Stauffenberg-Mythos entmystifiziert

Stauffenberg-Gedenkstätte
Demnächst kommt der Film „Valkyrie“ (dt.: Operation Walküre – das Stauffenbergattentat) mit dem Hubbard-Anhänger Tom Cruise in die Kinos.
Die AutorInnen-Gruppe „Never going home“ hat sich aus diesem Anlass kritisch Stauffenberg und mit dem Bild bzw. seiner (Entlastungs-)Funktion auseinandergesetzt. Die gut 30 seitige Broschüre, die auch als PDF abrufbar ist, räumt auf mit dem Mythos Stauffenberg. Bereits am Anfang liest man:

„er und seine Mitverschwörer waren nationalkonservative elitäre Militaristen und Antisemiten“

Später heißt es zusammenfassend:
„Das Bild der Offiziere vom 20. Juli entsprach dabei lange dem Bild des ‚sauberen Offiziers der Wehrmacht‘, der politisch weder informiert noch engagiert gewesen sei. Aber es lässt sich längst belegen, dass diejenigen, die den Kopf Hitlers forderten, selbst Anhänger nationalsozialistischer Ideen waren: Antisemiten, Antibolschewisten und Völkisch-Nationale.“

Diese Erkenntnis, obwohl es jedeR hätte leicht wissen können, ist wichtig. Fungiert doch die Militäropposition um Stauffenberg als eine der zentralen Traditionsquellen für die Bundeswehr.
Zur Funktion der Vereidigung von Soldaten im Berliner Bendler-Block mit Berufung auf Stauffenberg schreiben die AutorInnen:

„Der Trick beim Gelöbnis am 20. Juli besteht also darin, die SoldatInnen auf ihr individuelles
Gewissen, als auch auf unbedingte Opferbereitschaft für das Vaterland zu vereidigen.“

Nicht nur für die, auch die Bundesrepublik beruft sich in ihrer demokratischen Tradition gerne auf den Antidemokraten Stauffenberg. Auch ein Teil der so genannte „Neuen Rechten“ hat Stauffenberg zu ihrem Idol erhoben um sich vom unpopulären Hitlerismus abzugrenzen und trotzdem auf antiemanzipatorisches Gedankengut zu berufen.

Hier noch zwei kritische O-Töne zu dem Stauffenberg-Kreislern:

Die größte Sorge war bis zum Ende, wie man ein Chaos verhindern (die Alliierten sollten »Vernunft« haben und bis zur Wiederherstellung der Ordnung und damit natürlich auch der Widerstandsfähigkeit des deutschen Heeres »stillhalten«) und die Gefahr des Bürgerkriegs bannen könne. Von dem, was im Osten geschah, waren sie alle unterrichtet, aber daß angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten ein Bürgerkrieg noch das Beste war, was Deutschland passieren hätte können, davon wäre wohl kaum einer von ihnen zu überzeugen gewesen. Vielleicht wäre dies anders bei der Linken gewesen, wenn man daran auch angesichts der Geschichte der deutschen Sozialdemokraten zweifeln darf.

Hanna Arendt über die Stauffenberg-Leute
(Hanna Arendt: Eichmann in Jerusalem, München 3. Auflage 2006, Seite. 187)

Ein wenig spät, Ihr Herren, die Ihr diesen Erzzerstörer Deutschlands gemacht habt, die Ihr ihm nachliefet, solange alles gut zu gehen schien, die Ihr […] unbedenklich jeden von euch gerade verlangten Treueid schworet, die Ihr euch zu armseligen Mamelucken des mit hunderttausend Morden, mit dem Jammer und dem Fluch der Welt belasteten Verbrechers erniedrigt habt und gestern die Republik verraten habt […] diese unwürdigen Enkel des großen Moltke […] sie verraten jetzt, wo der Bankerott nicht mehr verheimlicht werden kann, die pleite gehende Firma, um sich ein politisches Alibi zu schaffen – sie, die als platteste Machiavellisten noch alles verraten haben, was ihren Machtanspruch belastete.

Friedrich Reck-Malleczewen, Tagebucheintrag kurz bevor er im KZ ermordet wurde
(Nach: Hanna Arendt: Eichmann in Jerusalem, München 3. Auflage 2006, Seite 191)

Quelle:
* nevergoinghome: Fragwürdige Traditionslinien (Broschüre), 26. September 2008, online unter: http://nevergoinghome.blogsport.de/images/FragwrdigeTraditionslinien.pdf


2 Antworten auf „Stauffenberg-Mythos entmystifiziert“


  1. 1 BamM 23. Dezember 2008 um 19:58 Uhr

    Sehr gute Broschüre!
    Als Ergänzung: Bereits vor sieben Jahren hat das Büro für antimilitaristische Maßnahmen in Berlin die Broschüre „GelöbNIX“ herausgegeben und ins Netz gestellt, in dem – nach dem damaligen Forschungsstand und nicht ganz so ausführlich – so ziemlich die gleichen Thesen vorgestellt wurden.
    Abrufbar unter http://www.bamm.de/archiv/pdf/geloebnix.pdf

  1. 1 Wäh wäh… « Kaffee, Kuchen…Kommunismus! Pingback am 26. Januar 2009 um 14:03 Uhr
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