Traditionen des Afghanistan-Einsatzes

Der Autor Stephan Stracke schreibt in der Wochenzeitung „Jungle World“:

In einem »Wegweiser« für den Afghanistan-Einsatz, der in dritter Auflage an junge Bundeswehrsoldaten verteilt wird, kommt ein ehemaliger Kommandosoldat der Wehrmachtssondereinheit »Brandenburger«, Dietrich Witzel, unkommentiert zu Wort. Der »Wegweiser« wird vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt verantwortet und soll der »militärischen Einsatzunterstützung« dienen. Die »Brandenburger« waren eine Sondereinheit der Wehrmacht, die an Sabotage-, Spionage- und Terroraktivitäten in aller Welt beteiligt und für zahlreiche Kriegsverbrechen, besonders im Rahmen der Partisanenbekämpfung, verantwortlich war. Witzel selbst war an Geheimaktionen in Afghanistan und in der Ukraine beteiligt.
Mangels einer seriösen Forschung zu den »Brandenburgern« darf Witzel seit 1990 seine Sicht in militärhistorischen Zeitschriften der Bundeswehr darlegen. In der Europäischen Wehrkunde schwärmte er beispielsweise von der großartigen Zusammensetzung von Hitlers Sondereinheit: »Die erste Voraussetzung war Freiwilligkeit, (…) außerdem eine gewisse, wenn auch gebremste Abenteuerlust, Takt im Umgang mit Fremdvölkern und natürliche körperliche Leistungsfähigkeit.«
Entgangen ist der Bundeswehr offensichtlich, dass sich ihr Autor auch in rechten und rechtsextremen Kreisen bewegt. Witzel ist Mitglied der »Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger« und verfasste bis 2004 Artikel für den Veteranenrundbrief der »Brandenburger«. In dieser Postille bekundeten die »Brandenburger«-Veteranen regelmäßig ihre Verbundenheit mit der Waffen-SS und verurteilten Kriegsverbrechern wie Walter Reder. Zudem gab Witzel 2006 der Deutschen Militärzeitschrift des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier ein Interview und war im Oktober 2008 Ehrengast auf der Geburtstagsfeier des revisionistischen Militärhistorikers Franz Seidler im Haus der rechtsextremen Burschenschaft »Danubia« in München.

Quelle:
* Stephan Stracke: Ehrenbezeugung für Opa, 28. Mai 2009, http://jungle-world.com/artikel/2009/22/35156.html