Interviewausschnitte zum Thema Juden in der Bundeswehr

Ausschnitte aus einem Interview mit Hauptmann Michael Berger (Historikeroffizier), dem Vorsitzenden des Bundes Jüdischer Soldaten.

Es gab in der Bundeswehr stets eine Gruppe von Offizieren – bis hinein in die Generalität –, die sich immer in der Tradition der Wehrmacht sahen. Zu den bekannten Vertretern dieser Gruppe gehören u.a. der ehemalige Brigadegeneral Reinhard Uhle-Wettler und andere wie der abgesetzte KSK-Kommandeur Reinhard Günzel, der in dieser Seilschaft eigentlich nur ein kleines Licht war. Dennoch war diese Gruppe immerhin so stark, dass sie eine gewisse Schuldumkehr versucht haben – und sie publizieren bis heute in konservativen bis hin zu rechtsextremen Medien. Hier verneinen sie z. B die Singularität der Shoah und fordern ein ungebrochenes Traditionsverständnis zur Wehrmacht. Diese „verwirrten Geister“ haben natürlich ihre Spuren in dieser Armee hinterlassen – das spürt man auch heute noch. Es ist keine Frage, dass jüdische Offiziere in diesem Umfeld als Störfaktoren empfunden werden. Einigen fällt es offenbar leichter, der gefallenen jüdischen Soldaten zu gedenken als die Lebenden zu akzeptieren. Dies wird sich in Einzelfällen sogar negativ auf die Förderung eines jüdischen Soldaten auswirken.
In diesem Zusammenhang gibt es nach meiner Erfahrung auch die Komponente, die wir seinerzeit schon im Kaiserreich hatten, dass gemeint wird, jüdischen Beamten und Soldaten sollten keinerlei Führungsaufgaben erlaubt sein, nach dem Motto: Was den Christen erlaubt ist, ist den Juden noch lange nicht erlaubt. Es gibt eben in der Bundeswehr – wie in der Gesellschaft auch – verschiedene Facetten des Antisemitismus.
Das war auch an folgender Diskussion sehen: als man uns darauf aufmerksam machte, dass das Tragen einer Kippa zur Uniform den Regelungen der Anzugsordnung der Bundeswehr widerspräche und wir daraufhin entgegneten, dass auf entsprechenden Veranstaltungen der Kirchen auch christliche Symbole in Kombination mit der Uniform getragen würden, hieß es doch gleich „Das sei ja wohl etwas ganz anderes….!“ Diese Äußerung war gleich mehrfach von verschiedenen Personen zu hören.

Auf die Frage: „Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Bedrohung und Ihrem Engagement im Bund Jüdischer Soldaten?“

Ja, natürlich. Und dann gab und gibt es jene Leute, die mir sagen, dass ich damit hätte rechnen müssen, dass so etwas passiert. Ich muss sagen, dass ich diese Äußerungen eher unüberlegt und unangemessen finde.

Quelle:
* „Das Totengedenken fällt leichter als die Lebenden zu akzeptieren“, das Interview führte Heike Kleffner, http://www.netz-gegen-nazis.com/artikel/das-totengedenken-faellt-leichter-als-die-lebenden-zu-akzeptieren
* „Das Klima wird spürbar schlechter“– Ein Gespräch mit Hauptmann Michael Berger, Vorsitzender des Bundes jüdischer Soldaten, über Antisemitismus in der Bundeswehr und in der Gesellschaft, ZEIT online, Netz gegen Nazis, 28.10.2008, http://www.zeit.de/online/2008/44/antisemitismus-in-der-bundeswehr