Archiv für Januar 2009

Nazi-Stiftung will evtl. alten DDR-Bunker kaufen

Unter Bezug auf einen Bericht der „Berliner Morgenpost“ berichtet NPD-Blog, dass der geplante Verkauf des ehemaligen DDR-Militärbunkers „Fuchsbau” bei Fürstenwalde (Oder-Spree) durch die „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ (BIMA) an einen privaten Investor den Brandenburger Verfassungsschutz auf den Plan gerufen habe. Zu DDR-Zeiten war in dem Bunker die geheime Luftabwehr-Zentrale des Warschauer Paktes untergebracht. Viele der technischen Anlagen sollen noch voll funktionsfähig sein.
Als ein Kauf-Interessent sei ein Holzhändler aus Solingen (Nordrhein-Westfalen) aufgetaucht, den VS-Experten für einen Strohmann des NPD-Manns Andreas Molau halten. Molau wird nicht nur derzeit als heißer Anwärter auf den Posten des NPD-Vorsitzenden gehandelt, er ist auch „Deutschland-Beauftragter” der millionenschweren „Stiftung Kontinent Europa”. Immerhin beträgt der Preis für die 7.500 Quadratmeter große Immobilie mit 190 Hektar Waldfläche 1 Million Euro.
Molaus letzter Immobilienerwerbs-Versuch, das Rauener Gut Johannesberg, liegt lediglich drei Kilometer entfernt.

Quelle:
* Will die “Stiftung Kontinent Europa” den “Fuchsbau” kaufen?, http://npd-blog.info/?p=2685

Nazi mit „soldatischer Einstellung“

Über den Chef des NPD-Ordnungsdienstes, Manfred Börm, heißt es in einem Artikel von „Blick nach Rechts“:

Der achtfache Vater Börm, Bauunternehmer aus Lüneburg, bekräftigte im Gespräch seine „soldatische Einstellung“ und plauderte über familiäre Wurzeln in Schleswig-Holstein. So sei sein Großvater bereits 1929 in die NSDAP eingetreten und die Söhne in der SS aktiv gewesen. Börms eigene berufliche Laufbahn begann bei der Bundeswehr als Ausbilder bei den Fallschirmjägern mit Einzelkämpferausbildung. Bis zum Verbot 1994 engagierte er sich als „Gauleiter“ in der Wiking-Jugend, zuständig für den Bereich Norddeutschland.

Quelle:
* Ar: „Neue politische Strömungen entstehen“, Blick nach Rechts, 20.01.2009

Rassismus in der britischen Armee: z.B. Prinz Harry

Nach Presseberichten hat der englische Windsor-Spross Prinz Harry sich für einen rassistischen Ausdruck entschuldigt. Er hatte einen Mitstreiter beim Militär „Paki“ genannt, in Großbritannien ein verächtlicher Ausdruck für Menschen mit Wurzeln in Indien oder Pakistan. Der Prinz habe niemanden verletzten wollen wurde offiziell mitgeteilt. Dass selbst ein Prinz sich solcher Begriffe bedient, lässt darauf schließen, dass sie in der britischen Armee nicht gerade selten sein dürften.

Quelle:

* Prinz Harry machte Witze über Araber und Inder, 11. Januar 2009, http://www.welt.de/vermischtes/article3006362/Prinz-Harry-machte-Witze-ueber-Araber-und-Inder.html

Zwischen Wehrmacht und Bundeswehr

Ein Ausschnitt aus dem Artikel „Gute Fragen und Schwarze Uniformen“ über den Münchner Prozess gegen den ehemaligen Gebirgsjäger und mutmaßlichen Kriegsverbrecher Scheungraber, erschienen im „Antifaschistischen Infoblatt“ Nr. 81 – Jan-Febr/2009.

Links neben Scheungraber sitzt dann noch der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Rainer Thesen. Er ist der bunteste Vogel unter dessen Verteidigern: Mitglied im Beirat des 1. FC Nürnberg, eifriger Leserbrief- und Aufruf-Unterschreiber u.a. für die »Junge Freiheit« und stolzer Bundeswehr-Oberst der Reserve. Wer in die obskuren Denkwelten dieses Advokaten eintauchen möchte, kann sich mal seinen Vortrag vom 28. November 2006 vor der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Nürnberg, mit dem einladenden Titel »Erschießungen von Geiseln, Sühnegefangenen und sonstigen Zivilpersonen im II. Weltkrieg« gehalten, durchlesen. Eines deutschen Soldaten, so Thesen im Kasernenton, seien die vorgeworfenen Taten unwürdig, und er beruft sich dabei auf die »damals geltenden Vorschriften der deutschen Wehrmacht«. Zynischer geht es kaum, nachdem die Menschheits-Verbrechen der deutschen Armeen im Zweiten Weltkrieg unterdessen sattsam dokumentiert und belegt sind. Aber, wie gesagt, die Verteidiger bewegen sich ganz offenbar in weltanschaulichen Kreisen, in denen Geiselerschießungen und Sühnemaßnahmen an der Zivilbevölkerung als »bedauerliche« Späne gelten, die unter dem Hobel Krieg zu fallen pflegen. So ist das halt im Krieg, da darf man nicht so zimperlich sein wie die verweichlichten Nachkriegsgenerationen. Thesen hat umfängliche Beweisanträge gestellt, die im Tenor besagen, dass, wer nicht selbst im Krieg war oder militärische Ausbildung genossen hat, nichts zum Geschehen 1944 in Falzano di Cortona beitragen könne. Dazu müsse dann schon ein »Sachverständiger« mit dem nötigen Stallgeruch wie der umtriebige »Militärhistoriker«, Interview-Partner der »Jungen Freiheit« und ebenfalls Oberst der Reserve, Klaus Hammel, herbeizitiert werden.

Quelle:
* Friedrich C. Burschel: Gute Fragen und Schwarze Uniformen, in: „Antifaschistisches Info-Blatt“ Nr. 81 – Jan/Febr-2009, http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/81/20.php#7

ein Nazi mit Vorliebe fürs Militärische

In dem rechtsextremen Blatt „hier & jetzt“ Ausgabe 11/08 stand der Münchner NPD-Stadtrat und Träger der Ehrenmedaille der Bundeswehr Karl Richter („Bürgerinitiative Ausländerstop“) Rede und Antwort. Um einmal die Wichtigkeit des Militärischen für die extreme Rechte zu verdeutlichen hier ein Ausschnitt aus dem Interview.
Auf die Frage:

Die taz apostrophierte sie jüngst als „Bundeswehrberater“, und in Ihrer Biographie ist
die Rede davon, Sie seien „Träger des tschechischen Militär-Fallschirmspringerabzeichens“.
Sind Sie jemand, der gerne Krieg spielt?

antwortet Richter:

Nein, aber das Militärische ist in meinen Augen eine essentielle Lebensform: es wird nicht diskutiert, sondern gemacht. Von Spengler stammt dieser wunderschöne Satz: „Wo nicht befohlen wird, geschieht nichts.“ Genau darum geht es. Wir haben sechzig Jahre bundesdeutscher Verkümmerung auf dem Buckel. Was wollen Sie mit Personal erreichen, das die Kategorien von Befehl und Gehorsam nicht mehr aus eigener Erfahrung kennt? Das gilt gilt gerade auch für den politischen Bereich. Jeder trägt sein eigenes kleines aufgeblähtes Ego mit sich herum, niemand kann sich zurücknehmen und ins zweite Glied treten. Was soll dabei herauskommen? Und das mit dem „Bundeswehrberater“ hat den Hintergrund, daß ich 2001 wieder in die Bundeswehr eintrat, mich nach zwanzig Jahre nach meinem Wehrdienst erneut mustern ließ und dann im Rahmen der Reservistenarbeit unter anderem Unterricht in politischer Bildung gab. Das macht kein Kompaniechef gerne, und ich erzählte dann etwas über Moltke, die Umerziehung nach dem Krieg und sinnigerweise auch über „Rechtsextremismus“ – die Rekruten bekamen die einschlägigen rechten Zeitungen von mir in die Hand gedrückt, als Anschauungsmaterial. Irgendwann schaffte es dann aber sogar der BND, mich zu „enttarnen“, und ich erhielt einen verdrucksten Brief des Münchner Standortkommandanten. Was bleibt, ist die Erinnerung, daß Winterkampf im Gebirge unheimlich viel Spaß macht. Und das MG 3 ist einfach eine feine Waffe.

Tickende Zeitbomben in der US-Army

Ein Bericht der NGO “Southern Poverty Law Center” befasst sich kritisch mit Neonazis in der US-Army. Diese nutzen die Armee als Ausbildungsstätte für besondere Waffen-, Sprengstoff- und Kampf-Fähigkeiten. „Kampferprobte“ Neonazis könnten versucht sein diese Fertigkeiten auch gegen ihre Feindbilder einzusetzen. Genau davor warnt der Report des “Southern Poverty Law Center”. Bereits vor zwei Jahren verzeichnete die NGO steigende Zahlen von Nazi-Skinheads und ähnlich Gesinnten, die in die US-Army eintraten.

Der U.S. Senator Richard Shelby, ein Republikaner aus Alabama, schrieb damals in einem offenem Brief an den damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld:
„We witnessed with Timothy McVeigh that today’s racist extremist may become tomorrow’s domestic terrorist.” (Übersetzung: “Wir sahen an Timothy McVeigh, dass der rassistische Extremist von heute der Terrorist von morgen werden kann.”)
Der Ex-Soldat Timothy McVeigh war 1995 einer der Hauptverantwortlichen für das Sprengstoffattentat in Oklahoma-City, bei dem weit über 100 Menschen getötet wurden.
Trotz dieses Briefes an Rumsfeld geschah aber nichts.
Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass sich das Problem noch verschlimmert hat.
Ein neuer FBI-Report berichtet, dass Rechtsextreme das Militär aus zwei Gründen infiltrieren würden: 1. Um im Militär Nachwuchs anzuwerben. 2. Um sich ausbilden zu lassen.

Hier ein paar der „Einzel“fälle im Report:
* Im September 2006 versuchte der Führer der “Celtic Knights”, einer in Texas beheimateten Abspaltung der Hammerskins, von einem aktiven Soldaten in Fort Hood, Texas, Sprengstoffe und Feuerwaffen zu bekommen. Dieser Soldat, der 2006 und 2007 im Irak diente, war Mitglied der Neonazigruppe „National Alliance“.
* Im Mai postete, Army Cpl. Adrian Petty, ein Mitglied der Skinhead-Gang “Vinlanders Social Club” (VSC) verschiedene Fotos auf seiner MySpace-page, die ihn in Uniform im Irak zeigen.
* Etwa 46 Mitglieder des rassistischen Kommunikationsprojektes Newsaxon.com outeten sich als aktive Armee-Angehörige.
Einer davon schrieb online in der Sektion “About Me“: “Love to shoot my M16A2 service rifle effectively at the Hachies (Iraqis),“ und, „Love to watch things blow up (Hachies House).” (Übersetzung: „Liebe es mein M16a6 Gewehr auf Iraker abzufeuern” und „Liebe es nach Dingen Ausschau zu halten, um sie in die Luft zu sprengen (Häuser von Irakern)“

Im Irak als US-Army-Mitglieder stationierte Nazis sollen nach dem Bericht und eigenen Angaben auch rassistisch motivierte Kriegsverbrechen begangen haben.

Quelle:
* David Holthouse: ‚Killing a Brown‘. New Evidence of Extremists in the Military, Intelligence Report, Winter 2008, http://www.splcenter.org/intel/intelreport/article.jsp?aid=971