Österreich: braune Nester in der Armee

Unter der Überschrift „Die Traditionspflege des Bundesheeres“ versucht ein knapper Kommentar in der Tageszeitung „Der Standart“ kritisch zu reflektieren, wie es mit dem Traditionsverständnis der österreichischen Armee, dem „Bundesheer“, aussieht. So wir auch im Zusammenhang mit der Beteiligung des Bundesheeres an der Ulrichsberg-Gedenkfeier von Waffen-SS- und Wehrmachtsveteranen konstatiert: „Gut möglich, dass da auch unbehelligte Kriegsverbrecher transportiert wurden.“
Unter Bezug auf einen Essay in der Österreichischen militärischen Zeitschrift (ÖMZ) von General i.R. Hubertus Trauttenberg und Hauptmann d.Res.i.R. Gerhard Vogl heißt es weiter:
„Die Traditionspflege und – wichtiger – die Mentalität der Offiziere orientierte sich jahrzehntelang an der Deutschen Wehrmacht – von unkritischer Anbetung der militärischen Leistungen und einem falschen Ehrbegriff („Eid geleistet“ ) bis zu klassisch neo-nazistischer Ideologie.
Erst in den letzten Jahren begann man zaghaft die Frage zu stellen, ob man einem verbrecherischen Regime gegenüber seinen Eid halten oder „seine Pflicht tun“ (Kurt Waldheim) muss; wurden Offiziere, die im Widerstand waren und starben, mit Kasernenbenennungen, Gedenktafeln etc. geehrt. Rechte Tendenzen im Heer gibt es immer noch (und schon wieder). Einer der engsten Mitarbeiter von Generalmajor Raffetseder (Militärkdo. OÖ) behauptete, die Ernennung von General Trauttenberg zum Adjutanten von Bundespräsident Klestil sei das „Werk einer jüdischen Lobby“ . Der Militärgeistliche Superior Siegfried Lochner, der die Absolventen der Militärakademie in Wr.Neustadt betreut (und H.-C. Strache firmte), behauptet, der von den Nazis ermordete Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter verdiene praktisch nicht seinen Status als christlicher Märtyrer, weil sich Hitlerdeutschland ab 1943 in einem „Verteidigungskrieg“ (!) befunden habe. Handlungsbedarf für Kardinal Schönborn.
Das Verteidigungsministerium war lange Zeit eine Domäne der ÖVP, die auf die ländlichen Kameradschaftsbünde Rücksicht nahm, und der FPÖ, die mehr als bedenkliche Kader (u.a. einen schlagenden „Olympen“ im Heeresnachrichtenamt) unterbrachte. Das Heer ist an sich in keinem guten Zustand. Es braucht nicht auch noch die Duldung oder gar Förderung rechtsextremer Tendenzen. Deswegen war die Absage an den Ulrichsberg so wichtig; nun sollte ein weiteres Vorgehen gegen diverse „Nester“ folgen.“

Quellen:

* Hans Rauscher: Die Traditionspflege des Bundesheeres, in: „Der standart“, 02.09.09, http://derstandard.at/fs/1250691754448/Die-Traditionspflege-des-Bundesheeres
* Siehe auch: Feiger Fortschritt: Veteranen der Waffen-SS feiern am Ulrichsberg 50-jähriges Jubiläum, 22.8.2009, http://www.profil.at/articles/0934/560/249316/feiger-fortschritt-veteranen-waffen-ss-ulrichsberg-50-jaehriges-jubilaeum