Archiv für Februar 2009

Ultra-Rassist war Schatzmeister von Landes-Reservistenverbandes

Die Tageszeitung „taz“ berichtet in einem langen und sehr lesenswerten Artikel über die Umtriebe des 2008 verstorbenen Steuerberater Wolfgang Lütkemeyer aus Erfurt.
Dieser ging nicht nur Erfurts „besserer“ Gesellschaft ein und aus (war z.B. Mitglied des Rotary-Clubs), sondern war auch für zwei Nazi-Vereine aktiv. Er war von 1994 bis zu seinem Tod Schatzmeister „Familienwerks“ und 1993 bis 2001 im Vorstand der „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ (AG GGG) aktiv. Die „Artgemeinschaft“ hat die rassistische Lehre des, im Nationalsozialismus populären, Ideologen „Rasse-Günther“ verinnerlicht. Mitglieder können deshalb nur für Personen werden, die der (fiktiven) „nordisch-fälischen Rasse“ zugeordnet werden. Beide Vereine stehen unter dem Vorsitz des Hamburger Nazi-Anwaltes Jürgen Rieger (* 1946). Der „Nazi in Anwaltsrobe“ (ZEIT) wurde im Juni 2005 für die Bedrohung eines Fotografen im September 2004 zu einer Geldstrafe von 1.600 Euro verurteilt.
Todesmeldung Lüttkemeyer
Das Brisante, der Oberstleutnant der Reserve Lütkemeyer war auch Schatzmeister des thüringischen Landesverbandes des Reservistenvereins und Bezirksbeauftragter der Bundeswehr für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ). In der letztgenannten Funktion hätte Lütkemeyer auch Einsicht in Krisen- und Notstandspläne gehabt.
Weiterhin war Lütkemeyer Schatzmeister der Jagdgenossenschaft „Fahnerhöhe“. Hier soll er angeblich Geld unterschlagen haben. Sein Tod 2008 war ein Selbstmord und soll die Reaktion auf eine Hausdurchsuchung gewesen sein.

Dieser extreme Fall zeigt, dass die Reihen der Bundeswehr keinesfalls abgesichert sind gegen das Einsickern von Neonazis. Die „Artgemeinschaft“ steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und die Stellung Lütkemeyers als Schatzmeister des Rieger-Vereins „Familienwerk“ wäre durch einen einfachen Blick in die Vereinsakten festzustellen gewesen.

Reservisten gegen Rechts
Verlautbarungen dieser Art haben da auch nicht geholfen …

Quellen:
* M. Baumgärtner & T. Schmidt: Der völkische Herr Lütkemeyer. Extremist der Mitte, in: Taz vom 20.02.2009, http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/extremist-der-mitte/
* Frank Brendle: Neonazi führte Bundeswehrkommando, Junge Welt, 21.02.2009
* Kirche für arische Kämpfer – Die Artgemeinschaft, in: Antifa-Infoblatt 1/07, http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/74/16.php
* Andrea Röpke: Jürgen Rieger, DRR Nr. 95 – Juli/August 2005, Seite 18/19

„Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe März-April

DMZ Nr. 68

Die neue DMZ Nr. 68 – Ausgabe März-April 2009 ist erschienen. Die Titelstory lautet „Waffen-SS im Einsatz“ und besteht aus den üblichen unkritischen Helden-Mythen.
Unter der aussagekräftigen Überschrift „Operatives Genie“ wird der Hitler-General Erich von Manstein vorgestellt.

In dem extrem rechten Zweimonats-Magazin finden sich wieder mit Anzeigen von:
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“ (Sitz: Graz) aus Österreich, was besonders von deutschnationalen Burschenschaftern gelesen wird.
* der extrem rechten Zeitung „Zur Zeit“ (Sitz: Wien) aus Österreich, die sich auf Kurs mit der rechtspopulistischen FPÖ befindet
* das rechtsextreme Magazin „Der Freiwillige“, das ehemalige Organ der Waffen-SS-Veteranenorganisation HIAG.
* die revanchistische „Vertriebenen“-Zeitung „Der Schlesier“
* dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag
* Daneben gab es weitere Anzeigen des Magazins „Militaria“ (Verlag Klaus D. Patzwall) und eine Einlage des Atlas-Verlages, der für Zinnsoldaten Werbung machte, und des „Berliner Auktionshaus“, dass in Vergangenheit schon durch die Versteigerung von NS-Memorabilia und KZ-Überbleibseln von sich Reden machte.

Als Interviewpartner standen der DMZ diesmal zur Verfügung:
Ochsenreiter & PLO
* Abbas Zaki, PLO-Botschafter
* Patrick J Buchanan, US-Politiker und ein rechter Neo-Isolationist und Geschichtsrevisionist aus den USA, der in seinem jüngstem Buch Deutschlands Schuld am Zweiten Weltkrieg negiert. Seine Bücher erschienen im Bonus-Verlag („Irrweg Einwanderung“, 2007; „Der Tod des Westens“, 2002) und dem „Pour le Merite“-Verlag („Churchill, Hitler und der unnötige Krieg“, 2008) des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier, der eng mit der DMZ kooperiert. Buchanan bezeichnete AIDS als „Vergeltung der Natur für widernatürliche Handlungen“ von Homosexuellen.
* Zafer Mokadem (* 1944), Sprecher des „irakischen Widerstands“, also einer terroristischen Organisation im Irak. In diesem Fall handelt es sich um einen Vertreter des baathistischen Flügels des „Widerstandes“.

Ochsenreiter & Saddam-Fan
Die Achse zwischen Saddam Hussein – europäische Nationalisten
Der DMZ-Chefredakteur nahm laut DMZ-Bericht an einer Gedenk-Veranstaltung für den irakischen Diktator Saddam Hussein teil, die zum zweiten Jahrestag der Exekution Husseins in Tripoli (Nord-Libanon) stattfand. Bei dieser Begegnung in Tripoli übergab Ochsenknecht Abdul Al-Rafei den Sammelband „Staatsmord in Bagdad“, dessen Herausgeber er ist, an Abdul Al-Rafei.

Zu Husseins Leb- und Regentschafts-Zeiten gab es enge Kontakte zwischen europäischen Rechtsextremisten und dem Irak.
Eine eigene Pro-Saddam-Außenpolitik in Form von offiziellen Besuchen betrieben die bekannten Rechtsextremen Schirinowski (Russland), Le Pen (Frankreich) und Haider (Haider). Aber auch der damalige REP-Europaabgeordnete Prof. Emil Schlee (* 1922) aus Deutschland reiste im November 1990 reiste nach Bagdad und traf dort Saddam Hussein.
Der deutsche Neonazi-Führer Kühnen wollte 1991 im Golfkrieg sogar für Saddam eine Söldnereinheit („Die Legion“) aufstellen. In Anlehnung an die deutsche „Legion Condor“, die im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten Francos und im Auftrag Hitlers kämpfte. Schwedischen Neonazis wollten eine „Legion Wasa“ aufstellen. Doch der Krieg war früher vorüber als die europäischen Neonazis zum „Krieg spielen“ anreisen konnten.
Es entstanden rechten NGOs um vorgeblich den vom US-Boykott gebeuteltem Irak (in Wahrheit trug Saddam Hussein wohl mehr zu den negativen Auswirkungen des Boykotts bei) zu helfen.
Aus den Reihen den französischen „Front National“ (FN) gründete sich die französische Organisation „S.O.S. Enfants d‘Irak“ unter der Leitung von Jany Le Pen, der Ehefrau des FN-Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen. Es folgte die Gründung der „Irakisch-Österreichischen Gesellschaft“ Anfang Mai 2001 mit starker FPÖ-Beteiligung. Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider (damals noch FPÖ) war ab 2002 sogar Präsident der Gesellschaft.
Die Motive waren aber vermutlich weniger wohltätiger, als vielmehr ideologischer (Antiamerikanismus) und finanzieller Natur. Bekannt ist heute, dass Saddam Hussein den russischen Rechtsradikalen Schirinowsky finanzierte.

Quellen:
* „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe März-April 2009
* Lutz Schnedelbach: Kripo durchsuchte Berliner Auktionshaus für Geschichte. Inhaber soll Nazi-Aufnäher angeboten haben, in: Berliner Zeitung vom 02. Juli 1998, http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0702/none/0088/index.html
* Michael Whine: An unholy Alliance – Nazi Links with Arab Totalitarism, in: Benz, Wolfgang; Wetzel, Juliane (Hrsg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus (= Antisemitismus: Geschichte und Strukturen 4). Essen 2007, Seite 173-184
* Anton Maegerle/Heribert Schiedel: Krude Allianz. Das arabisch-islamistische Bündnis mit deutschen und österreichischen Rechtsextremisten, http://www.doew.at/frames.php?/thema/rechts/allianz.html
* Ingo Hasselbach, Winfried Bonengel: Die Abrechnung. Ein Neonazi steigt aus, Berlin 4. Auflage 2005, Seite 52 und 53

Soldaten in tödliche Schlägerei verwickelt

Am Morgen des 6. Februar wurde bei einer Schlägerei vor einer Disco in Aicha vorm Wald (Bayern) ein 27jähriger Mann tödlich verletzt. Ein 19jähriger wurde leicht verletzt. Die vier von der Polizei verhafteten Tatverdächtigen im Alter von 19 und 20 Jahren sind alle Bundeswehrsoldaten.
Die Polizei geht von einem eskalierten Streit zwischen den zwei Verletzten und den zwei Soldaten aus.

Wenn sich Soldaten so schwer im normalen Alltag im Griff haben, wie ist es dann in extrem anspannenden und nervenaufreibenden Situationen im Auslandseinsatz?

Quelle:
* ddp: 27-Jähriger bei Schlägerei getötet. Vier Soldaten verhaftet, http://www.ad-hoc-news.de/27-jaehriger-bei-schlaegerei-getoetet--/de/Regional/Bayern/20031929 bzw. http://www.pr-inside.com/de/jaehriger-bei-schlaegerei-getoetet-r1047703.htm

Neuer DVU-Chef hat olive Wurzeln

Matthias Faust (* 1971), der Nachfolger von Gerhard Frey als Chef der rechtsextremen Partei DVU war laut eigenen biografischen Angaben „Soldat auf Zeit (Feldwebel-Laufbahn)“.
Auch der derzeitige (Noch-)Chef der NPD; Udo Voigt, war eine Zeit lang bei der Bundeswehr, sogar als Berufssoldat.
Matthias Faust

Quelle:
* Online-Artikel des NPD-Blatts „Deutsche Stimme“ (siehe Screenshot)

Neonazis besaßen Bundeswehr- Manöverpatronen

Zwei Mitglieder der „Autonomen Nationalisten Ahlen“ mussten sich unlängst vor Gericht verantworten, u.a. weil sie gegen das Waffengesetz verstoßen hatten. Die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung im März 2007 Manöverpatronen aus Bundeswehrbeständen.

Quelle:
* Straftaten mit rechtem Hintergrund?, 22.01.09, WDR

USA: Marine-Angehöriger unter den den rassist- motivierten Obama-Attentätern

Unter den beiden Festgenommenen weißten Rassisten, die ein Attentat auf US-Präsident Obama planten ist auch Marine Lance Cpl. Kody Brittingham, stationiert in Camp Lejuene, N.C.. Dieser war nach einem bewaffneten Banküberfall-Versuch festgenommen worden. Eine Durchsuchung seiner Unterkunft offenbarte der Polizei seine Attentats-Pläne auf Obama aus rassistischen Motiven.
Diese Tatsache hat erneut ein Licht darauf geworfen, dass sich in den Reihen des US-Militär zunehmend Rassisten und Rechtsextremisten finden. Unter dem Druck der beiden Kriege in Afghanistan und Irak hatten Anwerber begonnen die Beschränkungen zu lockern. Die NGO “Southern Poverty Law Center” (SPLC) hatte deswegen schon mehrmals aud das Einsickern von Rechtsextremisten in die Armee hingewiesen und von der Regierung strengere Zugangsbestimmungen zur Armee gefordert. Doch SPLC’s Hinweise und Forderungen wurden bisher meist als übertrieben abgetan. Obwohl ein FPI-Report von 2008 diese Hinweise noch einmal bestätigte.

Quelle:

* Marine’s Arrest Again Raises Issue of Extremists in the Military, 12.02.2009, http://www.splcenter.org/blog/2009/02/12/marine-arrest-raises-issue-of-extremists-in-military/