Generalmajor a.D. auf Schlingerkurs nach Rechts?

[ÜBERARBEITET: 12.02.2014]
Der Generalmajor a. D. Christian Otto Eduard Millotat (* 1943) diente 1963 bis 2004 in der Bundeswehr. Er soll dabei u.a. 13 Monate Stellvertreter des Kommandeurs der „Kosovo Force in Pristina“ und Stabsabteilungsleiter im Bundesverteidigungsministerium gewesen sein. Zudem soll er Beisitzer in der militaristischen Clausewitz-Gesellschaft und Leiter ihres Süd-West-Kreises sein.
Doch seit einer Zeit häufen sich die rechten Vorfälle um den Generalmajor a.D. So wurde er für zwei extrem rechte Veranstaltungen als Referent angekündigt. Er wurde 2007 zu den 7. und 2008 zu den „8. Zeitgespräche“ der Sudholt-Verlage (siehe unten) für einen Vortrag mit dem Titel „Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen und der ruhelose Balkan“, was augenscheinlich zu seiner Tätigkeit im Kosovo passen würde.
Das antifaschistische Fachmagazin „Der Rechte Rand“ schreibt in seiner Ausgabe Nummer 112, 2008:

Die angekündigten Referenten Jürgen Gansel (NPD) und Generalmajor a. D. Christian Millotat sprachen nicht.

8. Zeitgespräche
Doch die für den 29.-31. August 2008 im Raum Dresden geplante Veranstaltung musste auf Grund antifaschistischer Intervention abgeblasen werden. Trotzdem bleibt zu konstatieren, dass sich mit Millotat ein weiterer hoher Ex-Militär nach scharf Rechtsaußen bewegt.

Das Buch
Millotat publizierte im Oktober 2008 im rechtsextremen „Druffel & Vowinckel“-Verlag ein Buch mit dem Titel „Eliten der Bundeswehr im Einsatz“, versehen mit einem Vorwort von General a.D. Dr. Klaus Reinhardt.
Das Buch von Millotat ist kein genuin extrem rechtes Werk. Es bewundert zwar auch das „fachliche Können“ der Wehrmacht, bleibt aber differenziert. Der Autor ist der Traditionalisten-Fraktion innerhalb der Bundeswehr zuzurechnen, wenn er eine Rückbesinnung auf das „Erbe des preußisch-deutschen Generalstabssystems“ fordert. Trotzdem scheut er sich nicht vom „rasseideologischen Vernichtungskrieg“ zu schreiben. Im Kapitel „Generalstabsoffiziere im Widerstand gegen Hitler“ (Seite 230-240) betrachtet Millotat den Militär-Widerstand um Stauffenberg sogar überraschend positiv, wenn man sich den Verlag seines Buches in Erinnerung ruft.
Buch Millotat

Der Verlag
Der Druffel-Verlag gehört zur extrem rechten „Verlagsgesellschaft Berg“ mit Sitz in Inning.
Sie stellt den Zusammenschluss mehrerer rechter Verlage (Druffel-Verlag, Vowinckel-Verlag, Türmer-Verlag) 1991 in Berg am Starnberger See dar. Der Druffel-Verlag wurde 1952 dem ehemaligen Reichspressechef Helmut Sündermann (1911-1972) und dessen Frau Ursula gegründet. Er ist benannt nach der Schwiegermutter des Gründers, Baronin Sybille von Druffel. Der Druffel-Verlag dürfte damit einer der ältesten rechtsextremen Verlage in der Bundesrepublik sein. Heutiger Betreiber der „Verlagsgesellschaft Berg“ und somit auch des Druffel-Verlages ist Gert Sudholt, Schwiegersohn von Helmut Sündermann. Das „Handbuch Rechtsradikalismus“ von 2002 nennt den VGB insgesamt einen „bedeutenden Verlag innerhalb der rechtsradikalen Szene mit einschlägigen, im rechtsradikalen Spektrum aktiven Autoren.“

Quellen:
* Christian E. O. Millotat: Eliten der Bundeswehr im Einsatz
* Michael Berzl: Zwischen Kuriosenkabinett und Volksverhetzung, in: Freitag vom 24.11.2000, http://www.freitag.de/2000/48/00480502.htm)
* Thomas Grumke/Bernd Wagner (Hg.): Handbuch Rechtsradikalismus, 2002, Seite 459-61


1 Antwort auf „Generalmajor a.D. auf Schlingerkurs nach Rechts?“


  1. 1 Generalmajor a.D. auf Schlingerkurs nach Rechtsaußen « dokumentationsarchiv Pingback am 10. September 2009 um 15:56 Uhr
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