Archiv für April 2009

„Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Mai-Juni

DMZ Nr. 69
Die neue ausgabe des extrem rechten militaria-Magazins DMZ Nr. 69 – Ausgabe Mai-Juni 2009 ist erschienen. In dem extrem rechten Zweimonats-Magazin finden sich wieder mit Anzeigen von:
* dem rechtsextremen Magazin „Der Freiwillige“, das ehemalige Organ der Waffen-SS-Veteranenorganisation HIAG.
* dem extrem rechten Pour-le-Merite-Verlag
* dem rechtslastigen Österreicher Ares-Verlages.
* Scherzers Militär-Verlag für ein Buch über „Sächsische Ritterkreuzträger“.

Als Interviewpartner standen der DMZ diesmal zur Verfügung:
* Dr. Stefan Scheil (* 1963), gilt als „Hofhistoriker“ der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Beiträge von ihm erschienen darüber hinaus bereits in den extrem rechten Blättern „Deutsche Geschichte“, der „Deutschen Militärzeitschrift“ und der „Konservativen Deutschen Zeitung“, aber auch in der konservativen Tageszeitung FAZ.
Als Referent angekündigt wurde er bereits auf Veranstaltungen der extrem rechten Sudholt-Verlage, für die „Staats- und Wirtschaftspolitische Vereinigung“ oder für das neurechte „Institut für Staatspolitik“.
* Dr. Marcus Junkelmann (* 1949), Historiker u.a. Dozent der Münchner Bundeswehr-Akademie.
* Mohamma Keiarishi (* 1942), einen iranischen Diplomaten. Passend zu den in Genf vorgetragenen antisemtischen Verschwörungstheorien („Weltzionismus“) des iranischen Staatspräsidenten stellt sich die DMZ mit diesem offenkundig sympathisierenden Interview hinter das theokratische Regime.

Quellen:
* Anton Maegerle: Politischer und publizistischer Werdegang von Autoren der „Jungen Freiheit“, in: Stephan Braun / Ute Vogt (Hgg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Wiesbaden 2007, Seite 205-206
* „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Mai-Juni 2009

NACHTRAG: DMZ & Stahlfron

t
Ein Beitrag in dieser DMZ-Ausgabe widmet sich der „Stahlfront“-Buchserie (Eigenbezeichnung „Military Science Fiction“). Dazu gibt es ein Interview mit dem Autor, Torn Chaines. Inhalt der Liste sind beispielsweise Geschichten, in denen Reichsflugscheiben Deutschland „befreien“.
Laut der Liste der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) der indizierten Medien April 2009 fanden auch drei „Stahlfront“-Titel Eingang auf dem Index: „Die Macht aus dem Eis“, „Versenkt die Hindenburg“ und „Der zweite Bürgerkrieg“.
Der Oliblog zitiert eine „Stahlfront“-Leseprobe wie folgt:

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als Aysche Demirel zu ertragen. Von ihr begeistert sein musste er nicht. Sobald er nur an sie dachte, hatte er ihre riesige Nase vor Augen. Ein Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Es war kein Wunder, dass Dinge wie Schleier und Burka in dem Kulturkreis erfunden worden waren, dem Demirel entstammte. Grußlos betrat er ihr Büro.

Und sagt selbst zum Inhalt:

Eine etwas obskure inhaltliche Melange die eine Alien-Invasionsverschwörung mit „Thule“-Reizwörtern, ehemaligen Waffen-SS Mitgliedern und schlecht und langweilend geschriebenen Action-Szenen mischt.

Quelle:
* Neue deutsche SF Serie „Stahlfront“: Ist der leicht angebräunte Name Programm?, http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=1534

NPD-Funktionär bald kein Reservist mehr?

Der bayerische Bundeswehr-Reservistenverband hat ein Ausschlussverfahren gegen den stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Karl Richter beantragt. Richter sitzt für die NPD-Liste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BiA) im Münchner Stadtparlament. Noch 2001 bis 2003 übernahm Richter bei der Bundeswehr Aufgaben der politischen Bildung, unter anderem führte er Seminare zum Thema „Rechtsextremismus“ durch (sic!).

Quelle:

* Robert Scholz: Reservistenverband Bayern beantragt Ausschlussverfahren gegen Karl Richter (NPD), 14.04.09, http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3246:reservistenverband-bayern-beantragt-ausschlussverfahren-gegen-karl-richter-npd&catid=179:npd-bundespartei&Itemid=242

Nach dem Tode vergessen

Ein Artikel in der Wochenzeitung „Jungle World“ (Nr. 15, 9. April 2009) gibt in einer Buch-Rezension die Kritik des Autors Patrick Desbois, der über den Massenmord an den Juden in der Ukraine schreibt, an der Gräberhierarchie wieder:

Unter der Erde ist jeder an dem Platz, den die Hierarchie des Dritten Reichs für ihn vorsah. Während die deutsche Kriegsgräberfürsorge jedem im Krieg gefallenen Deutschen, auch die SS-Männer, auf prachtvolle Friedhöfe umbetten ließ, gebe es lediglich „kleine Gräber für die Franzosen, weiße Steine unter Brombeergestrüpp für die anonymen sowjetischen Soldaten und absolut nicht für die Juden.

Nazis in der US-Army

Die US-Heimatschützer treibt besonders die Sorge um, rechtsextremistische Gruppen könnten frustrierte Ex-Soldaten wie Richard Poplawski anwerben und sich deren militärische Fähigkeiten zunutze machen. Eine schon in den 1990er Jahren beobachtete „Bereitschaft von einem kleinen Anteil von Militärangehörigen, sich extremistischen Gruppen anzuschließen, weil sie verärgert sind, desillusioniert oder unter psychologischen Kriegseffekten leiden“, wiederhole sich heute, heißt es in dem Papier. Damals boomte in den USA eine krude „Militia“-Bewegung aus Waffennarren und Staatshassern.

* Dietmar Ostermann: US-Regierung warnt vor rechter Gefahr, http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1724423_Rassismus-US-Regierung-warnt-vor-rechter-Gefahr.html

Kontraste-Bericht deckt Wehrmachtstradition in der Bundeswehr auf

Ein Bericht des TV-Polit-Magazins „Kontraste“, gesendet am 09. April, verwies auf Wehrmachts-Rückstände in der Bundeswehr.

Beispiel: Bund deutscher Pioniere
Kontraste berichtet über das Traditionsverständnis dieses Ehemaligen-Verbandes:

Auf der Internet-Seite des Vereins stoßen wir unter der Rubrik Ehrungen auf eine ganze Liste von Ritterkreuzträgern der Wehrmacht. Wie selbstverständlich stellt der Bund deutscher Pioniere hier seine Verbundenheit mit Hitlers treuesten Soldaten zur Schau. Darunter auch Soldaten von SS-Divisionen wie „Das Reich“ oder „Wiking“. Diese Einheit hat mehrere Massaker an jüdischen Häftlingen begangen.

Von Verteidigungsminister Jung wurde daraufhin gefordert, er möge seine Ehrenmitgliedschaft im „Bund deutscher Pioniere“ aufzugeben.

Beispiel: interne Handbücher
Kontraste recherchierte den Inhalt interner Bundeswehr-Handbücher:

In ihnen lebt Hitlers Wehrmacht auf jeder Seite wieder auf. Hunderte Wehrmachts-Kriegsgeschichten werden hier dem Bundeswehrsoldaten vorgesetzt – die ihn bei der Ausbildung in „Kampf –Stimmung“ bringen sollen.
So findet sich darin zum Beispiel der Erlebnisbericht von einem Panzervernichtungstrupp 1944, Zitat:
„Die Panzerfaust schussbereit lauern wir und verfolgen die Stahlkolosse…Gespannt sehen wir, wie ein Kamerad, die Panzerfaust in der Hand, und von Deckung zu Deckung springend, den Panzer ‚angeht’ wie ein Jäger das Wild …Eine riesige Stichflamme und der Koloß brennt lichterloh.“
Immer wieder auch Landsergeschichten, die den angeblich heroischen Geist der Truppe im Rußlandfeldzug beschwören, Zitat:
„Das Vertrauen zur Führung ist unangetastet. Daß ständig kaum ausgeheilte Verwundete und Halbkranke zum ‚alten Haufen’ drängen, ist …ein Beweis für den Geist der Truppe…“
An anderer Stelle wird ein junger Offizier aus dem Jahr 43 zitiert, der sich über die eingeschlossenen Wehrmachtstruppen in Stalingrad empört, Zitat:
„Es fehlte jeder Kampf- und Abwehrwille.“

Oder:

Im Buch Üben und Schießen bedient sich die Bundeswehr sogar beim Thema soldatische Erziehung der Naziliteratur. Hinter dem Namen „Altrichter“ verbirgt sich ein Buch aus dem Jahre 1935 über das Wesen Soldatischer Erziehung. Darin ist vom „völkischen Geist“ des Soldaten die Rede, und:
„Den beherrschenden Mittelpunkt bildet die bei der Vereidigung dem Führer…gelobte Treue.““
Ein General Walter Spindler, General für die Ausbildung im Heer, äußert sich zu den Vorwürfen wie folgt:
„Gleichwohl gibt es militärische Grundweisheiten, die Einzelschützen, die Führer von Verbänden zu verinnerlichen haben. Und militärische Grundweisheiten existierten auch während der 12 Jahre eines totalitären Regimes.

Ein Telepolis-Artikel der an den Kontraste-Bericht anknüpft berichtet davon, dass ein Vorgänger-Werk von „Einsatznah ausbilden“ bereits 1987 den Deutschen Bundestag beschäftigte. Demnach sei „Einsatznah ausbilden“ bereits die entschärfte Version seines Vorgängers „Kriegsnah ausbilden“.

Quellen:
* Caroline Walter und Alexander Kobylinski: Unselige Traditionen – wie viel Wehrmacht steckt in der Bundeswehr?, 09.04.09, http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_9_4/unselige_traditionen.html
* Marcus Meier: Wehrmachtstraditionen: Mal einsatz-, mal kriegsnah, Telepolis, 11.04.09, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30106/1.html

REPs und Reservistenkameradschaft

Eine veraltete Information, die aber beispielhaft zeigt, welche Funktion rechts dominierte Reservistenkameradschaften einnehmen können. Folgendes Zitat stammt aus dem Buch „Deutschland ganz rechts. Sieben Monate als Republikaner in BRD/DDR“ (Köln 1990) in dem Michael Schomers von seiner investigativen Langzeit-Reportage bei der rechtsradikalen Republikaner-Partei in Köln berichtet:

Am Ende des Abends spricht mich Peer an und meint, ich solle doch Mitglied im Reservistenverband werden. Das sei eine wichtige »Vorfeldorganisation«, denn da könne man wichtige Leute, die zu den Republikanern nicht kommen könnten zu Vorträgen einladen. Beispielsweise hohe Offiziere der Bundeswehr, die mit den Republikanern sympathisieren.

(Seite 152)

Australien: Rüstungs-Firma distanziert sich von Mitarbeiterin mit Neonazi-Kontakten

Thale, eine der größten Rüstungs-Firmen Australiens, hat sich von ihrem „support manager“ Nicole Hanley getrennt. Hanley soll Administrator des Neonazi-Webforums von „Blood & Honour“ (B&H) gewesen sein, wie die erbeuteten und veröffentlichten Daten eines Hacks auf das Forum nahe legen. Hanley soll demnach auch an Adolf-Hitler-Geburtstagsfeiern teilgenommen haben und Aktivisten der lokalen Sektion von B&H sein.

Quellen:
* Asher Moses: Defence contractor suspended over neo-Nazi link, 06.04.09, http://www.smh.com.au/articles/2009/04/06/1238869885378.html
* JTA: Contractor suspended for neo-Nazi ties, 07.04.09, http://jta.org/news/article/2009/04/07/1004304/contractor-suspended-for-neo-nazi-ties

60 Jahre NATO – Kein Grund zu feiern!

Es gibt natürlich auch aus antifaschistischer Sicht sehr gut Gründe um gegen die NATO zu sein:
* Die rechte Dikatur Salazars in Portugal war 1949 Gründungsmitglied der NATO. Auch das Obristen-Regime in Griechenland (1967-73) oder die Militärdiktatur in der Türkei waren NATO-Mitglieder.
* Im Rahmen der NATO erfolgte die deutsche Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik bei Integration des Altbestandes an Wehrmachtspersonal.
* Die NATO stellte in ihren Mitgliedsstaaten Geheime Streitkräfte (auch „Stay behind“-Einheiten genannt) auf. Diese Geheimarmee rekrutierten sich nicht selten aus Mitgliedern der extremen Rechten. In Fall einer Eskalation mit der Sowjetunion sollten diese Einheiten in sowjetisch besetzten Gebieten Sabotage-Akte begehen und potenzielle Kollaborateure ermorden. Darüber hinaus benutzte die NATO diese Geheimtruppen in einzelnen Ländern für eine Strategie der Spannung, beispielsweise um eine kommunistische Regierungsbeteiligung in Italien zu verhindern. Dafür ging man sogar soweit, dass Faschisten 1980 eine Bombe im Bahnhof von Bologna legten, deren Explosion über 80 Menschen das Leben kostete. Damit wollte man die „Kommunistische Partei“ über deren vorgebliche Kontakte zu den „Roten Brigaden“, die als Täter konstruiert wurden, diffamieren.
In der Bundesrepublik gehörten anfangs der extrem rechte „Bund Deutscher Jugend“ und seine paramilitärische Unterorganisation, der „Technische Dienst“, zu diesem Geheimnetzwerk. Als bei Hausdurchsuchungen herauskam, dass der „Technische Dienst“ schwarze (Todes-)Listen führte, mit Personen (darunter prominente Sozialdemokarten und Kommunisten), die bei einem sowjetischen Angriff quasi „präventiv“ ermordet werden sollten, gab das einen großen Skandal. Beide Organisationen wurden 1952 verboten.
Trotzdem gab es ein Ersatz-Netzwerk („Schweigenetz“) weiterhin. Das wurde offenbar, als der Neonazi Heinz Lembke (1937-1981) 1981 die Polizei zu 33 Waffen- und Sprengstoffverstecken in der Lüneburger Heide führte, die u.a. 156 kg Sprengstoff, 230 Sprengköpfe und 258 Handgranaten enthielten. Die Herkunft des Materials konnte nie geklärt werden. Es darf aber vermutet werden, dass es aus Bundeswehrbeständen stammt.
* Bei ihrem ersten Angriffs-Krieg im Frühjahr 1999 unterstützte die NATO die nationalistische Gruppierung „Nationales Befreiungsheer des Kosovo“ (UCK), dass sich für ein „ethnisch reines“ Kosovo einsetzte, was die Vertreibung der nicht-albanischen Minderheiten (Serben, Roma, Kosovo-Ägypter, Aschkali) bedeutete. Was nicht heißen soll, dass die von Milosovic unterstützten chauvinistische Großserbien-Vertreter um einen Deut besser sind.

Quellen:
* Peter Siebenmorffen: Gladio in Deutschland?. Gefangen im Schweigenetz, in: DIE ZEIT vom 23.11.1990, http://www.zeit.de/1990/48/Gefangen-im-Schweigenetz
* Reiko Pinkert: Nato-Geheimarmeen. Terror im Namen der Demokratie, in: Antifa-Infoblatt 1/2009, http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/82/46.php

Liederbuch mit einem Wehrmachtstext

In einem von Ministerpräsident Günther Oettinger mit herausgegebenen Bändchen mit dem Titel „Lied.Gut – Volkslieder und Schlager für fröhliche Stunden“ findet sich auf Seite 86 ein Lied, dass im Volksmund „Panzerlied“ genannt wurde. Eigentlich trägt es den Titel „Ob’s stürmt und schneit2 und hat derlei Kriegsverherrlichendes anzubieten wie „Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein. So stoßen wir tief in die feindlichen Reih‘n“.
Nach Informationen der Lokalzeitungen „Mannheimer Morgen“ und der „Heilbronner Stimme“ sind etwa 2.000 Exemplare des Buches für die Kreisverbände gedacht.
Der SWR berichtet in einem Artikel:
„Aber auch nach dem Krieg war es stark verbreitet: „Das Lied stand zumindest 1991 noch im Liederbuch der Bundeswehr“, erklärt der Musikforscher. Der Text stamme von Oberstleutnant Kurt Wiehle und wurde nach Informationen des Archivs am 28. Juni 1933 gedichtet. In einer nicht im CDU-Büchlein abgedruckten Strophe des Liedes heißt es weiter: „Was gilt denn unser Leben für unsres Reiches Wehr? Für Deutschland zu sterben ist unsre höchste Ehr‘.““

Quelle
* CDU stampft Liederbuch mit Wehrmachtstext ein“, SWR, , http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=4689454/eteur/index.html

Russland: Kooperation zwischen Neonazis und Armee

In dem Artikel „Der ungleiche Kampf in Russland“ in dem Magazin „Antifaschistisches Infoblatt 1/2009“ über die rechtsextreme Szene in Russland berichtet der Autor Ulrich Heyden u.a.:

Außerdem gibt es nach »Sova«-Angaben Kontakte zwischen Skinheads und der Armee. Einige Einberufungs-Ämter arbeiten nach Angaben der NGO mit Wehrsportlagern zusammen, die von Rechtsradikalen geführt werden.

(Seite 55)