PORTRÄT: Der Ex-Verteidigungsminister Hans Apel (SPD)

Bei der Berufung/Ernennung eines Verteidigungsministers ist es allgemein üblich einen so genannten „harten Hund“ bzw. ein rechtes Raubein auszuwählen. Zwar waren alle Verteidigungsminister der Bundesrepublik der parlamentarischen Demokratie fast jederzeit verpflichtete Persönlichkeiten, aber ihr Stand rechts von der Mitte ist doch recht auffällig. Der oberste Chef der Bundeswehr steht damit dort, wo – den Statistiken nach – auch der Durchschnitt seiner Soldaten steht. Auffällig ist, dass die Beschaffenheit des Parteibuches sekundär zu sein scheint.

Hier eine (unvollständige) Zusammenstellung der rechten Grenzgänge&-übertritte des ehemaligen Verteidigungsministers Hans Apel (SPD).

Der Parteisoldat Hans Apel, Jahrgang 1932, ist seit 1955 SPD-Mitglied. Apel saß von 1965 bis 1990 für die SPD im Deutschen Bundestag und gehörte von 1970 bis 1988 dem Bundesvorstand der SPD an. Von 1974 bis 1978 war er Bundesminister der Finanzen und von 1978 bis 1982 Bundesminister der Verteidigung.
Nach der politischen Karriere wurde er 1993 zum Honorar-Professor im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Rostock ernannt.

Apel war 1995 einer der Unterzeichner des aus rechter Ecke organisierten Aufrufs „Gegen das Vergessen“ zum 8. Mai 1995, der den Tag der Niederlage des Nationalsozialismus zur deutschen Tragödie umwerten wollte. Später zog Apel allerdings seine Unterschrift wieder zurück.
Auffallend ist Apels christlich-fundamentalistische Grundhaltung. Im Jahr 1999 trat Apel aus der evangelischen Kirche aus und tritt dafür in die evangelische Rechtsabspaltung „Selbständige Evangelisch Lutherische Kirche“ (SELK) ein. In der SELK ist z.B. auch die CDU-Rechtsaußen und BdV-Chefin Erika Steinbach zu finden.
Ausschlaggebend für Apels Wechsel waren wohl die liberalen Tendenzen in der evangelischen Kirche (Akzeptanz von Homosexualität, Frauen-Priestertum). In einem Interview für das Blatt des rechtsklerikalen „Arbeitskreis Christlicher Publizisten“ (ACP) betont Apel auch, dass er „praktizierte Homosexualität“ für „sündhaft“ hält. Der ACP wirbt auch auf seiner Homepage mit dem Apel-Zitat:

Die Ziele des ACP decken sich voll mit meinen Vorstellungen.

Apel-Buch
Mit seinem Kirchen-Wechsel geht auch einher, dass Apel das Buch „Volkskirche ohne Volk“ verfasst. Dafür wurde ihm 2004 durch die evangelikale „Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ in Bayern (KSBB) der Walter-Künneth-Preis verliehen.
Insgesamt atmet das Buch einen stark antimodernistischen und kulturpessimistischen Geist.
Hier ein Ausschnitt:

Die Kirche kann niemanden an sich und an das Christentum binden, der das nicht will. Falsch und verderblich aber ist es, die Vorgaben Gottes nur deshalb zu lockern, damit die Menschen dabeibleiben. Ehebruch bleibt Ehebruch, auch wenn er zu einem gängigen Phänomen wird. Die Ehe ist gottgewollt, auch wenn die Ehescheidungen rapide zunehmen. Abtreibung bleibt Sünde, auch wenn der Staat seine Gesetze verändert. Die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare lässt Gottes Segen zu einer Sünde werden, auch wenn der Staat solche Partnerschaft legalisiert!

(Hans Apel: Volkskirche ohne Volk, Seite 12 und 13)
Als Referent soll Apel 2007 bereits bei der rechten Sammlungsbewegung „Stimme der Mehrheit“ aufgetreten sein.
Das der homophobe Ex-Verteidigungsminister Apel als Interviewpartner der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und der extrem rechten „Deutschen Militärzeitschrift“ (DMZ) bereits zur Verfügung stand, dürfte da sicher kein Versehen gewesen sein.

Quellen:
* Hans Apel: Volkskirche ohne Volk. Der Niedergang der Landeskirchen, Gießen/Basel, 3. Auflage 2004