Von den Stahlgestalten

„Jede Glorifizierung eines Menschen,
der im Kriege getötet worden ist,
bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“

Kurt Tucholsky

Moelders-Titelblatt

In dem, im Kiosk erhältlichen, Zweimonatsmagazin „Militär&Geschichte“ (Untertitel: „kompetent – objektiv – modern“) findet sich in der aktuellen Ausgabe (Nr. 39 – Juni/Juli 2008) eine Titelgeschichte („Herausragender Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg – eine kritische Würdigung“) zu dem Wehrmachtsflieger und „Legion Condor“-Veteran Werner Mölders. Autor dieser nur leicht gedämpften Hymne ist ein Dr. Hermann Hagena, Brigadegeneral a.D. Von Hagena erschienen auch schon Artikel in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit”. Der Artikel des Brigadegeneral a.D. ist inhaltlich nicht nur reichlich unkritisch, sondern geradezu verherrlichend. Die Seite der faschistischen Francisten, die gegen die gewählte spanische Regierung putschten, werden extrem verharmlosend mit „auf Seite der Nationalisten“ umschrieben. Besonders hervorgehoben werden bei Mölders, früherer Namensgeber des Jagdgeschwaders 74, vor allem seine Taten in punkto Leistung. Genau dasselbe Bild von Soldaten als Leistungserbringer und gewöhnliche Nur-Soldaten existiert auch in den Landser-Leseheftchen.

Guernica

Das darf nicht verwundern. Denn diese Landser-Hefte, wie „Militär&Geschichte“ werden beide vom Pabel-Moewig-Verlag mit Sitz in Rastatt herausgegeben. Ebenso wie die harmlosen Serien „Pherry Rhodan“ und „Bussi Bär“ übrigens.
Politik wird im Landser-Heft für die dargestellte deutsche Seite nicht erwähnt, aber Feind der angeblich so unpolitischen Wehrmacht der ehrlichen Landser ist die politische Rote Armee mit ihren Kommissaren. Im Kampf gegen diesen Feind werden nun besondere Leistungen einzelner Mitglieder der „apolitische“ und „effizient“ konstruierten Wehrmacht hervorgehoben. Deren Erbringer werden gerne verharmlosend „Stahlgestalten“ genannt. Diese „Stahlgestalten“ gibt es auf niedriger Ebene (Mölders, Novotny, Rudel), aber auch auf höherer Ebene (Rommel).
Diese von Kritikern „sezierende Ansatz“ wird auch von der Funktionalisten-Fraktion in der Bundeswehr selbst genommen. Bei dieser Vorgehensweise der Kriegstechnokraten fallen Kontexte natürlich unter den Tisch und Leistung wird gewürdigt obwohl sie im Rahmen eine Rasse- und Vernichtungskrieges stattfand.
Fazit: Der Mölders-Artikel hätte so auch ohne Probleme in der extrem rechten „Deutschen Militär-Zeitschrift“ stehen können.

Quellen:
* Klaus F. Geiger: Kriegsromanhefte in der BRD, Tübingen 1974
* „Militär & Geschichte“ Nr. 39 – Juni/Juli 2008, Seite 4-19
* Hermann Hagena: Im Schatten der Palme, „Junge Freiheit” vom 46/06 10. November 2006


1 Antwort auf „Von den Stahlgestalten“


  1. 1 Alex 11. Juli 2008 um 14:03 Uhr

    Hallo,
    ich habe ihren Artikel gelesen und wollte sie fragen, ob sie Militär und Geschichte im allgemeinen als braunes Gedankengut ansehen oder nur diesen Artikel?

    Ich habe schon einige Hefte aus dieser Reihe gelesen und auch 2 Lanzerhäftchen, wobei ich ausdrücklich sagen muss:
    ich bin kein Rechter und gehe auch in keinster Weise in diese Richtung ein/auf.

    Mit den Lanzernhäftchen haben sie recht.
    Es wird alles als Kameradschaftlich und harmlos beschrieben, abgesehen von den Mäckereien de Soldaten über Hitler.
    Die Soldaten haben erfolge die mehr an Nazi-Mythen erinnern als an Geschichte.

    Aber die Militär und Geschichte Häftchen befassen sich nicht nur mit dem 3. Reich, sondern mit de Geschichte allgemein.
    In anderen Artikeln über das 3. Reichüber Guernica, beschrieb man die Situation als kritisch, brutal sowie als Verbrechen.
    Was meinen sie dazu?
    Mit freundlichen Grüßen Alex

    p.s.: ich möchte das Häft nicht in Schutz nehmen, aber klar differenzieren.

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