Archiv für September 2009

Marine-Elitesoldat und JN-Mitglied

In der im schleswig-holsteinischen Eckernförde stationierten „Boardingkompanie“ der „Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine“ gibt es laut Medienberichten ein braunes Ei im Nest. Gemeint ist der 23jährige Julien L. aus Lörrach, der sich als Zeitsoldat für vier Jahre in der „SEK Boardingkompanie, Team Nr. 5“ verpflichtet hat. In Lörrach war Julien L. Gründungsmitglied des dortigen JN-Stützpunktes. Der Leiter des Stützpunktes, Thomas Baumann, geriet in die Schlagzeilen, als eine Hausdurchsuchung den Verdacht bestätigte, dass er bombenfähiges Material horte. Seither sitzt Baumann in Haft. Zu genau diesem verhinderten Bombenbastler unterhielt der Marine-Elitesoldat Kontakte.
Über Konsequenzen ist noch nichts bekannt.

Quelle:
* Stefan Schölermann: Reportage: Ein Neonazi als Bundeswehr-Elitesoldat, NDR Info, 24.09.09, http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/nazibundeswehr100.html

Österreich: Ulrichsberg-Feier im kleinen Rahmen

Nach Presseberichten haben 150 Rechte vor allem von der FPÖ und deren Umfeld sich an einer Kranzniederlegung beim umstrittenen Heimkehrerdenkmal beteiligt. Dagegen protestierten 60 AntifaschistInnen.
Doch neben der FPÖ-Wandertour scheint es noch weitere Besuchsgruppen auf dem Ulrichsberg gegeben zu haben. Die österreichische Presse veröffentlichte ein Bild, dass beweist das der wohl bekannteste österreichische Neonazi, Gottfried Küssel, auch auf dem Berg war. Eventuell sogar mit der FPÖ-Delegation.

Quellen:
* Fritz Kimeswenger: Neonazi Küssel am Ulrichsberg, „Kärntner Krone“, 22.09.09, http://www.krone.at/krone/S25/object_id__162650/hxcms/
* APA: FPÖ-Wandertag auf den Ulrichsberg ohne Zwischenfälle, 20.09.09, http://derstandard.at/fs/1252771755475/FPOe-Wandertag-auf-den-Ulrichsberg-ohne-Zwischenfaelle

Österreich: braune Nester in der Armee

Unter der Überschrift „Die Traditionspflege des Bundesheeres“ versucht ein knapper Kommentar in der Tageszeitung „Der Standart“ kritisch zu reflektieren, wie es mit dem Traditionsverständnis der österreichischen Armee, dem „Bundesheer“, aussieht. So wir auch im Zusammenhang mit der Beteiligung des Bundesheeres an der Ulrichsberg-Gedenkfeier von Waffen-SS- und Wehrmachtsveteranen konstatiert: „Gut möglich, dass da auch unbehelligte Kriegsverbrecher transportiert wurden.“
Unter Bezug auf einen Essay in der Österreichischen militärischen Zeitschrift (ÖMZ) von General i.R. Hubertus Trauttenberg und Hauptmann d.Res.i.R. Gerhard Vogl heißt es weiter:
„Die Traditionspflege und – wichtiger – die Mentalität der Offiziere orientierte sich jahrzehntelang an der Deutschen Wehrmacht – von unkritischer Anbetung der militärischen Leistungen und einem falschen Ehrbegriff („Eid geleistet“ ) bis zu klassisch neo-nazistischer Ideologie.
Erst in den letzten Jahren begann man zaghaft die Frage zu stellen, ob man einem verbrecherischen Regime gegenüber seinen Eid halten oder „seine Pflicht tun“ (Kurt Waldheim) muss; wurden Offiziere, die im Widerstand waren und starben, mit Kasernenbenennungen, Gedenktafeln etc. geehrt. Rechte Tendenzen im Heer gibt es immer noch (und schon wieder). Einer der engsten Mitarbeiter von Generalmajor Raffetseder (Militärkdo. OÖ) behauptete, die Ernennung von General Trauttenberg zum Adjutanten von Bundespräsident Klestil sei das „Werk einer jüdischen Lobby“ . Der Militärgeistliche Superior Siegfried Lochner, der die Absolventen der Militärakademie in Wr.Neustadt betreut (und H.-C. Strache firmte), behauptet, der von den Nazis ermordete Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter verdiene praktisch nicht seinen Status als christlicher Märtyrer, weil sich Hitlerdeutschland ab 1943 in einem „Verteidigungskrieg“ (!) befunden habe. Handlungsbedarf für Kardinal Schönborn.
Das Verteidigungsministerium war lange Zeit eine Domäne der ÖVP, die auf die ländlichen Kameradschaftsbünde Rücksicht nahm, und der FPÖ, die mehr als bedenkliche Kader (u.a. einen schlagenden „Olympen“ im Heeresnachrichtenamt) unterbrachte. Das Heer ist an sich in keinem guten Zustand. Es braucht nicht auch noch die Duldung oder gar Förderung rechtsextremer Tendenzen. Deswegen war die Absage an den Ulrichsberg so wichtig; nun sollte ein weiteres Vorgehen gegen diverse „Nester“ folgen.“

Quellen:

* Hans Rauscher: Die Traditionspflege des Bundesheeres, in: „Der standart“, 02.09.09, http://derstandard.at/fs/1250691754448/Die-Traditionspflege-des-Bundesheeres
* Siehe auch: Feiger Fortschritt: Veteranen der Waffen-SS feiern am Ulrichsberg 50-jähriges Jubiläum, 22.8.2009, http://www.profil.at/articles/0934/560/249316/feiger-fortschritt-veteranen-waffen-ss-ulrichsberg-50-jaehriges-jubilaeum

Nun doch noch Ulrichsberg-Feier?

Die politische Rechte in Österreich soll angeblich nach der Absage der 50. Ulrichsberg-Feier eine eigene Feier auf dem Ulrichsberg veranstalten. Ausrichter der Feier am 20. September ist u.a. die FPÖ-Kärnten. Diese jedoch fährt zurück. Laut der Homepage der FPÖ-Kärnten veranstaltet die FPÖ nun keine echte Ulrichsbergfeier, sondern „lediglich eine Kranzniederlegung im Namen von Franz Schwager und Harald Jannach“. Sie „freuen sich über jeden weiteren Teilnehmer“.

Quellen:
* DiePresse.com: Kärnten: FPÖ veranstaltet eigenes Ulrichsbergtreffen, 03.09.09, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/505855/index.do?_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/index.do
* Eurorex: Österreich: Neonazis mobilisieren zur Kranzniederlegung der FPÖ am Ulrichsberg, 13.09.2009, http://www.eurorex.info/2009/09/13/osterreich-neonazis-mobilisieren-zur-kranzniederlegung-der-fpo-am-ulrichsberg/
* Eurorex: Österreich: FPÖ-Chef bezeichnet Deserteure der Wehrmacht als Mörder, 13.09.2009, http://www.eurorex.info/2009/09/13/osterreich-fpo-chef-bezeichnet-deserteure-der-wehrmacht-als-morder/

Lesetipp: Ulrichsberg wegpusten

Die 30seitige Textsammlung „Ulrichsberg wegpusten“ des AK gegen den Kärntner Konsens 2009 enthält äußerst interessante Beiträge. Diese beziehen sich nur zum Teil auf direkt auf die Veteranenfeier auf dem Ulrichsberg in Kärnten, die sich dieses Jahr zum 50.ten Mal jährt bzw. die Gegenproteste, die sich zum 5.ten Mal jähren.
Es geht nicht nur um die deutschnationalen Burschenschaften als mutmaßliche Fortsetzer der Feier nach dem Aussterben der „Erlebnisgeneration“. Ein Beitrag beispielsweise widmet sich kritisch dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann und Austrofaschisten Jörg Haider und dessen Hetze gegen Slowenen, Asylbewerber und Linke.
Prädikat: Sehr lesenswert.

* Download: http://u-berg.lnxnt.org/materialien/ubergbroschuere2009_web.pdf

Deutsche Militär-Zeitschrift (DMZ) Nr. 71 – September/Oktober 2009 erschienen

DMZ Nr. 71

In dem Artikel „Spritzfahrt durch Ungarn“ von einem Patrick Stoll wird berichtet wie eine deutsche Re-Enactment-Gruppe mit 33 Wehrmachts-Fahrzeugen, vor allem per Krad, das Land durchquert hat. Wer bei den Fotos genauer hinschaut, entdeckt, dass dabei nicht nur Wehrmachts-Uniformen mitgeführt wurden, sondern auch mindestens eine Reichskriegsflagge. Diese benutzt heute außerhalb der extremen Rechten niemand.
Kradfahrt mit Reichkriegsflagge

Interviewpartner dieser Ausgabe sind:
* Norbert Geis (* 1939), der seit 1987 für die CSU im Bundestag sitzt. Er ist zum rechtsklerikalen Flügel der CSU zu zählen. So forderte er in Vergangenheit Gotteslästerung unter Strafe zu stellen, fühlt sich nach eigenen Worten dem „Opus Dei“ („Die Wahabiten Roms“) „freundschaftlich verbunden“ und ist Präsident der „Opus Dei“-nahen Rhein-Donau-Stiftung. Zudem ist er Kolumnist der Rechtspostille „Junge Freiheit“. Das Interview mit der DMZ verdankt er seiner ablehnenden Haltung zu der Aufhebung der Urteile gegen Wehrmachts-Deserteure. Der DMZ sagte er dazu: „Wenn man dies tut, dann rehabilitiert man automatisch Verbrecher, die bei Nacht und Nebel zum Feind übergelaufen sind“, um dort mit ihren Angaben beim Kampf gegen die Wehrmacht zu helfen. Diese Aussage gleicht der von Heinz-Christian Strache, dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen FPÖ, der behauptete „Wehrmachtsdeserteure seien „oftmals auch Mörder gewesen.“
* Prof. Franz W. Seidler (* 1933), ein extrem rechter Militärhistoriker. Der emeritierte Ordinarius für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität München war in Vergangenheit Referent bei diversen extrem rechten und deutschnationalen Gruppen. Er ist Buchautor des extrem rechten Pour le Merite-Verlages und Beiträge von ihm erschienen in den „Burschenschaftlichen Blättern“ oder der DMZ.
* Simon Reeve, ein BBC-Journalist.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* dem rechtslastigen Ares-Verlag aus Österreich.
* dem extrem rechten Verlag „Pour le Merite“.
* dem Scherzer Militär-Verlag (Schwerpunkt: sächsische Ritterkreuzträger).
* dem Militaria-Magazin.
* das Waffen-SS-Ehemaligen-Magazin „Der Freiwillige“.
* dem deutschnationalen, burschenschaftlichen Organ „Die Aula“ aus Österreich.
* dem Film-Versand „History Films“.
* dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag.
* der FPÖ-nahen Wochenzeitung „Zur Zeit“, die übrigens mit einem Stand auf dem neonazistischen „Fest der Völker IV“ in Pößneck angekündigt war.
Fest der Völker IV &

Quellen:
* Anton Maegerle: Konspirativer Kongress, in: BnR-Ausgabe 05/2005
* DMZ Nr. 71

Generalmajor a.D. auf Schlingerkurs nach Rechts?

[ÜBERARBEITET: 12.02.2014]
Der Generalmajor a. D. Christian Otto Eduard Millotat (* 1943) diente 1963 bis 2004 in der Bundeswehr. Er soll dabei u.a. 13 Monate Stellvertreter des Kommandeurs der „Kosovo Force in Pristina“ und Stabsabteilungsleiter im Bundesverteidigungsministerium gewesen sein. Zudem soll er Beisitzer in der militaristischen Clausewitz-Gesellschaft und Leiter ihres Süd-West-Kreises sein.
Doch seit einer Zeit häufen sich die rechten Vorfälle um den Generalmajor a.D. So wurde er für zwei extrem rechte Veranstaltungen als Referent angekündigt. Er wurde 2007 zu den 7. und 2008 zu den „8. Zeitgespräche“ der Sudholt-Verlage (siehe unten) für einen Vortrag mit dem Titel „Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen und der ruhelose Balkan“, was augenscheinlich zu seiner Tätigkeit im Kosovo passen würde.
Das antifaschistische Fachmagazin „Der Rechte Rand“ schreibt in seiner Ausgabe Nummer 112, 2008:

Die angekündigten Referenten Jürgen Gansel (NPD) und Generalmajor a. D. Christian Millotat sprachen nicht.

8. Zeitgespräche
Doch die für den 29.-31. August 2008 im Raum Dresden geplante Veranstaltung musste auf Grund antifaschistischer Intervention abgeblasen werden. Trotzdem bleibt zu konstatieren, dass sich mit Millotat ein weiterer hoher Ex-Militär nach scharf Rechtsaußen bewegt.

Das Buch
Millotat publizierte im Oktober 2008 im rechtsextremen „Druffel & Vowinckel“-Verlag ein Buch mit dem Titel „Eliten der Bundeswehr im Einsatz“, versehen mit einem Vorwort von General a.D. Dr. Klaus Reinhardt.
Das Buch von Millotat ist kein genuin extrem rechtes Werk. Es bewundert zwar auch das „fachliche Können“ der Wehrmacht, bleibt aber differenziert. Der Autor ist der Traditionalisten-Fraktion innerhalb der Bundeswehr zuzurechnen, wenn er eine Rückbesinnung auf das „Erbe des preußisch-deutschen Generalstabssystems“ fordert. Trotzdem scheut er sich nicht vom „rasseideologischen Vernichtungskrieg“ zu schreiben. Im Kapitel „Generalstabsoffiziere im Widerstand gegen Hitler“ (Seite 230-240) betrachtet Millotat den Militär-Widerstand um Stauffenberg sogar überraschend positiv, wenn man sich den Verlag seines Buches in Erinnerung ruft.
Buch Millotat

Der Verlag
Der Druffel-Verlag gehört zur extrem rechten „Verlagsgesellschaft Berg“ mit Sitz in Inning.
Sie stellt den Zusammenschluss mehrerer rechter Verlage (Druffel-Verlag, Vowinckel-Verlag, Türmer-Verlag) 1991 in Berg am Starnberger See dar. Der Druffel-Verlag wurde 1952 dem ehemaligen Reichspressechef Helmut Sündermann (1911-1972) und dessen Frau Ursula gegründet. Er ist benannt nach der Schwiegermutter des Gründers, Baronin Sybille von Druffel. Der Druffel-Verlag dürfte damit einer der ältesten rechtsextremen Verlage in der Bundesrepublik sein. Heutiger Betreiber der „Verlagsgesellschaft Berg“ und somit auch des Druffel-Verlages ist Gert Sudholt, Schwiegersohn von Helmut Sündermann. Das „Handbuch Rechtsradikalismus“ von 2002 nennt den VGB insgesamt einen „bedeutenden Verlag innerhalb der rechtsradikalen Szene mit einschlägigen, im rechtsradikalen Spektrum aktiven Autoren.“

Quellen:
* Christian E. O. Millotat: Eliten der Bundeswehr im Einsatz
* Michael Berzl: Zwischen Kuriosenkabinett und Volksverhetzung, in: Freitag vom 24.11.2000, http://www.freitag.de/2000/48/00480502.htm)
* Thomas Grumke/Bernd Wagner (Hg.): Handbuch Rechtsradikalismus, 2002, Seite 459-61

Buchtipp: Der Sammelband „Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen“

Der Sammelband „Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen“ erschien bereits vor über zehn Jahren im Papyrossa-Verlag und war erkennbar ein Beitrag in der Diskussion über die Wehrmachts-Ausstellung. Nichtsdestotrotz ist der Band bis heute aktuell. Neben lesenswerten Kapiteln über die deutsche Besatzungsherrschaft in Griechenland und Italien, gibt es auch einen analytischen Teil, der versucht aufzuzeigen, warum die Bundeswehr generell nach rechts neigt. Dabei werden sechs Punkte genannt:
1. In der Bundeswehr fehlt eine klare Trennlinie zwischen (Rechts-)Konservativismus und Rechtsextremismus.
2. Die neuen „out of area“-Einsätze fördern eine stärkere Bezugnahme auf die letzten Kampfeinsätze einer deutschen Armee, ergo der Wehrmacht.
3. Die bis heute bestehende Wehrmachts-Tradition in der Bundeswehr, die es seit der Gründung 1956 gab.
4. Das spezifische Milieu, dass die Bundeswehr als Männerbund und überproportionaler Arbeitsgeber für Ostdeutsche mit niedrigem Bildungsgrad bildet.
5. Der gesteigerte gesamtgesellschaftliche Geschichtsrevisionismus und seine Ausstrahlung auf die Bundeswehr.
6. Der gesteigerte gesamtgesellschaftliche Rassismus seit 1990 und seine Ausstrahlung auf die Bundeswehr.

In dem Buch wird auch Kritik an dem häufig verwendeten verschleiernden Begriff „Verstrickung“ geübt und auf den Konflikt der beiden Bundeswehr-Fraktionen der Reformer (Vertreter des Konzepts der „Inneren Führung“) und der Traditionalisten eingegangen.
Insgesamt sehr lesenswert!

* Johannes Klotz (Hg.): Vorbild Wehrmacht? Wehrmachtsverbrechen, Köln 1998

Österreich: erst Ulrichsberg ohne Armee und dann Totalausfall

An dem seit 1958 stattfindenden Treffen von Wehrmachtssoldaten und Angehörige der Waffen-SS auf dem Ulrichsberg in Kärnten dürfen Angehörige des österreichischen Bundesheers nicht teilnehmen. Das hat der österreichische Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) dem Bundesheer verboten, weil es dort zu wenig Distanz zu NS-Gedankengut gebe. Das fällt dem Verteidigungsminister relativ spät ein, nachdem sich Bundesheer und österreichische Politiker über Jahrzehnte an der Feier beteiligt hatten.
Wirklich konsequent ist das Verbot ohnehin nicht. Laut Nachrichtenmeldung erlaubte Darabos, dass Soldaten in ihrer Freizeit an dem Treffen teilnehmen.

Inzwischen wurde das für den 20. September geplante 50. Ulrichsberg-Treffen erst einmal ganz abgesagt, soll aber bald in einer Halle nachgeholt werden. Offiziell wurden die Proteste von Gegnern des Treffens als Grund für die Absage benannt. Aber es dürfte auch die Absage des Militärs, dass bisher Musik und den Shuttle-Transport stellte, und die Anzeige gegen den geschäftsführenden Obmann (Vorsitzenden) der Ulrichsberg-Gemeinschaft, Wolf Dieter Ressenig, wegen NS-Wiederbetätigung (konkret wegen Verkauf von NS-Devotionalien) eine Rolle gespielt haben. Präsident Rudolf Gallob (SPÖ) und Obmann Peter Steinkellner traten zwischenzeitlich zurück.
Wenig überraschend: Die beiden rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ bedauerten die Absage.

Hintergrund: Der Dachverband „Verein für die Heimkehrergedenkstätte Ulrichsberg“ (Ulrichsberggesellschaft) mit Sitz in Klagenfurt richtet die alljährliche Ulrichsberg-Gedenkfeier aus. Die Generalversammlung der Ulrichsberg-Gemeinschaft besteht aus den Vertretern von 40 Mitgliedsvereinen. Darin sind u.a. vertreten: die „Kameradschaft der Ritterkreuzträger“, die „Kameradschaft ehemaliger Gebirgsjäger“, die Vertriebenenlobby „Volksdeutschen Landsmannschaften“ (VLÖ), der „Österreichische Kameradschaftsbund“ oder der deutschnationale „Kärntner Abwehrkämpferbund“.

Quellen:
* Bundesheer darf nicht zum Wehrmacht-Treffen, in: „Der Focus“, 25.08.09, http://www.focus.de/politik/ausland/ns-gedankengut-bundesheer-darf-nicht-zum-wehrmacht-treffen_aid_429364.html
* Klaus Höfler: Ulrichsbergtreffen abgesagt: „Berg kann ja nichts dafür“, 27.08.09, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/504453/index.do?from=gl.home_politik
* red/APA: Veranstalter sagen Ulrichsberg-Treffen ab, in: „Der Standart“, 27. August 2009, http://derstandard.at/fs/1250691370275/Kaernten-Veranstalter-sagen-Ulrichsberg-Treffen-ab
* Walter Fanta, Valentin Sima (Hg.): „Stehst mitten drin im Land“. Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärntner Ulrichsberg von den Anfängen bis heute; Klagenfurt 2003, 195-203
* DÖW: Nazi-Devotionalienhändler in Ulrichsberggemeinschaft, Neues von ganz rechts – Juli 2009, http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/2009_07/ulrichsberg.html