Kontraste-Bericht deckt Wehrmachtstradition in der Bundeswehr auf

Ein Bericht des TV-Polit-Magazins „Kontraste“, gesendet am 09. April, verwies auf Wehrmachts-Rückstände in der Bundeswehr.

Beispiel: Bund deutscher Pioniere
Kontraste berichtet über das Traditionsverständnis dieses Ehemaligen-Verbandes:

Auf der Internet-Seite des Vereins stoßen wir unter der Rubrik Ehrungen auf eine ganze Liste von Ritterkreuzträgern der Wehrmacht. Wie selbstverständlich stellt der Bund deutscher Pioniere hier seine Verbundenheit mit Hitlers treuesten Soldaten zur Schau. Darunter auch Soldaten von SS-Divisionen wie „Das Reich“ oder „Wiking“. Diese Einheit hat mehrere Massaker an jüdischen Häftlingen begangen.

Von Verteidigungsminister Jung wurde daraufhin gefordert, er möge seine Ehrenmitgliedschaft im „Bund deutscher Pioniere“ aufzugeben.

Beispiel: interne Handbücher
Kontraste recherchierte den Inhalt interner Bundeswehr-Handbücher:

In ihnen lebt Hitlers Wehrmacht auf jeder Seite wieder auf. Hunderte Wehrmachts-Kriegsgeschichten werden hier dem Bundeswehrsoldaten vorgesetzt – die ihn bei der Ausbildung in „Kampf –Stimmung“ bringen sollen.
So findet sich darin zum Beispiel der Erlebnisbericht von einem Panzervernichtungstrupp 1944, Zitat:
„Die Panzerfaust schussbereit lauern wir und verfolgen die Stahlkolosse…Gespannt sehen wir, wie ein Kamerad, die Panzerfaust in der Hand, und von Deckung zu Deckung springend, den Panzer ‚angeht’ wie ein Jäger das Wild …Eine riesige Stichflamme und der Koloß brennt lichterloh.“
Immer wieder auch Landsergeschichten, die den angeblich heroischen Geist der Truppe im Rußlandfeldzug beschwören, Zitat:
„Das Vertrauen zur Führung ist unangetastet. Daß ständig kaum ausgeheilte Verwundete und Halbkranke zum ‚alten Haufen’ drängen, ist …ein Beweis für den Geist der Truppe…“
An anderer Stelle wird ein junger Offizier aus dem Jahr 43 zitiert, der sich über die eingeschlossenen Wehrmachtstruppen in Stalingrad empört, Zitat:
„Es fehlte jeder Kampf- und Abwehrwille.“

Oder:

Im Buch Üben und Schießen bedient sich die Bundeswehr sogar beim Thema soldatische Erziehung der Naziliteratur. Hinter dem Namen „Altrichter“ verbirgt sich ein Buch aus dem Jahre 1935 über das Wesen Soldatischer Erziehung. Darin ist vom „völkischen Geist“ des Soldaten die Rede, und:
„Den beherrschenden Mittelpunkt bildet die bei der Vereidigung dem Führer…gelobte Treue.““
Ein General Walter Spindler, General für die Ausbildung im Heer, äußert sich zu den Vorwürfen wie folgt:
„Gleichwohl gibt es militärische Grundweisheiten, die Einzelschützen, die Führer von Verbänden zu verinnerlichen haben. Und militärische Grundweisheiten existierten auch während der 12 Jahre eines totalitären Regimes.

Ein Telepolis-Artikel der an den Kontraste-Bericht anknüpft berichtet davon, dass ein Vorgänger-Werk von „Einsatznah ausbilden“ bereits 1987 den Deutschen Bundestag beschäftigte. Demnach sei „Einsatznah ausbilden“ bereits die entschärfte Version seines Vorgängers „Kriegsnah ausbilden“.

Quellen:
* Caroline Walter und Alexander Kobylinski: Unselige Traditionen – wie viel Wehrmacht steckt in der Bundeswehr?, 09.04.09, http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_9_4/unselige_traditionen.html
* Marcus Meier: Wehrmachtstraditionen: Mal einsatz-, mal kriegsnah, Telepolis, 11.04.09, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30106/1.html