Rommel und der Zeitgeist

Erwin Rommel hat im Dritten Reich das Buch „Infanterie greift an“ veröffentlicht, in dem er popularisierend und unkritisch seine Erlebnisse während des Ersten Weltkrieges beschreibt.
Rommel-Buch
Interessant ist hierbei sein beigefügtes Vorwort, was sich voll auf der Höhe des herrschenden Zeitgeistes oder vielmehr des braunen Ungeistes befindet. Es ist nicht explizit nationalsozialistisch aber doch stark deutschnational und bellizistisch (kriegstreiberisch):

Die unmittelbar nach den Gefechten gemachten Aufzeichnungen sollen der wehrhaften deutschen Jugend zeigen, mit welch grenzenloser Tapferkeit der deutsche Soldat und insbesondere der Infanterist in dem 4 ½jährigen Krieg für sein Deutschland gekämpft hat.

aus: Oberstleutnant Rommel: Infanterie greift an. Erlebnis und Erfahrung, Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam, 2. Auflage 1937

Kommentar zu dem untigen Kommentar (25.09.2009):
Das bei Rommel Verbrechen Ausgangspunkt seiner militärischen Leistungen sind wird nicht reflektiert. Es kann keine Trennung zwischen militärischen Vorgehen und den Verbrechen der Nationalsozialisten gemacht werden.
Die in Nordafrika lebenden 500.000 Juden waren massiv bedroht von der, durch Rommel geleiteten Expansion. Es gab mehr als 100 Arbeitslager in Rommels Herrschaftsbereich, die für Oppositionelle, aus Frankreich Deportierte und eben auch Juden errichtet wurden. Da ist es vollkommen egal, ob Rommel selbst ein Antisemit war, oder nicht.

Rommel war kein Antinazi oder distanzierter General, sondern ein Hitler-Protege und Vorzeigemarschall, der seine Vorteile durch die Vermarktung durch die NS-Propaganda zog. Seine positive Grundhaltung gegenüber dem Nationalsozialismus, ermöglichte ihm eine große militärische Karriere.


2 Antworten auf „Rommel und der Zeitgeist“


  1. 1 Billigflüge 20. Mai 2009 um 13:17 Uhr

    Interessant ist es in der Tat..Dennoch wurde er seiner Zeit hoch geachtet, sogar von den Alliierten. Sehr viel weiß ich über ihn nicht, jedoch war er, zumindest gemessen an heutigen Maßstäben, schon stark deutschnational find ich. Hab bisher leider versäumt das Buch zu lesen, aber hol ich noch nach..

  2. 2 us3r 25. September 2009 um 19:51 Uhr

    Moin

    1. Das Buch wurde in der Zwischenkriegszeit, in den 20er Jahren geschrieben.

    2. Zu der Zeit gab es viele stark nationalistische Tendenzen, vorallem und eben unter den Offizieren.

    3. Rommel fällt allerdings unter diesen stark nationalistischen Offizieren kaum auf.

    4. Es handelt sich um ein Buch in dem über Taktiken und Kampferfahrungen im ersten Weltkrieg gesprochen wird, d.h. es gibt keinen explizit nationalsozialistischen Inhalt, denn so schwer es einigen in den Kopf gehen will: militärische Grundsätze haben auch während der 12 Jahre Diktatur und im 2. Weltkrieg bestand gehabt, genauso wie sie heute noch bestand haben.

    Wo ist also das Problem?
    Rommel war deutscher General, hat sich aber mehr als einmal letztlich von den Nazis distanziert. Er war Soldat.
    Unteranderem gehörte er ja, was zu seinem Tode führte, zu den Verschwörern gegen Hitler bzw. war eingeweiht und ließ z.B. antisemitische und Judenverhetzende Befehle in Afrika und anderswo nicht ausführen.
    Wenn man einen richtigen Nazigeneral an den Pranger stellen will, dann sollte man Schörner nehmen, aber der hat ja der Nachwelt kein solches Buch hinterlassen.

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