Buchtipp: Der Sammelband „Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen“

Der Sammelband „Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen“ erschien bereits vor über zehn Jahren im Papyrossa-Verlag und war erkennbar ein Beitrag in der Diskussion über die Wehrmachts-Ausstellung. Nichtsdestotrotz ist der Band bis heute aktuell. Neben lesenswerten Kapiteln über die deutsche Besatzungsherrschaft in Griechenland und Italien, gibt es auch einen analytischen Teil, der versucht aufzuzeigen, warum die Bundeswehr generell nach rechts neigt. Dabei werden sechs Punkte genannt:
1. In der Bundeswehr fehlt eine klare Trennlinie zwischen (Rechts-)Konservativismus und Rechtsextremismus.
2. Die neuen „out of area“-Einsätze fördern eine stärkere Bezugnahme auf die letzten Kampfeinsätze einer deutschen Armee, ergo der Wehrmacht.
3. Die bis heute bestehende Wehrmachts-Tradition in der Bundeswehr, die es seit der Gründung 1956 gab.
4. Das spezifische Milieu, dass die Bundeswehr als Männerbund und überproportionaler Arbeitsgeber für Ostdeutsche mit niedrigem Bildungsgrad bildet.
5. Der gesteigerte gesamtgesellschaftliche Geschichtsrevisionismus und seine Ausstrahlung auf die Bundeswehr.
6. Der gesteigerte gesamtgesellschaftliche Rassismus seit 1990 und seine Ausstrahlung auf die Bundeswehr.

In dem Buch wird auch Kritik an dem häufig verwendeten verschleiernden Begriff „Verstrickung“ geübt und auf den Konflikt der beiden Bundeswehr-Fraktionen der Reformer (Vertreter des Konzepts der „Inneren Führung“) und der Traditionalisten eingegangen.
Insgesamt sehr lesenswert!

* Johannes Klotz (Hg.): Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen, Köln 1998