämpferbund“ (KAB) zusammenarbeiten. Der mitgliederstarke KAB versteht sich als deutschnationaler Interessens-Bewahrer in Kärnten gegenüber der slowenischen Minderheit. Die Bemühungen der slowenischen Minderheit um Sprach-Gerechtigkeit, beispielsweise auch bei der Verwendung der slowenischen Namen auf den Ortsschildern, werden als Vorform des Separatismus angesehen. Diese deutschnationalen Ängste existieren schon recht lange.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte es eine Abstimmung in Kärnten über den Zugehörigkeits-Wunsch der Bewohner zu Jugoslawien oder zu Österreich gegeben. Dabei verblieb ein Teil der slowenischen Bevölkerung als Minderheit bei Österreich. Im Zweiten Weltkrieg war es dann zu Zwangsdeportationen der slowenischen Minderheit in Kärnten durch die Nationalsozialisten gekommen. Aus der slowenischen Minderheit entstanden Partisanen-Einheiten, die aktiv Widerstand leisteten. Nach dem Krieg hatte beispielsweise der verstorbene Rechtspopulist und Kärntner Landeshauptmann Haider den Konflikt beschworen, um so Stimmen der deutschsprachigen Mehrheit zu gewinnen.
Als der KAB-Chef Fritz Schretter am 10. Oktober in chauvinistischer Manier vor einer drohenden „Slowenisierung“ Südkärntens warnte, kündigte das Bundesheer in Kärnten die Zusammenarbeit auf. Bis dato hatte das Militär unter anderem die Musik bei Veranstaltungen gestellt.
Die Partei des verstorbenen Jörg Haider, das „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ), zeigte sich natürlich empört über diese Reaktion: „Das Bundesheer ist verpflichtet auch weiterhin ohne Wenn und Aber unsere heimattreuen Traditionsverbände und deren Mitglieder zu unterstützen“.

Quelle:
* Eurorex: Österreich: Bundesheer kündigt Zusammenarbeit mit Kärntner Abwehrkämpferbund auf, 23.10.2009, http://www.eurorex.info/2009/10/23/osterreich-bundesheer-kundigt-zusammenarbeit-mit-karntner-abwehrkampferbund-auf/