Archiv für März 2009

Klage gegen Italien vor dem Internationalen Gerichtshof zurücknehmen (PM vom 25. März 2008)

Klage gegen Italien vor dem Internationalen Gerichtshof zurücknehmen
Keine Staatenimmunität für Nazi-Kriegsverbrechen – NS-Opfer endlich entschädigen

Am 26. März 2009 hat der Deutsche Bundestag die Chance, das unwürdige Gebaren der Bundesregierung in Gestalt von Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier in der Entschädigungsfrage zu stoppen. An diesem Tag wird die Fraktion Die LINKE einen Antrag einbringen, der die Bundesregierung zur Rücknahme der Klage gegen Italien vor dem
Internationalen Gerichtshof in Den Haag auffordert. Der Arbeitskreis Distomo begrüßt den Antrag. [Link siehe unten]

Seit Jahrzehnten verweigern bundesdeutsche Regierungen den Opfern von NS-Verbrechen in ehemals von Nazi-Deutschland besetzten Ländern Entschädigungsleistungen. Entgegen der Propaganda aus Berlin hat die Bundesrepublik die Opfer von NS-Kriegsverbrechen in Griechenland, Italien und weiteren Ländern bis heute nicht entschädigt. Zahlungen gemäß sogenannter Globalabkommen in den 60er Jahren waren explizit nur für politisch, religiös oder „rassisch“ verfolgte Menschen gedacht, nicht aber für die Opfer von Massakern und anderen Verbrechen.

Die Überlebenden des Massakers deutscher SS-Truppen im griechischen Distomo (10. Juni 1944) haben bereits im Jahr 2000 vor dem obersten Gerichtshof Griechenlands (Areopag) ein rechtskräftiges Urteil gegen die Bundesrepublik Deutschland erlangt, wonach diese ca. 22 Mio. Euro plus Zinsen an die Kläger zahlen muss. Die Bundesregierung hintertrieb die Durchsetzung des Urteils und nötigte die griechische Regierung, die begonnene Zwangsversteigerung deutscher Liegenschaften (Goethe-Institut) zu stoppen.

Die Kläger wandten sich daher an italienische Gerichte, um in Italien Vollstreckungsmaßnahmen zu ermöglichen. Mit Erfolg: Der oberste Gerichtshof Italiens (Kassationshof) erklärte die Vollstreckung in Italien im Juni 2008 für zulässig. Gleichzeitig erklärte der Kassationshof die Klagen italienischer NS-Opfer (ehemalige Zwangsarbeiter und Opfer von Massakern) vor italienischen Gerichten in mehreren Entscheidungen für zulässig. Doch Deutschland will auch diese Entscheidungen nicht anerkennen.

Stattdessen erhob die Bundesregierung am 23. Dezember 2008 Klage gegen Italien vor dem Internationalen Gerichtshof, um Vollstreckungsmaßnahmen zu stoppen. Die Bundesregierung versucht, den Internationalen Gerichtshof dafür zu missbrauchen, Ansprüche der Opfer von NS-Verbrechen weiter zu hintertreiben. Angeblich habe die italienische Justiz die Staatenimmunität Deutschlands missachtet. Deutschland kann sich jedoch nicht auf Staatenimmunität berufen, weil das Privileg der Immunität für Verbrechen gegen die Menschheit, die Nazi-Deutschland begangen hat, nicht gilt. Dies hat der Kassationshof in Rom unmissverständlich dargelegt.

Deutschland bricht mit der Missachtung der griechischen und italienischen Urteile vor aller Öffentlichkeit internationales Recht und unterstellt den Opfern, ihre Klagen würden den Frieden gefährden. Die Tatsachen werden so auf den Kopf gestellt.

Wenn selbst schwerste Kriegsverbrechen keine Haftung des Täterstaates zur Folge haben, ist das ein Freibrief, auch zukünftig Kriegsverbrechen zu begehen. Es darf angenommen werden, dass sich Deutschland mit seiner Klage auch für Auslandseinsätze der Bundeswehr den Rücken frei halten will.

Deutschland will gemeinsam mit der italienischen Regierung in Den Haag einen Prozess inszenieren, der von vornherein eine Farce ist. Denn die betroffenen Opfer wären an einem solchen Prozess nicht beteiligt.
Das Begleitprogramm in dieser Inszenierung soll eine deutsch-italienische Historikerkonferenz zu Themen des Zweiten Weltkriegs mit dem Ziel des Aufbaus einer „gemeinsamen Gedächtniskultur“ liefern, die am 27./28. März 2009 ausgerechnet in
der Villa Vigoni in Como/Italien stattfindet. Eben diese Villa wurde zur Sicherung der Ansprüche der Distomo-Kläger bereits gepfändet. Die Verweigerungshaltung gegenüber den Opfern deutscher Verbrechen soll also durch ein Feigenblatt verdeckt werden.

Der Arbeitskreis Distomo fordert, die Klage vor dem Internationalen Gerichtshof zurück zu nehmen, die Urteile des Areopag und des Kassationshofs anzuerkennen und die rechtmäßigen Forderungen griechischer und italienischer NS-Opfer endlich zu erfüllen.

Hamburg, den 25.03.2009
AK-Distomo

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Martin Klingner (Hamburg) – Tel.: 040 4396002 (Büro)
(Bei Unerreichbarkeit und außerhalb der Bürozeiten, wenden Sie sich
bitte an Tel. 0163 5714842.)
AK-Distomo im Internet.: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/ak-distomo/
[Antrag an Bundestag:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/121/1612168.pdf]

Bundeswehr-Uni ohne Burschis

Empört berichtet der Blog der „Burschenschaftlichen Blätter“, dem Organ der extrem rechts dominierten „Deutschen Burschenschaft“, in einem Eintrag vom 03. März 2009:

Wie jüngst bekannt wurde, ist den Angehörigen von Studentenverbindungen an der Bundeswehr-Universität München verboten worden, Werbung zu betreiben.
Der Grundsatzbefehl 23 der Universität der Bundeswehr München (siehe Abbildung des Schreibens) untersagt jede Art von Studentenverbindung auf dem Gelände der Bundeswehrhochschule die Durchführung von Veranstaltungen und die Werbung.
[…] In Bundeswehr-Kreisen wird mittlerweile kolportiert, dass dies kein Versehen ist. Eine Revision der Entscheidung, wie von zahlreichen Münchener Verbindungen gefordert, darunter auch von den Münchener Burschenschaften, steht derzeit noch aus.

BraunzoneBw.blogsport.de begrüßt es, dass deutschnationale Männerbünde keinen Platz an der Bundeswehr-Universität finden. Trotzdem bleibt das Problem natürlich bestehen und rechte Umtriebe sind auch ohne Burschenschafter möglich.

Quelle:
* Blog der „Burschenschaftlichen Blätter“, Eintrag „Bundeswehruni München grenzt Verbindungsstudenten aus“ , 03.03.2009

Italien: Ehemaliger Wehrmachtsoffizier freigesprochen

Die Israelitische Religionsgemeinschaft zu Wien berichtet auf ihrer Homepage Folgendes:

Ein italienisches Berufungsmilitärtribunal in Rom hat einen ehemaligen Hauptmann der deutschen Wehrmacht freigesprochen. Erstinstanzlich war der 94-jährige Hans Dietrich Michelsen von einem Militärgericht in der norditalienischen Stadt La Spezia wegen Teilnahme an der Tötung von vier Zivilisten in Grotta Maona in der Toskana im August 1944 zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden.
Zweitinstanzlich wurde er freigesprochen, weil er sich nicht an der Tat beteiligt habe, erklärte der Bozner Rechtsanwalt des Angeklagten, Francesco Coran, nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA am Freitag.
Der Staatsanwalt Marco De Paolis hatte behauptet, der damals 29-jährige Michelsen sei „grausam und grundlos“ gegen die vier Bauern vorgegangen. Michelsen lebt in Niedersachsen in Deutschland.

Bundeswehrsoldat unter den Verdächtigen

Am 11. März 2009 hat die Polizei Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern einer neonazistischen Wehrsportgruppe in Winsen/Aller (Niedersachsen) durchsucht und dabei auch zahlreiche Waffen gefunden. Sieben Personen im Alter zwischen 17 und 26 Jahren, vier Erwachsene und drei Jugendliche, werden verdächtigt folgende Straftaten verübte zu haben:
* Bildung einer bewaffneten Gruppe
* Verstoßen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz
* Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen
Bei der Durchsuchung wurden knapp 20 Waffen gefunden, darunter zahlreiche Softair-Waffen, ein Luftgewehr, Schreckschusspistolen und Deko-Waffen, die mit Schwarzpulver geladen gewesen seien. Die Nazi-Truppe nannte sich „Division 88″. Die Zahl 88 steht in der Nazi-Szene für zweimal den achten Buchstaben im Alphabet: HH, kurz für „Heil Hitler“.
Unter den mutmaßlichen Mitgliedern der Wehrsportgruppe sei auch, so die Behörden, ein Bundeswehrsoldat, der derzeitig in einer Kaserne im Raum Wilhelmshaven stationiert wäre.

Quellen:
* NPD-Blog: Nazi-Wehrsportgruppe gegen muslimische Terroristen?!?, 12.03.09,
http://npd-blog.info/2009/03/12/nazi-wehrsportgruppe-gegen-muslimische-terroristen/
* ad: Umfangreiches Waffenarsenal sichergestellt, „Blick nach rechts“, 13.03.2009, http://www.bnr.de/bnraktuell/aktuellemeldungen/umfangreicheswaffenarsenalsichergestellt/

SS-Veteranen-Aufmarsch in Riga verboten

Die russische Nachrichtenagentur „RIA Novosti“ berichtete, dass ein für den 16. März geplanter Marsch ehemaliger lettischer SS-Legionäre, von Stadtverwaltung von Riga verboten wurde. Am 16. März wurde in Lettland bislang jährlich von ehemaligen Angehörigen der lettischen Legion, einer Division der Waffen-SS, gedacht.
Seit 1998 findet am 16. März ein Treffen von ehemaligen Mitgliedern der 15. SS-Division (auch: „Lettische Legion“) statt. Am 16. März 1944 kam es zu einer russisch-sowjetischen Schlacht am Fluß Welikaja unter lettischer Beteiligung auf deutscher Seite.
An den vergangenen Treffen nahmen hohe lettische Politiker und Militärs teil. Der 16. März wurde vom lettischen Parlament auch offiziell zum „Tag des Gedenkens des lettischen Kriegers“ ernannt. Vermutlich nahmen in Vergangenheit auch deutsche SS-Mitglieder an den Feierlichkeiten teil.

Spiegel-Online berichtete unterdessen am 16.03.2009, dass trotz des Verbotes hunderte Veteranen der Waffen-SS in Riga aufmarschierten. Der eigentlich verbotene Aufmarsch wurde demnach auch noch von einem starken Polizeiaufgebot von Protesten abgeschirmt.

Quellen:

* RIA Novosti: Lettische Opposition begrüßt Verbot für SS-Marsch in Riga, 09.03.09, http://www.de.rian.ru/society/20090309/120481815.html
* AFP: Latvian court bans Waffen SS veterans‘ parade, demo, 15.03.09, http://www.ejpress.org/article/35362
* fsc/AFP: Veteranen der Waffen-SS marschieren durch Riga, 16.03.09, Spiegel-Online, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,613677,00.html

Rommel und der Zeitgeist

Erwin Rommel hat im Dritten Reich das Buch „Infanterie greift an“ veröffentlicht, in dem er popularisierend und unkritisch seine Erlebnisse während des Ersten Weltkrieges beschreibt.
Rommel-Buch
Interessant ist hierbei sein beigefügtes Vorwort, was sich voll auf der Höhe des herrschenden Zeitgeistes oder vielmehr des braunen Ungeistes befindet. Es ist nicht explizit nationalsozialistisch aber doch stark deutschnational und bellizistisch (kriegstreiberisch):

Die unmittelbar nach den Gefechten gemachten Aufzeichnungen sollen der wehrhaften deutschen Jugend zeigen, mit welch grenzenloser Tapferkeit der deutsche Soldat und insbesondere der Infanterist in dem 4 ½jährigen Krieg für sein Deutschland gekämpft hat.

aus: Oberstleutnant Rommel: Infanterie greift an. Erlebnis und Erfahrung, Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam, 2. Auflage 1937

Kommentar zu dem untigen Kommentar (25.09.2009):
Das bei Rommel Verbrechen Ausgangspunkt seiner militärischen Leistungen sind wird nicht reflektiert. Es kann keine Trennung zwischen militärischen Vorgehen und den Verbrechen der Nationalsozialisten gemacht werden.
Die in Nordafrika lebenden 500.000 Juden waren massiv bedroht von der, durch Rommel geleiteten Expansion. Es gab mehr als 100 Arbeitslager in Rommels Herrschaftsbereich, die für Oppositionelle, aus Frankreich Deportierte und eben auch Juden errichtet wurden. Da ist es vollkommen egal, ob Rommel selbst ein Antisemit war, oder nicht.

Rommel war kein Antinazi oder distanzierter General, sondern ein Hitler-Protege und Vorzeigemarschall, der seine Vorteile durch die Vermarktung durch die NS-Propaganda zog. Seine positive Grundhaltung gegenüber dem Nationalsozialismus, ermöglichte ihm eine große militärische Karriere.

DMZ auf der Azubi-Suche

Das extrem rechte Magazin „Deutsche Militär-Zeitschrift“ (DMZ) ist auf der Suche nach einem Azubi. Fundort der unten abgebildeten Anzeige war der rechtextreme Newsblog „Patriotische Forum Süd“.
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Besuch der Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“

Ausstellung Mythos Rommel

International und National bekannt ist Generalfeldmarschall Erwin Rommel, genannt „Der Wüstenfuchs“. In Deutschland ist und war Rommel vielerorts sehr populär. Bis heute gibt es eine ganze Reihe von Sachen die nach Hitlers Lieblingsgeneral benannt wurden:
* ein Rommel-Denkmal in Rommels Geburtsstadt Heidenheim an der Brenz
* drei Rommel-Kasernen
* ein Rommel-Zerstörer der Bundesmarine
* diverse Rommelstraßen, laut Google-Map im Ganzen zehn Stück
Rommelstraßen

Eine Ausstellung über den Mythos Rommel im Stuttgarter „Haus der Geschichte“ klang interessant und viel versprechend. Der Titel ließ eine kritische Darstellung Rommels und seines Mythos´ erwarten. Gilt doch des Teufels General heute noch bei vielen im In- und Ausland als Meister-Stratege und gar als Vorbild, obwohl er als aktiver Teil des Rasse- und Vernichtungskrieges Hitler-Deutschlands war. Jeder Sieg Rommels war auch ein Sieg für Hitler und dessen Vernichtungskrieg.

In der Ausstellung erfährt der Besucher erst von der Karriere Rommels als Erster-Weltkriegs-Offizier. Als solcher erhielt er auch denn Tapferkeits-Orden „Pour le Merite“. Dass Tapferkeit im Krieg immer bedeutet, dass andere sterben, wird aber nirgendwo erwähnt.

Man erfährt weiterhin, dass Rommel im Jahre 1938 erstmals das Kommando über das Führerhauptquartier hatte und den Einmarsch im Sudetenland koordinierte. Über Hintergründe, Nationalsozialismus, die Verfolgung von Juden und politischen Gegnern aber erfährt der Besucher nichts.

Man erfährt, dass Rommel ein Buch mit dem Titel „Infanterie greift an“ verfasst hat, von Hitler protegiert wurde und sich als Blitzkrieger in Frankreich auszeichnete.
Was die deutsche Wehrmacht in Frankreich überhaupt zu suchen hatte oder dass sie hunderte gefangene schwarze und arabische französische Soldaten ermordete, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass Rommel in Lybien Erfolge feierte, der jüngste Generalfeldmarschall der deutschen Wehrmacht und „ein begeisterter Hobbyfotograf“ war.
Was Rommel plötzlich in Afrika zu suchen hatte oder wie es der einheimischen Bevölkerung unter der deutsch-italienischen Besatzung ging, dass erfährt der Besucher nicht.

Man erfährt, dass es kleine Eastolin-Figuren von Rommel gab und dass Rommel seit Ende 1943 Inspekteur des so genannten „Atlantikwalls“ war.
Über bei den Bauarbeiten des „Atlantikwalls“ eingesetzte Zwangsarbeiter erfährt der Besucher nichts.

Es wird gemutmaßt, dass Rommel vom Attentat auf Hitler 1944 wusste. Beteiligt war er hingegen nicht. Dass Hitler Rommel umbringen ließ, soll ja nicht angezweifelt werden. Aber gegen das sich abzeichnende Kriegsende hin, kam es allgemein zu Selbstzerfleischungen unter den Nazis. Widerstand ist das noch nicht. Immerhin findet sich in der Ausstellung auch der Brief von Rommels Frau Lucie-Marie Rommel, die am 9. September an den Stuttgarter Polizeichef schreibt, dass ihr Mann nicht am Attentat beteiligt war.

Ein Teil der Ausstellung beschreibt auch das Verhältnis von Bundeswehr und nennt Rommel den geistigen Vater der Bundeswehr. Interessant ist, dass der alte Kompanie-Wimpel der Rommelkaserne in Dornstadt bei Ulm und dass das alte Wappen des Grenadier-Bataillons 281 (Dornstadt) sehr dem Symbol von Rommels Afrikakorps ähnelte.
Es gab drei Kasernen, die nach Rommel benannt wurden und die Soldaten der Rommel-Kaserne in Dornstadt pflegen noch heute Rommels Gedenkstein in Herrlingen.
Mitstricker am Rommel-Mythos war der Bundeswehrgeneral Dr. Hans Seidel, der 1949 das Buch „Invasion 1944“ verfasste, in dem er schrieb Rommel verkörpere das „gute deutsche Soldatentum“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rommel in dieser Ausstellung als Nicht-Nazi und unpolitischer Berufssoldat dargestellt wird. Dass ist eine glatte Verfälschung der historischen Wahrheit. Rommel war vielleicht nicht ein fanatischer Nazi vom Typ eines Julius Streicher, aber er war – ohne je NSDAP-Mitglied gewesen zu sein – ein Sympathisant des NS-Regimes und besonders seiner Re-Militarisierungs- und Expansions-Pläne. Damit war Rommel eine Art pragmatischer Nazi, aber eben ein Nazi.
Ohne irgendeinen kritischen Filter vorzuschalten wird Rommel im Stil eines Landser-Heftes als „Stahlgestalt“ dargestellt. Diese Ausstellung dekonstruiert nicht etwa den „Mythos Rommel“, sondern sie führt ihn konsequent fort.
Anstatt Kriegsbilder mit Opferbildern zu konfrontieren, finden sich nur großflächige Schwarzweiß-Bilder, die Rommel als Soldaten zeigen und wahrscheinlich aus der Nazi-Propaganda stammen.
Lediglich dreimal wird im Hintergrund in weißer Schrift auf schwarzweißen Hintergrund pflichtschuldig etwas zu deutschen Gräueltaten eingeblendet. Einmal sogar ein ganzer Satz zu den Juden in Tunesien.

Andere Kriegsverbrechen unter Rommels Obhut hingegen werden vollkommen ausgelassen.
Unter Rommels Zuständigkeit wurden laut dem Blog „Eisberg“ in mindestens zwei italienischen Dörfern Massaker begangen:

In Boves kam es am 19. September 1943 zur Ermordung von 24 Personen durch die SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“.
In Caiazzo wurden im Oktober 1943 22 Zivilisten wegen „Hilfe für den Feind“ bei einer
durch den Wehrmachtsleutnant Lehniyk-Emden befehligten Aktion erschossen.

Ebenfalls nicht in die Ausstellung eingearbeitet wurden die neuen Erkenntnisse des Buches „Halbmond und Hakenkreuz“. In dem offen gelegt wird, dass Rommel eine SS-Einsatzgruppe mit „im Gepäck“ hatte, die 5 Monate die tunesischen Juden terrorisierte und dafür vorgesehen war mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung die Juden in Palästina zu ermorden, so wie es Einsatzgruppen im Osten taten.

Der Blog „Eisberg“ schreibt dazu:

Für die antisemitische Mobilisierung der Einheimischen war u. a. Konstantin von Neurath zuständig. Neurath war Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amtes beim Afrikakorps und betrieb mit der Propagandakompanie des Korps massive antisemitische Hetze und versuchte so die arabische Bevölkerung Ägyptens für die Deutschen einzunehmen.
Obwohl durch britische Erfolge Rommel Palästina nie erreichte büßten 2.500 tunesische Juden die kurze deutsche Besetzung mit ihrem Leben. Allein nach der Eroberung des Judenviertels von Benghazi 1942 und der Deportation von mehr als 2000 Juden durch die Wüste starben ein Fünftel […]

Der Mythos Rommel in der extremen Rechten wurde von der Ausstellung überhaupt nicht erwähnt. Dieser Blog berichtete ja schon davon, dass die extrem rechte „Deutsche Militär-Zeitschrift“ (DMZ) ihre erste Sonderausgabe 2009 dem Thema „Rommel und das deutsche Afrikakorps“ widmete. Auch das Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau zum Todestag am 14. Oktober 2007 anlässlich Rommels 63. Todestages der Trauer-Veranstaltung in Herrlingen beiwohnten, nachdem sie zuvor eine eigene Zeremonie abgehalten hatten, berichtete „Braunzone Bundeswehr“.

Kritik nur im Gästebuch und auf dem Klo
Eine solche Ausstellung hat natürlich einen unkritischen Eindruck auf die Besucher hinterlassen. Das illustrieren eindrucksvoll Einträge im Gästebuch.
Hier werden „Rommels Verdienste gewürdigt“ oder „eine würdige Ausstellung über einen großen Strategen“.
Doch so mancher Eintrag zeugt auch von Kritik und Entsetzen über die ausstellung. Auf den Punkt bringt es der Eintrag des 10jährigen Jonas:
„Das ist voll verherlichung! Wie viele leute sind wegen Rommel draufgegangen?“
[Fehler im Original]
Kritik an Rommel-Ausstellung
Kritik fand sich nicht nur im Gästebuch, sondern ebenfalls auf dem Männer-Klo in Gestalt eines Flugblattes (siehe Bild). In diesem wurde ein Befehl Rommels vom 23. September 1943 zitiert in dem es u.a. heißt:
„Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Bagodgliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht.“
(vom Foto abgetippt)
Weiter wurde in dem Flugblatt darauf verwiesen, dass die als Zwangsarbeiter ausgebeuteten italienischen Kriegsgefangenen („Italienische Militär-Internierten“) nie entschädigt wurden:
„Bis HEUTE [Hervorhebung im Original] wurden die Überlebenden dieser Tortur von der Bundesregierung NICHT [Hervorhebung im Original] entschädigt!!!“

Quellen
* Stuttgarter Ausstellung „Mythos Rommel“, http://www.mythos-rommel.de/
* R. Schwarzenberg: Erwin Rommel: Des Teufels General, http://eisberg.blogsport.de/2007/06/17/erwin-rommel-des-teufels-general/

Stauffenberg und die Bundeswehr – zum Beispiel Benefizkonzert

Ohne Worte

Benefizkonzert in Stuttgart

Benefizkonzert in Stuttgart

Traditionsverband trifft Bundeswehr

Der bis heute bestehende „Traditionsverband ehemaliger Kolonial- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“ beruft sich auf eine über 100jährige Tradition von „Kolonialkriegervereinen“. Die Veteranen, die sich in diesen Vereinen sammelten waren beteiligt an allerhand Massakern und Aufstandsniederschlagungen der gegen ihren Willen Kolonisierten und Ausgebeuteten.
Traditionsverband in Farbe

Die deutsche Kolonialherrschaft kostete mehrere hunderttausend Menschen das Leben. Allein bei dem Boxerkrieg in China, in dem mit deutscher Beteiligung ein Aufstand brutal niedergeschlagen wurde, starben Tausende. Nach der Entsetzung des Diplomatenviertels sandte der deutsche Kaiser Wilhelm II fast 20.000 deutsche Soldaten nach China und hetzt sie vor ihrer Abfahrt am 27. Juli 1900 in Bremerhaven mit seiner berüchtigten Hunnen-Rede auf, in der er dazu auffordert keine Gefangene zu machen.
Bei der Niederschlagung von Aufständen in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) 1903 bis 1909 starben etwa 70.000 Einheimische und bei der Niederschlagung des Maji-Maji-Krieges 1905 im Süden des heutigen Tansania durch deutsche Truppen und ihre arabischen und einheimischen Verbündeten kam es zu über 150.000 Toten.
Bei den Kämpfen zwischen britischen und deutschen Kolonial-Truppen unter General von Lettow-Vorbeck in Ostafrika starben 1914-17 hunderttausende von Menschen, in der Mehrheit Zivilisten.

Es ist notwendig, dass unsere Zivilisation ihren Tempel auf Bergen von Leichen, auf einem Ozean von Tränen und auf dem Röcheln unzähliger Sterbenden errichtet.

Graf Haseler (1893)

Heute sammeln sich im Traditionsverband natürlich keine Veteranen mehr. Der letzte Schutztruppen-Angehörige im Traditionsverband verschied 1991. Die neue Generation besteht aus Kolonialnostalgikern und Kolonialgeschichtsrevisionisten, die nicht selten aus den Reihen der Bundeswehr entstammen oder über familiäre Verbindungen zur deutschen Kolonialgeschichte verfügen. Auch einige politisch weit rechts stehende Personen engagieren sich im Traditionsverband. Dieser darf auch insgesamt als äußerst rechtslastig eingestuft werden.

Bei der Durchsicht des Verbandsorgan „Mitteilungsblatt“ wird eine jahrzehntelange gute Beziehung zwischen Traditionsverband und Bundeswehr offenbar. Eine Auswahl an Zitaten im Folgenden spricht für sich.

Über die Beisetzung des Generals v. Lettow-Vorbecks am 13. März 1964 in der Familiengrabstätte in Pronstorf (Schleswig-Holstein) heißt es:

Von den Morgenstunden an hielten dort am Sarge sechs Stabsoffiziere der 6. Panzergrenadier-Division Neumünster die Totenwache.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Nach der Feier in der Kirche nahmen das Musikkorps und eine Ehrenkompanie der 6. Panzergrenadier-Division sowie ein Ehrenzug des Borkumer Seebataillons der Marine auf dem Friedhof Aufstellung, um dem Toten die letzten militärischen Ehren zu erweisen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch erklang hierbei das „Preußen-Lied“.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 3)

Von der Bundeswehr nahmen hohe Offiziere an der Beisetzung teil – u.a. der Befehlshaber im Wehrbezirk I, Konteradmiral Rösing, der Kommandeur der 6. Panzergrenadier-Division, Generalmajor Haag, der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor de Maziere.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 4)

Über die Trauerrede des Bundesverteidigungsministers und späteren Verbandmitglieds von Hassel heißt es:

Der neuen Bundeswehr habe der General wesentliche Elemente der militärischen Führungskunst vorgelebt, indem er sich selbst die gleichen hohen Leistungen abforderte, wie seinen Untergebenen. Seine Kriegsführung auf der Grundlage von Ritterlichkeit und Anständigkeit verdiene den dank der jungen Generation.

(Mitteilungsblatt Nr. 30 – Mai 1964, Seite 5)

Eine weitere Beziehung ergab sich zum Instandsetzungsbataillon 6 der Bundeswehr. Dieses Bataillon war in der Kaserne untergebracht, die den Namen des Generals trug. Hier war vor dem Krieg das Infanterieregiment 69 der Wehrmacht kaserniert, das ebenfalls die Tradition der deutschen Schutztruppe fortgeführt hatte.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 54)

Der Vorsitzende KLAUS VOLLMER [ein Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr; B-Bw] konnte dank seiner ehemaligen Dienststellung bei der Bundeswehr nicht nur die Verbindung mit der ´Aktiven Truppe´ intensivieren.

(„Mitteilungsblatt Nr. 80 – 07/1997, Seite 72)

Traditionsverband und Auslandseinsätze
Das Cover des Verbandsblattes beweist, dass der Traditionsverband die Auslandseinsätze der Bundeswehr in kolonialer Tradition sieht