Traditionsverband trifft Bundeswehr

Der bis heute bestehende „Traditionsverband ehemaliger Kolonial- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“ beruft sich auf eine über 100jährige Tradition von „Kolonialkriegervereinen“. Die Veteranen, die sich in diesen Vereinen sammelten waren beteiligt an allerhand Massakern und Aufstandsniederschlagungen der gegen ihren Willen Kolonisierten und Ausgebeuteten.
Traditionsverband in Farbe

Die deutsche Kolonialherrschaft kostete mehrere hunderttausend Menschen das Leben. Allein bei dem Boxerkrieg in China, in dem mit deutscher Beteiligung ein Aufstand brutal niedergeschlagen wurde, starben Tausende. Nach der Entsetzung des Diplomatenviertels sandte der deutsche Kaiser Wilhelm II fast 20.000 deutsche Soldaten nach China und hetzt sie vor ihrer Abfahrt am 27. Juli 1900 in Bremerhaven mit seiner berüchtigten Hunnen-Rede auf, in der er dazu auffordert keine Gefangene zu machen.
Bei der Niederschlagung von Aufständen in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) 1903 bis 1909 starben etwa 70.000 Einheimische und bei der Niederschlagung des Maji-Maji-Krieges 1905 im Süden des heutigen Tansania durch deutsche Truppen und ihre arabischen und einheimischen Verbündeten kam es zu über 150.000 Toten.
Bei den Kämpfen zwischen britischen und deutschen Kolonial-Truppen unter General von Lettow-Vorbeck in Ostafrika starben 1914-17 hunderttausende von Menschen, in der Mehrheit Zivilisten.

Es ist notwendig, dass unsere Zivilisation ihren Tempel auf Bergen von Leichen, auf einem Ozean von Tränen und auf dem Röcheln unzähliger Sterbenden errichtet.

Graf Haseler (1893)

Heute sammeln sich im Traditionsverband natürlich keine Veteranen mehr. Der letzte Schutztruppen-Angehörige im Traditionsverband verschied 1991. Die neue Generation besteht aus Kolonialnostalgikern und Kolonialgeschichtsrevisionisten, die nicht selten aus den Reihen der Bundeswehr entstammen oder über familiäre Verbindungen zur deutschen Kolonialgeschichte verfügen. Auch einige politisch weit rechts stehende Personen engagieren sich im Traditionsverband. Dieser darf auch insgesamt als äußerst rechtslastig eingestuft werden.

Bei der Durchsicht des Verbandsorgan „Mitteilungsblatt“ wird eine jahrzehntelange gute Beziehung zwischen Traditionsverband und Bundeswehr offenbar. Eine Auswahl an Zitaten im Folgenden spricht für sich.

Über die Beisetzung des Generals v. Lettow-Vorbecks am 13. März 1964 in der Familiengrabstätte in Pronstorf (Schleswig-Holstein) heißt es:

Von den Morgenstunden an hielten dort am Sarge sechs Stabsoffiziere der 6. Panzergrenadier-Division Neumünster die Totenwache.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Nach der Feier in der Kirche nahmen das Musikkorps und eine Ehrenkompanie der 6. Panzergrenadier-Division sowie ein Ehrenzug des Borkumer Seebataillons der Marine auf dem Friedhof Aufstellung, um dem Toten die letzten militärischen Ehren zu erweisen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch erklang hierbei das „Preußen-Lied“.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Von der Bundeswehr nahmen hohe Offiziere an der Beisetzung teil – u.a. der Befehlshaber im Wehrbezirk I, Konteradmiral Rösing, der Kommandeur der 6. Panzergrenadier-Division, Generalmajor Haag, der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor de Maziere.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 4)

Über die Trauerrede des Bundesverteidigungsministers und späteren Verbandmitglieds von Hassel heißt es:

Der neuen Bundeswehr habe der General wesentliche Elemente der militärischen Führungskunst vorgelebt, indem er sich selbst die gleichen hohen Leistungen abforderte, wie seinen Untergebenen. Seine Kriegsführung auf der Grundlage von Ritterlichkeit und Anständigkeit verdiene den dank der jungen Generation.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 5)

Eine weitere Beziehung ergab sich zum Instandsetzungsbataillon 6 der Bundeswehr. Dieses Bataillon war in der Kaserne untergebracht, die den Namen des Generals trug. Hier war vor dem Krieg das Infanterieregiment 69 der Wehrmacht kaserniert, das ebenfalls die Tradition der deutschen Schutztruppe fortgeführt hatte.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 54)

Der Vorsitzende KLAUS VOLLMER [ein Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr; B-Bw] konnte dank seiner ehemaligen Dienststellung bei der Bundeswehr nicht nur die Verbindung mit der ´Aktiven Truppe´ intensivieren.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 72)

Traditionsverband und Auslandseinsätze
Das Cover des Verbandsblattes beweist, dass der Traditionsverband die Auslandseinsätze der Bundeswehr in kolonialer Tradition sieht


1 Antwort auf „Traditionsverband trifft Bundeswehr“


  1. 1 Traditionsverband trifft Bundeswehr « dokumentationsarchiv Pingback am 09. März 2009 um 22:15 Uhr
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