Archiv für September 2008

Angriff von Rechts II: DFG-VK im Visier

Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) erhält derzeit massive Drohungen, weil einer ihrer Landesverbände ein Plakat verwendete, auf dem in ironischer Weise auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr und die damit verbundenen getöteten Soldaten angespielt wird. Das Plakat ist bereits fünf Jahre alt, trotzdem wurde es erst jetzt von Politik und Medien skandalisiert, nachdem wirklich Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz getötet worden.
BILD vs. Bamm
Auch rechte Medien wie die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, der Blog „Politically Incorrect“ oder die Nazi-Newsplattform „Altermedia“ griffen den Fall auf. Aus rechter Ecke hagelt es nun Drohungen. Nach Angaben der DFG-VK erhielt diese Dutzende Droh-Emails und auch in rechtsextremen Foren fanden sich kaum verhüllte Drohungen.
Altermedia-Hetze
Hier ein Beispiel aus der Kommentarspalte des Nazi-Newsportals „Altermedia“.

Quelle:
* René Schulz: Morddrohungen gegen Antimilitaristen, http://www.jungewelt.de/2008/09-04/045.php

Angriff von Rechts I: Jürgen Rose im Visier

Die neurechte „Junge Freiheit“ (JF) enthält in ihrer Ausgabe 37/08 vom 5. September 2008 einen Artikel mit dem Titel „Ein Offizier auf Abwegen“ aus der Feder von Felix Krautkrämer, der eine publizistische Attacke auf kritischen Bundeswehr-Angehörigen zum Inhalt hat. Dieser richtet sich gegen den Bundeswehrangehörigen Jürgen Rose, der in Vergangenheit immer wieder eine einsame kritische Stimme innerhalb der Bundeswehr darstellte.
Inhaltlich ist der Artikel eindeutig tendenziös gegen Rose gerichtet, wird aber nicht direkt ausfällig. Das Bedenkliche ist, dass die JF als „Flaggschiff der »Neuen Rechten«“ eine gewisse Kampagnen-Fähigkeit entwickelt hat. Am Deutlichsten wurde das im Fall der Berliner JuSo-Vorsitzenden Franziska Drohsel, deren Mitgliedschaft in der linken Solidaritätsorganisation „Rote Hilfe“ die JF erfolgreich skandalisierte. In den Chor der Drohsel-Kritiker stimmten schnell Unions-Funktionäre mit ein und bundesweite Medien berichteten über den Fall. Letztlich fühlte sich Drohsel durch den entstandenen Druck veranlasst aus der „Roten Hilfe“ auszutreten. In anderen Fällen versuchte die JF auch Skandale zu produzieren, schaffte es aber nicht Kampagnen loszutreten. Als sie z.B. versuchte einige Autoren eines kritischen Werkes über die JF das Label „linksradikal“ anzuheften, zog nur der Focus mit. Dasselbe wird auch im aktuellen Artikel versucht, indem die Zeitschrift „Ossietzky“, für die Rose schreibt, als linksradikal „tituliert“ wird.
Reiter dieser „Anti-Antifa“-Attacken ist in beiden Fällen Felix Krautkrämer gewesen.
Im Fall Rose dürfte es aber nicht für eine Hetz-Kampagne ausreichen.

JF-Artikel


Quelle:

* Felix Krautkrämer: Ein Offizier auf Abwegen , in: „Junge Freiheit“ vom 02.09.2008

Fundstück: alter Nazi-Kontakt zu Bundeswehr

Der bekannte Nazi-Aussteiger Ingo Hasselbach berichtet in seinem Buch über interessante Kontakte zwischen Rechtsextremisten und Bundeswehr, die auf 1990 zurückdatieren:

Schon zwei Jahre zuvor, im Sommer des Jahres 1990, war ich von dem Hamburger Neonazi Thomas Wulff zu einem Treffen der ganz besonderen Art eingeladen worden. Jürgen Rieger, ein in der »Szene« nicht unbekannter Rechtsanwalt, hatte ein Treffen auf Bundeswehrgelände für Liebhaber militärhistorischer Fahrzeuge angemeldet. Seltsamerweise erschienen die Teilnehmer alle in Tarnuniformen. Viele von ihnen kamen in alten Wehrmachtsfahrzeugen angereist. Rieger teilte die ungefähr sechzig Anwesenden in zwei Gruppen auf. Beide Gruppen fuhren fuhren in unterschiedlichen Richtungen los, um sich an einem ausgemachten Punkt wiederzutreffen. Die Fahrt ging querfeldein, durch Schlammlöcher und über Stock und Stein, für manche sicher ein Gefühl wie auf dem Rußland-Feldzug. Am Treffpunkt angekommen, verließen wir die Fahrzeuge und begannen mit verschiedenen Schießübungen. Die Bundeswehr hatte dem Verein für militärische Fahrzeuge großzügig Schreckschußmunition zur Verfügung gestellt. Später schossen wir mit Luftgewehren auf Zielscheiben. Fünf Bundeswehrsoldaten hatten sich uns zugesellt und nahmen am Zielschießen teil. Der Gewinner, ein Mitglied der »Nationalen Liste«, erhielt von der Bundeswehr einen zwar alten aber funktionstüchtigen Karabiner überreicht. Zum Abend wurden wir in die Kaserne zu einer Grillparty mit Freibier eingeladen. Nachdem wir uns bei dieser Gelegenheit ordentlich betrunken hatten, schliefen wir auch in der Kaserne. Dreißig der Teilnehmer trugen die Tarnuniform des österreichischen Bundesheers, die der Tarnuniform der SS aus dem Zweiten Weltkrieg gleicht.
[…]
Am nächsten Morgen wurden wir wie Soldaten von einer Fanfare geweckt. Wir frühstückten auch gemeinsam mit den Soldaten und wurden zum anschließenden Frühsport eingeladen. Die Bundeswehrangehörigen waren von uns begeistert. Wie rechts wir waren, hatten sie vielleicht gar nicht bemerkt. [Anmerkung: sehr unwahrscheinlich] Diese Treffen von Liebhabern militärhistorischer Fahrzeuge auf Bundeswehrgelände sollen regelmäßig in Putlos bei Hamburg stattfinden, ich war nur dieses eine Mal dabei.

Quelle:
* Ingo Hasselbach, Winfried Bonengel: Die Abrechnung. Ein Neonazi steigt aus, Berlin 4. Auflage 2005, Seite 103 und 104

Aufschlussreiche Kommentare

Als vor kurzem bekannt wurde, dass laut NPD-Blog die Möglichkeit besteht, dass ein NPD-Funktionär aus Niedersachsen Bundeswehr-Trainer sein könnte (BBw berichtete) griff auch das Nazi-Newsportal „Altermedia“ diese Nachricht auf. In dem „Altermedia“-Artikel wird nichts Neues dazu gesagt. Interessanter sind die Einträge in der Kommentar-Spalte, die dort von „Altermedia“-LeserInnen hinterlassen wurden. Einige der rechtsextremen Kommentar-schreiberInnen verraten etwas über rechte Tendenzen in der Truppe. Hier ein paar Zitate:

Zu meiner Bundeswehrzeit, gab es jede Menge NPD-Mitglieder unter den höheren Dienstgraden und auch etliche, die schon in der Wehrmacht Dienst taten. Daran hat sich kein Aas gestört. […]

(Benutzer: Tand und Schande, Datum: 27. August 2008, 12:56 Uhr)

Also als ich bei der Armee war, gab es Nationale zuhauf dort. Und das vor allem in den mittleren aber auch höheren Dienstgraden.

(Benutzer: DuDu, Datum: 27. August 2008, 13:36 Uhr)

Wasn Witz!!
Zu meiner Zeit haben wir noch beim marschieren altes Liedgut der Wehrmacht gesungen.
Ich sag nur ” Auf der Strasse nach Paris ”
Ausserdem ist im Allgemeinen bekannt das gerade die Elitetruppen durchgehend National eingestellt sind !! […]

(Benutzer: Whopperjoe, 27. August 2008, 14:10 Uhr)

Ich war 1997 beim Bund – bei der Marine. Ich sag euch nur eines: Wenn DA der Verfassungsschutz mit beigewesen wäre… ouh ouh ouh… selbst die Offiziere waren rechts, fast alle! Gerade (!) bei der Bundeswehr (und nebenbei angemerkt, auch bei der Polizei) sind mehr rechts als man vermutet. Traut sich natürlich nur keiner das zu sagen, da es ja “verboten” ist.

(Benutzer: Marc, Datum: 27. August 2008, 14:35 Uhr)

Ha Ha Ha
Dann müßen sie die halbe Bundeswehr entlassen !
Ha Ha Ha !!!!!!!!!!!!!

(Benutzer: Kämpfer, 27. August 2008, 14:58 Uhr)

Ich erinnere mich, wenn ich so was lese immer wieder gern an die Erzählungen eines Arbeitskollegen. Der erzählte mir, das es bis zu dem so genannten Traditionserlass völlig normal war, das in den Kasernen Reichskriegsflaggen an den Stubenwänden hingen und Parolen wie “Nicht du bist der Maßstab, sondern die Front” völlig normal waren. Schade dass man heute versucht jegliche Verbindung zwischen der Geschichte und dem aktuellen Wehrorgan zu verwischen.

(Benutzer: Technokrat, 27 August 2008, 16:39 Uhr)

Ich hatte als 20 jähriger Seekadett einen OvWa, der (adlig) zu mir sagte:
“Ich bin ein preußischer Offizier und aus ihnen mache ich einen”
Das als Antwort darauf, weil ich nicht rufen wollte: “Ich hab den Kaiser hoch zu Roß gesehen, Hurra, Hurra, Hurra!”
So ein Schwachsinn aber auch!
Unter meinen Kameraden, gerade beim Sekadetten-Lehrgang waren einige die mal mit dem rechten Arm gegrüßt haben.
Die Marine ist wohl einer der letzten Horte in denen noch deutsches Soldatentum gepflegt wird.
Allerdings, muß man nicht gleich vom deutschen Soldatentum auf Neonazis schließen.
Man munkelt, daß es schon vor 1933 deutsche Soldaten gegeben haben soll
Ach ja: Alte Soldatenlieder haben wir auch gesungen.

(Benutzer: Müllerchen, 27. August 2008, 17:00 Uhr)

[…] ich muss dir, was die Auslandseinsätze angeht wiedersprechen. Zu meiner Zeit ( 1992 ) hatten wir ne ganze Menge Grundwehrdienstleistende beim Einsatz im Golf ( Minensuche vor Kuwait ).
War damals an Bord des Tender Donau, an Turm Alpha 100mm, und wir waren in Manama ( Bahrain ) staioniert ( falls hier einige meinen das wäre ersponnen ).
Abgesehen davon kann ich mich sehr gut an meine Zeit bei der BW erinnnern. Wir hatten auch die alten Soldatenlieder am laufen, und wisst ihr was… da gab es kaum einen der nicht mitgesungen hat. […]

(Benutzer: Carsten J., Datum: 28. August 2008, 9:03 Uhr)

Quelle:
* Altermedia-Artikel „Psst, ich hab da was gehört…. Großes „Nazi-Outing“ bei der Bundeswehr…?“ vom 27.08.08