„Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Mai-Juni

Die neueste Ausgabe der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ ist erschienen und wartet mit drei größeren Interviews auf:
* Zum „Eisernen Kreuz“ darf sich der Reinhard Günzel aus Beckingen (im Saarland) äußern. Günzel war 2000 bis 2003 Brigadegeneral des „Kommando Spezialkräfte“ (KSK), solidarisierte sich dann mit der von antisemitischen Stereotypen durchsetzten Rede des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der als Reserveoffizier bei Günzels Truppe seine Reserveübung abgelegt haben soll, und wurde für seine Solidarität mit Hohmann entlassen.
Seitdem tritt er immer wieder in rechten Kreisen als Referent auf. So bei: „pro Köln“, der Münchner Burschenschaft Danubia (04.07.04), den Göttinger Burschenschaften Holzminda & Burschenschaft Hannovera (2003), dem „Institut für Staatspolitik“ (Mai 2004), dem 8. Berliner Kolleg (Dezember 2004) des genannten „Institut für Staatspolitik“, bei dem rechtsklerikalen Verein „Die Wende“ (13.04.07), bei der Prager Burschenschaft Teutonia zu Regensburg (03.05.07) oder bei der Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken war Günzel zumindest als Referent angekündigt.
* Ebenfalls zu Wort kommen darf Prof. Dr. Franz W. Seidler, der nach Angaben des „Blick nach Rechts“ bereits Referent bei der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik war und auch schon bei den extrem rechten Burschenschaft Germania in Hamburg und Danubia in München aufgetreten sein soll. Der Militärhistoriker Seidler ist emeritierter Ordinarius für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität München.
* Aus der Reihe der üblichen DMZ-Interviewpartner sticht diesmal der DMZ-Interviewpartner Prof. Dr. Mohssen Massarrat, u.a. Mitglied im Attac-Beirat und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück, heraus.
Doch die DMZ haben mit Massarrat nicht einen „Fehlgriff“ getan, sondern gewollt einem Interviewpartner ausgewählt, der der Linie des Blattes fern steht.
Mag es inhaltlich auch nur wenige Gemeinsamkeiten zwischen diesem Interviewpartner und DMZ-Redaktion wie DMZ-Stammleserschaft geben, aber eine Funktion hat das Interview trotzdem erfüllt. Sie verschafft der DMZ Renomée. Neben rechten Interviewpartnern wie dem aus der Bundeswehr entlassenem KSK-Chef Günzel (Januar/Februar 2006, Nr. 49) oder dem Ex-CDU-Hinterbänkler Henry Nitzsche (März/April 2006, Nr. 50), können die DMZ-Macher so auf vermeintliche Entlastungszeugen verweisen. Dieses System hat Prinzip und ist gewollt, durch das Einspannen politisch fernstehender Personen als Interviewpartner, versucht man sich als meinungspluralistisch und diskussionsoffen darzustellen.
Soviel zur Funktion des sechsseitigen Interviews für die DMZ. Das enthebt Massarrat aber nicht der Verantwortung. Er hätte sich besser einmal kundig getan, wem er da Frage und Antwort stand.
Allerdings gibt es in diesem Interview auch ein paar bedenklichere Punkte. So wird Israel von Massarrat nicht nur als der „verläßlichste Brückenkopf der USA“ bezeichnet. Masserat versucht auch in einer Art Kalter-Kriegs-Logik zu erklären, warum der Iran ein Anrecht auf Atomwaffen habe. Begründung, so nämlich Massarrat, sei ein durch israelische Atomwaffen geschaffenes Sicherheitsdilemma. Dass zudem am Ende des Interviews für ein verstärktes „deutsches Selbstbewußtsein“ von Seiten Massarrats plädiert wird, hat vermutlich auch dem üblichen DMZ-Leser gefallen. Als gutes Beispiel wird dann auch noch Schröders Zurückhaltung im letzten Irakkrieg benannt. Derselbe Schröder der im Jugoslawienkrieg noch Deutschland kräftig mitmischen ließ. Das war dann tatsächlich deutsches Selbstbewußtsein, nämlich nur Kriege zu führen, die der eigenen Nation dienlich sind. Unter Schröder hieß das damals „Deutscher Sonderweg“.
Auf das Nachhaken von Kritikern dieses Interviews erklärte Mohssen Massarrat immerhin per Email:

„Ich bin natürlich auch enttäuscht und verärgert darüber, dass der Chefredakteur der Zeitschrift auf meine dezidierte Frage der politischen Zuordnung der Publikationen lediglich das rechtskonservative Umfeld genannt und unterschlagen hat, dass sie von der Bundesregierung als rechtsextremistisch eingestuft wird.
Ich würde jedenfalls in Zukunft niemals derartigen Medien ein Interview geben. Pazifismus, dem ich mich verpflichtet fühle, und Kriegsverharmlosung schließen sich grundsätzlich aus.
Ungeachtet des Ortes, stehe ich zu jedem Satz meines Interviews. Insofern sollte der Interviewtext lediglich als Analyseanregung genutzt, jedoch im Kontext von DZM nicht weiterverbreitet werden.“

Den Fehler, auf Grund mangelhafter Recherche der DMZ für ein Interview zur Verfügung gestanden zu haben, kann insofern etwas korrigiert werden, als der Interviewpartner sich öffentlich von der DMZ distanziert. Getan hat das in Vergangenheit z.B. die FDP-Politikerin Birgit Homburger (September/Oktober 2006, Nr. 53).

Ansonsten auch in dieser Ausgabe wieder mit dabei sind folgende extrem rechen Dauer-Anzeigenkunden: Der Germania-Verlag aus Weilheim, die FPÖ-nahe österreichische Wochenzeitung „Zur Zeit“, das deutschnationale Studentenmagazin „Die Aula“ aus Österreich oder der „Buchdienst Südtirol“ aus Nürnberg.

Quellen:
* Anton Maegerle: Konspirativer Kongress, in: „Blick nach Rechts“ (BnR) – Ausgabe 05/2005
* „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Mai-Juni