Archiv für Mai 2008

NPD-Chef bald kein Reservist mehr?

Eine dpa-Meldung berichtet davon, dass der Deutsche Bundeswehrverband den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt aus seinen Reihen ausschließen will. Allerdings gäbe es dabei rechtliche Schwierigkeiten.
Voigt war 12 Jahre bei der Truppe und ist Reserveoffizier.
NPD-Chef als Soldat
OBEN: Screenshot von der Homepage vom NPD-Chef Udo Voigt

Quellen:
* DPA: Bundeswehrverband will NPD-Chef ausschließen, 21.05.08, http://de.news.yahoo.com/dpa2/20080521/tde-bundeswehrverband-will-npd-chef-auss-1e5d950.html
* Meldung auf NPD-Blog: Bundeswehrverband will Voigt ausschließen, 22.05.08, http://npd-blog.info/?p=1733

SS-Veteranen vor dem Prozess?

Das Schweizer Magazin „20 Minuten“ berichtet davon, dass in Polen derzeit von Efraim Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Centers, Spuren zu Mitgliedern der SS-Brigade Dirlewanger vermutet werden. Diese als sehr brutal geltende Einheit war an mehreren Massakern, u.a. bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes 1944, beteiligt.
Die neue Spur stammt vom österreichischen Roten Kreuz, dass vor kurzem dem Museum des Warschauer Aufstandes bisher unbekannte Daten über die SS-Einheit übermittelt. Die etwa 100 Karteikarten enthalten auch die Namen von Soldaten und ihre Adressen. Nun sttellten die Museums-Mitarbeiter fest, dass einige der Gelisteten unter ihren alten Adressen erreichbar sind.

Quelle:
* SDA/ATS: Zuroff jagt SS-Nazis in Polen, 20.05.08, http://www.20min.ch/news/dossier/hitler/story/24178656

Von den Stahlgestalten

„Jede Glorifizierung eines Menschen,
der im Kriege getötet worden ist,
bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“

Kurt Tucholsky

Moelders-Titelblatt

In dem, im Kiosk erhältlichen, Zweimonatsmagazin „Militär&Geschichte“ (Untertitel: „kompetent – objektiv – modern“) findet sich in der aktuellen Ausgabe (Nr. 39 – Juni/Juli 2008) eine Titelgeschichte („Herausragender Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg – eine kritische Würdigung“) zu dem Wehrmachtsflieger und „Legion Condor“-Veteran Werner Mölders. Autor dieser nur leicht gedämpften Hymne ist ein Dr. Hermann Hagena, Brigadegeneral a.D. Von Hagena erschienen auch schon Artikel in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit”. Der Artikel des Brigadegeneral a.D. ist inhaltlich nicht nur reichlich unkritisch, sondern geradezu verherrlichend. Die Seite der faschistischen Francisten, die gegen die gewählte spanische Regierung putschten, werden extrem verharmlosend mit „auf Seite der Nationalisten“ umschrieben. Besonders hervorgehoben werden bei Mölders, früherer Namensgeber des Jagdgeschwaders 74, vor allem seine Taten in punkto Leistung. Genau dasselbe Bild von Soldaten als Leistungserbringer und gewöhnliche Nur-Soldaten existiert auch in den Landser-Leseheftchen.

Guernica

Das darf nicht verwundern. Denn diese Landser-Hefte, wie „Militär&Geschichte“ werden beide vom Pabel-Moewig-Verlag mit Sitz in Rastatt herausgegeben. Ebenso wie die harmlosen Serien „Pherry Rhodan“ und „Bussi Bär“ übrigens.
Politik wird im Landser-Heft für die dargestellte deutsche Seite nicht erwähnt, aber Feind der angeblich so unpolitischen Wehrmacht der ehrlichen Landser ist die politische Rote Armee mit ihren Kommissaren. Im Kampf gegen diesen Feind werden nun besondere Leistungen einzelner Mitglieder der „apolitische“ und „effizient“ konstruierten Wehrmacht hervorgehoben. Deren Erbringer werden gerne verharmlosend „Stahlgestalten“ genannt. Diese „Stahlgestalten“ gibt es auf niedriger Ebene (Mölders, Novotny, Rudel), aber auch auf höherer Ebene (Rommel).
Diese von Kritikern „sezierende Ansatz“ wird auch von der Funktionalisten-Fraktion in der Bundeswehr selbst genommen. Bei dieser Vorgehensweise der Kriegstechnokraten fallen Kontexte natürlich unter den Tisch und Leistung wird gewürdigt obwohl sie im Rahmen eine Rasse- und Vernichtungskrieges stattfand.
Fazit: Der Mölders-Artikel hätte so auch ohne Probleme in der extrem rechten „Deutschen Militär-Zeitschrift“ stehen können.

Quellen:
* Klaus F. Geiger: Kriegsromanhefte in der BRD, Tübingen 1974
* „Militär & Geschichte“ Nr. 39 – Juni/Juli 2008, Seite 4-19
* Hermann Hagena: Im Schatten der Palme, „Junge Freiheit” vom 46/06 10. November 2006

Braune Lektüre beim österreichischen Militär

Aus der Antwort auf eine schriftliche Anfrage an die Präsidentin des Nationalrates von Österreich vom 6. März betreffs „revisionistische Literatur in der Österreichischen Militärbibliothek (ÖMB)“ ergibt sich, dass in der ÖMB allerhand braune Werke liegen.

Folgende Bücher wurden in den Kalenderjahren 2005 bis 2007 gekauft und stammen aus extrem rechten Verlagen:
* Sutkus, Bruno: Im Fadenkreuz: Tagebuch eines Scharfschützen; Munin Verlag; 2005
(angekauft 2005). Dienstexemplar.
* Kannicht, Joachim: Ideologie gegen Wehrmacht-Tradition: wohin treibt die Bundeswehr
* Die Politik bestimmt die Richtung; Grabert Verlag; 2005 (angekauft 2005).
* Meiser, Hans: Das Tribunal: der größte Justiz-Skandal der Weltgeschichte; Grabert
Verlag; 2005 (angekauft 2006). Dienstexemplar.
* Zemella, Günter: Moral Bombing: die Chronologie des Luftterrors 1939-45; Grabert
Verlag; 2006 (angekauft 2006).
* Brinkmann, Karl: Grundfehler der Relativitätstheorie; Hohenrain Verlag; 1988 (angekauft
2005).
* Motzkuhn, Robert: Der Kampf um das Öl: Weltvorräte, Ölmultis und wir; Hohenrain
Verlag; 2005 (angekauft 2006). Dienstexemplar.
* Schneider, Reinhard: Die Kaiserliche Schutz- und Polizeitruppe für Afrika:
Felduniform; Ausrüstung; Bewaffnung; Druffel & Vorwinckel-Verlag; 2005 (angekauft
2006).
* Eppich, Martin: Abgehauen: Als blinder Passagier 1947 auf der „Queen Mary“ von
Southampton nach New York; Druffel & Vorwinckel-Verlag; 2007 (angekauft 2008)
* Melisch, Richard: Der letzte Akt: die Kriegserklärung der Globalisierer an alle Völker
der Welt; Hohenrain Verlag; 2007 (angekauft 2008). Dienstexemplar.

Insgesamt wird angegeben man habe vom Grabert-Verlag in der Zeit von 1971 bis 2008 49 Bücher erworben (Ankauf bzw. Schenkung), wovon 4 Exemplare wieder entfernt worden wären.

Quelle:
* Anfragebeantwortung: Rechtsextreme, rechtsrevisionistische und deutsch-revanchistische Literatur wird keinesfalls systematisch beschafft, sondern dient ausschließlich – wenn erforderlich – als Quelle einer kritischen wehrwissenschaftlichen Forschung, 3738/AB XXIII. GP – Anfragebeantwortung, eingelangt am 05.05.2008

Das Soldatische in der NPD

Ohne Kommentar folgt ein längeres Zitat aus der Tageszeitung „taz“:

Udo Voigt vergleicht sich gerne mit dem Reichskanzler. Der ist weniger heikel als Hitler. Schon als Grundschüler habe er sich für Bismarck begeistert. „Er ist für mich ein politisches Vorbild“, sagt Voigt ehrfürchtig. „Er war auch ein Offizier und Soldat.“ Der Gedanke ans Militär bringt ihn ins Schwärmen. Er habe in seiner Jugend „Kriegsliteratur“ verschlungen – auch jene, die ihm sein Vater, ein SA-Mann und Wehrmachtsveteran, hinlegte. Voigt seufzt. „Ich wäre lieber Offizier als Parteivorsitzender.“
Zwölf Jahre hatte Voigt bei der Bundeswehr gedient, bevor er rausflog, nachdem er rechtsextrem agitiert hatte. Es war ein Kosmos, wo Befehl und Gehorsam galten – und wo es nicht nötig war, den Demokraten zu spielen. „In der Partei muss man jede Entscheidung vorbereiten, man muss sie diskutieren und ist einem Hinterfragungsprozess ausgesetzt.“ Für die Demokratie hatte Voigt noch nie etwas übrig – außer Verachtung. „Beim Militär wird gesagt: So wird es gemacht. Und wer nicht mitmacht, der wird vorläufig festgenommen“, schwärmt er. „Dann ist die Sache erledigt.“

Quelle:
* Astrid Geisler: Sein Kampf, in: „taz“ vom 10.05.2008, http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/das-chamaeleon/?src=TE&cHash=66678c7787

Symbolische Kontinuitäten

Bei der Diskussion um die Wiedereinführung der historisch vorbelasteten militärischen Verdienstauszeichnung „Eisernes Kreuz“ wurde darauf verwiesen, dass ja das „Eiserne Kreuz“ schon länger bei der Bundeswehr zu finden sei. Immerhin wird es von dieser seit ihrer Gründung in abgewandelter Form als Logo verwendet.
Auch bei den Orden wurden alte Motive in bereinigter Form, also ohne Hakenkreuz, übernommen, wie die beiden unten stehenden Bilder beweisen.

vor 1945
vor 1945

nach 1945
nach 1945

Selbst eine Art von Rune findet sich noch bei der Bundeswehr. Jedenfalls ähnelt ein im Heer (Stabsfeldwebel, Oberfähnrich, Hauptfeldwebel) und Marine (Oberstabsbootsmann, Stabsbootsmann, Hauptbootsmann) verwendetes Schulterstück der Odalsrune. Diese ist übrigens, wenn sie im Zusammenhang mit der, 1994 verbotenen, Wikingjugend verwendet wird, verboten.

Odalsrune.Foto

Bundeswehr-Rune

Odalsrune

Odalsrune Wikingjugend

Quelle:
* Wiki-Eintrag, http://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgrade_in_der_Bundeswehr

„Keine vorliegenden Erkenntnisse“

Im Nebensatz einer Meldung des SPD-Informationsdienstes „Blick nach Rechts“ heißt es:

Keine Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über gezielte Versuche von Rechtsextremisten vor, ausgediente Waffen und Ausrüstungsgegenstände der Polizei und der Bundeswehr zu erwerben.

Quelle:
* am: Verhinderte Häuslebauer, in: „Blick nach Rechts“, 29.04.2008, http://www.bnr.de/bnraktuell/aktuellemeldungen/verhindertehaeuslebauer

Mittenwald-Nachlese

Treffen der Generationen
Hier eine kleine Zusammenfassung der Berichte über das 51. Gebirgsjägertreffen in Mitenwald.
Dieses Jahr waren es bedeutend weniger Bundeswehrsoldaten (unterstützten die Veranstaltung mit Kranzträgern, Kraftfahrern und Ehrenposten), Veteranen und ihre Verwandten, die nach Mittenwald fanden. Die Zeitungsberichte vermelden 5-800 Teilnehmer (2007: 1.500) an der traditionellen Feier auf dem Hohen Brendten.
Auch aus dem Ausland fanden Gäste zu dem Treffen. So wurde der österreichische Brigadier a. D. Josef Puntigam begrüßt. Puntigam, eheamliger Kommandant der Jägerschule und Infanteriechef des Österreichischen Bundesheeres, hatte das Vorwort zu dem 2006 im rechten Pour-le-Mérite-Verlag erschienene Bildband „Geheime Krieger“ verfasst und stand auch schon der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ (Ausgabe Nr. 52, Juli/August 2006) für ein Interview zur Verfügung. Brisant ist, dass man in Österreich um den mehr als zweifelhaften Charakter der Veranstaltung zu wissen scheint. Deshalb hat das österreichische laut „Junge Welt“ seinen Soldaten verboten hat, in Uniform daran teilzunehmen.
Als hochstehender Militär von deutscher Seite hatte der frühere NATO-General Klaus Reinhardt teilgenommen.
Die Tageszeitung „Junge Welt“ berichtet davon, dass der Vorsitzende der Ortskameradschaft Mittenwald in seiner Ansprache den Wehrmachtsgeneral Hubert Lanz zitierte, der die Gebirgstruppen einstmals als „Elite des Herzens und des Geistes“ bezeichnet hatte.
Lanz wurde, obwohl in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt, später Ehrenpräsident des Kameradenkreises der Gebirgsjägertruppe.

Protest
Am Samstag demonstrierten etwa 150 Antifaschisten stundenlang in der Innenstadt von Mittenwald.
Fast hätte es eine wirkungsvolle Intervention bei der Traditionsfeier auf dem „Hohen Brendten“ selbst gegeben. Der Regionalzug München-Mittenwald stoppte auf freier Strecke nahe dem Veranstaltungsort durch eine Notbremsung. Knapp fünfzig Demonstranten versuchten aus dem Zug heraus auf den „Hohen Brendten“ vorzudringen, wurden aber von der Polizei gestoppt.
Mittenwald 2008

Resümee
Zwar werden nach mehreren Jahren Protesten gegen die Veranstaltung und inzwischen gut dokumentierten und nachgewiesen Kriegsverbrechen, auch von den Veranstalten, z.B. beim Gedenkgottesdienst „Fehler“ der Soldaten im Zweiten Weltkrieg eingeräumt, aber die werden, sofern es sich nicht sowieso nur um Lippenbekenntnisse handelt, eher als schwarze Schafe hingestellt. Denn insgesamt, so das Bild, waren die Gibirgsjäger der Hitlerschen Wehrmacht und Waffen-SS ja tapfer. Dieses Bild ist auch ein offizielles. So heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Ulla Jelpke (Linksfraktion) von Seiten der Regierung
„Von einer verbrecherischen Geschichte der Gebirgstruppen zu sprechen,
ist historisch falsch.“

Quellen:

* Frank Brendle: Kriegsverbrecher geehrt. 800 Teilnehmer bei Wehrmachtsglorifizierung auf Gebirgsjägertreffen, in: „Junge Welt“ vom 05.05.2008
* Demonstranten stoppen Zug – Sturm auf Hohen Brendten gescheitert, in: Garmisch Partenkirchner Tageblatt vom 04.05.2008
* Joachim F. Tornau: Alte Kameraden mit schlechtem Gedächtnis, in: Frankfurter Rundschau vom 5. Mai 2008

* AK Angreifbare Traditionspflege: Entering Mittenwald, Pfingsten 2005

Dokumentation: Mittenwald-Protest-Aufruf 2008

„Aufruf 2008
„Berg frei!“ werden wir am 3. und 4. Mai 2008 wieder alten und jungen Gebirgsjägern in Mittenwald entgegen rufen. „Berg frei!“ ist nicht als Gruß unter Wanderern gemeint, es heißt kurz und schlicht: „Haut ab! Nie wieder Gebirgsjäger in Mittenwald!“ Über 50 Jahre lang treffen sich jährlich zu Pfingsten einige tausend aktive und ehemalige Gebirgsjäger aus Bundeswehr und Wehrmacht. Dieses Jahr ist alles etwas anders, denn der Kameradenkreis musste das Gebirgstreffen auf Anfang Mai verlegen. Aufgrund der Proteste gegen die Mörder unterm Hakenkreuz blieben zu Pfingsten die Touristen im oberbayerischen Mittenwald aus.
Wir rufen auch in diesem Jahr wieder zu Protesten gegen das Traditionstreffen in Mittenwald auf. Kommt am 3. und 4. Mai 2008 und „Geben wir ihnen den Rest! Nie wieder Gebirgsjäger in Mittenwald!“
Das Treffen des Kameradenkreises der Gebirgsjäger in Oberbayern ist das größte Soldatentreffen Deutschlands. Neben Abordnungen der Bundeswehr nehmen an dem Traditionstreffen auch revisionistische und faschistische Organisationen teil, u.a. die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger.
Die Gebirgsjäger gedenken all derer, die sie als “Opfer” stilisieren, unter Anderem Angehörige der Wehrmacht oder der Mussolini treuen “Divisione Monterosa”, aber auch in Afghanistan gestorbener Bundeswehrsoldaten.
Mit von der Partie ist auch die bayerische Politprominenz. Im vergangenen Jahr hielt der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, selbst Mitglied der CSU und des „Kameradenkreises der Gebirgsjäger“, die Festrede zum fünfzigsten Jubiläum des Kriegsdenkmals auf dem Hohen Brendten. 2008 wird voraussichtlich Minister Jung in Mittenwald erwartet. Unter den Gästen des Kameradenkreises tummeln sich stets zahlreiche Kriegsverbrecher, z.B. aus der 1. Gebirgsdivision, die für die Wehrmachtsmassaker in Kommeno und Kephallonia verantwortlich waren.
Doch für den Kameradenkreis der Gebirgstruppe wird die Luft auf dem Hohen Brendten immer dünner, nicht nur weil die Wehrmachtsangehörigen wegsterben. Im November 2007 eröffnete der römische Militärstaatsanwalt Antonio Intelisano ein Ermittlungsverfahren wegen des Wehrmachtsmassakers 1943 an Tausenden italienischen Offizieren und Soldaten der italienischen Division “Acqui” auf der griechischen Insel Kephallonia. Ein Teilnehmer des Kameradentreffens, Josef Scheungraber, wurde 2006 vom Militärgericht in La Spezia in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Aktuell hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen Mordes gegen den in Ottobrunn bei München lebenden 89-jährigen Scheungraber erhoben. Als Befehlshaber war er für die grausame Ermordung von 14 Menschen im Juni 1944 in dem toskanischen Dorf Falzano di Cortona (bei Arezzo) verantwortlich. Seine Einheit hatte als „Vergeltung“ gegen Partisanenangriffe 15 Zivilisten in ein Bauerhaus gesperrt und es gesprengt. Alle im Haus bis auf einen 15-jährigen Jungen starben. Auch in diesem Jahr wird so manches „Lebenslang“ gegen Angehörige des Kameradenkreises wegen in Italien verübter Kriegsverbrechen gefällt. Trotzdem können die Mörder unterm Edelweiß in ihren Betten sterben, schließlich wurde bis heute kein Gebirgsjäger von einem deutschen Gericht verurteilt.
Der von den Deutschen geführte Krieg zur Zeit des Nationalsozialismus war ein Vernichtungskrieg – gerade in Osteuropa. Deshalb ist er mit keinem anderen Krieg zu vergleichen. Trotzdem ist Krieg ohne Mord, Vergewaltigung und Raub nicht zu denken. Im Oktober 2006 wurde öffentlich bekannt, dass Gebirgsjäger aus Mittenwald in Afghanistan mit Totenschädeln posierten. Sie gehören zur Elitetruppe der Bundeswehr, die seit Mitte der 1990er Jahre an Auslandseinsätzen beteiligt ist. Als Bestandteil der Krisenreaktionskräfte und des Kommandos Spezialkräfte werden sie in der EU-Interventionstruppe eingesetzt. Die Totenschändung geht einher mit den hinreichend bekannten Formen von sexualisierter Gewalt, die wir aus zahlreichen Kriegen kennen. Sexualisierte Gewalt gedeiht erst recht in patriarchalen Strukturen. Auch diese Art der Gebirgsjäger-Traditionspflege gehört zu Mittenwald, dem „Standort der Totenschänder.“
Seit unserer ersten Intervention in Mittenwald 2002 ist das politische und öffentliche Interesse an der Bestrafung von NS-Kriegsverbrechern und der Verhinderung von Veteranenveranstaltung von Wehrmacht und Waffen-SS stark gewachsen. Im vergangnen Jahr gab es an zahlreichen Orten im In- und Ausland Proteste gegen NS-Mörder und ihre Veranstaltungen. Im Dezember vergangenen Jahres protestierten antifaschistische Initiativen aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Österreich in elf deutschen Städten und in Hopfgarten/Österreich gegen NS-Kriegsverbrecher, die u. a. an Massakern an der italienischen Zivilbevölkerung in Marzabotto, Sant’Anna di Stazzema und Civitella im Sommer und Herbst 1944 beteiligt waren und in Italien verurteilt wurden. In Mittenwald werden wir wieder dagegen protestieren, dass die Soldaten des NS-Vernichtungskrieges ihre Tradition ungestört an die Soldaten der Bundeswehr weitergeben können. Wir werden es nicht dulden, dass deutsche Soldaten zu „Opfern“ umgelogen werden sollen – weder in Mittenwald, noch in Bad Reichenhall, noch sonst wo. Das Militär hat keine Zukunft, es ist Garant einer Gegenwart, die jeder emanzipatorischen Politik entgegensteht.
Mord verjährt nicht –Verurteilung der Kriegsverbrecher – Entschädigung aller NS-Opfer! – Bundeswehr – wegtreten! Für Entnazifizierung und Entmilitarisierung Mittenwalds!
Geben wir ihnen den Rest! Nie wieder Gebirgsjäger in Mittenwald!“

Quelle:
* http://mittenwald.blogsport.de/aufruf-2008/

Das 7. Mitteldeutsche Soldatentreffen – letzte SSler und junge Fans

Auf der Homepage „Freie Offensive“, dem Internetorgan der neonazistischen „Freien Kräfte Sachsen“ findet sich ein Bericht zum 7. Mitteldeutschen Soldatentreffen. Über die vorangegangenen Treffen konnte man in der äußerst rechten Militaria-Schrift „Kameraden“ (vormals „Alte Kameraden“) aus Stuttgart lesen, dass sie am „Neuen Lager“ an der Hoyerswerdaer Straße in Königsbrück bei Sachsen stattgefunden hätten. Die Teilnehmer hatten dabei Unterkunft in der Waldpension Wenzel und in der Gaststätte ”Zum Schwanenteich” in Schmorkau bezogen. Außerdem wurde von der Beteiligung jüngerer Personen berichtet. Wer das war, kann man sich angesichts des Ortes der Veröffentlichung über das jüngste Treffen leicht ausmalen.
Der Bericht auf der Nazi-Newspage „Freie Offensive“ erzählt, dass auch das diesjährige Treffen in Königsbrück stattgefunden hätte. Das Treffen fand bei den zwei Gedenksteinen für die in Stalingrad aufgeriebene 384. Infanterie Division und in einer ehemaligen Kaserne statt. Nach Angabe des Berichts fanden sich am 19.04.2008 etwa 50 Personen ein, darunter auch Wehrmachts- und Waffen-SS-Veteranen, die von ihren „Erlebnissen“ berichteten.
Auf den Fotos von „Freie Offensive“ ist auch eine Flagge der „HIAG Ostsachsen“ zu erkennen. Das Kürzel HIAG steht für „Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. – Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“, einem Weltanschauungskriegerverein“ ehemaliger Waffen-SS-Mitglieder, der sich 1992 auf Bundesebene auflöste, aber in regionalen Zirkeln bis heute fortbesteht. Dieselbe HIAG-Fahne tauchte bereits 2003 auf Fotos vom Veteranentreffen am Ullrichsberg in Österreich auf (siehe unten).
HIAG Ostsachsen

Quellen:
* Bericht „7. Mitteldeutsches Soldatentreffen“ von dem Autor „Anton“, 22.04.2008
* diverse Ausgaben des „Kameraden“

NPD-Kandidat „kommt frisch von der Bundeswehr“

Bei der kommenden Kommunalwahl in Schleswig-Holstein tritt auch ein ganzes Bündel NPD-KandidatInnen an. Darunter ist auch Michael Kempcke aus Lauenburg. Zu diesem heißt es auf der NPD-Website:

„Der 24jährige kommt frisch von der Bundeswehr: Als Zeitsoldat leistete der Unteroffizier seinen Dienst zuletzt in Süddeutschland. Nun will er als Zweitplatzierter der Kandidatenliste für den Lauenburger Kreistag seiner Heimat dienen.“

Quelle:
* NPD-Website zum Wahlkampf in Schleswig-Holstein

„Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Mai-Juni

Die neueste Ausgabe der extrem rechten „Deutsche Militärzeitschrift“ ist erschienen und wartet mit drei größeren Interviews auf:
* Zum „Eisernen Kreuz“ darf sich der Reinhard Günzel aus Beckingen (im Saarland) äußern. Günzel war 2000 bis 2003 Brigadegeneral des „Kommando Spezialkräfte“ (KSK), solidarisierte sich dann mit der von antisemitischen Stereotypen durchsetzten Rede des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der als Reserveoffizier bei Günzels Truppe seine Reserveübung abgelegt haben soll, und wurde für seine Solidarität mit Hohmann entlassen.
Seitdem tritt er immer wieder in rechten Kreisen als Referent auf. So bei: „pro Köln“, der Münchner Burschenschaft Danubia (04.07.04), den Göttinger Burschenschaften Holzminda & Burschenschaft Hannovera (2003), dem „Institut für Staatspolitik“ (Mai 2004), dem 8. Berliner Kolleg (Dezember 2004) des genannten „Institut für Staatspolitik“, bei dem rechtsklerikalen Verein „Die Wende“ (13.04.07), bei der Prager Burschenschaft Teutonia zu Regensburg (03.05.07) oder bei der Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken war Günzel zumindest als Referent angekündigt.
* Ebenfalls zu Wort kommen darf Prof. Dr. Franz W. Seidler, der nach Angaben des „Blick nach Rechts“ bereits Referent bei der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik war und auch schon bei den extrem rechten Burschenschaft Germania in Hamburg und Danubia in München aufgetreten sein soll. Der Militärhistoriker Seidler ist emeritierter Ordinarius für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität München.
* Aus der Reihe der üblichen DMZ-Interviewpartner sticht diesmal der DMZ-Interviewpartner Prof. Dr. Mohssen Massarrat, u.a. Mitglied im Attac-Beirat und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück, heraus.
Doch die DMZ haben mit Massarrat nicht einen „Fehlgriff“ getan, sondern gewollt einem Interviewpartner ausgewählt, der der Linie des Blattes fern steht.
Mag es inhaltlich auch nur wenige Gemeinsamkeiten zwischen diesem Interviewpartner und DMZ-Redaktion wie DMZ-Stammleserschaft geben, aber eine Funktion hat das Interview trotzdem erfüllt. Sie verschafft der DMZ Renomée. Neben rechten Interviewpartnern wie dem aus der Bundeswehr entlassenem KSK-Chef Günzel (Januar/Februar 2006, Nr. 49) oder dem Ex-CDU-Hinterbänkler Henry Nitzsche (März/April 2006, Nr. 50), können die DMZ-Macher so auf vermeintliche Entlastungszeugen verweisen. Dieses System hat Prinzip und ist gewollt, durch das Einspannen politisch fernstehender Personen als Interviewpartner, versucht man sich als meinungspluralistisch und diskussionsoffen darzustellen.
Soviel zur Funktion des sechsseitigen Interviews für die DMZ. Das enthebt Massarrat aber nicht der Verantwortung. Er hätte sich besser einmal kundig getan, wem er da Frage und Antwort stand.
Allerdings gibt es in diesem Interview auch ein paar bedenklichere Punkte. So wird Israel von Massarrat nicht nur als der „verläßlichste Brückenkopf der USA“ bezeichnet. Masserat versucht auch in einer Art Kalter-Kriegs-Logik zu erklären, warum der Iran ein Anrecht auf Atomwaffen habe. Begründung, so nämlich Massarrat, sei ein durch israelische Atomwaffen geschaffenes Sicherheitsdilemma. Dass zudem am Ende des Interviews für ein verstärktes „deutsches Selbstbewußtsein“ von Seiten Massarrats plädiert wird, hat vermutlich auch dem üblichen DMZ-Leser gefallen. Als gutes Beispiel wird dann auch noch Schröders Zurückhaltung im letzten Irakkrieg benannt. Derselbe Schröder der im Jugoslawienkrieg noch Deutschland kräftig mitmischen ließ. Das war dann tatsächlich deutsches Selbstbewußtsein, nämlich nur Kriege zu führen, die der eigenen Nation dienlich sind. Unter Schröder hieß das damals „Deutscher Sonderweg“.
Auf das Nachhaken von Kritikern dieses Interviews erklärte Mohssen Massarrat immerhin per Email:

„Ich bin natürlich auch enttäuscht und verärgert darüber, dass der Chefredakteur der Zeitschrift auf meine dezidierte Frage der politischen Zuordnung der Publikationen lediglich das rechtskonservative Umfeld genannt und unterschlagen hat, dass sie von der Bundesregierung als rechtsextremistisch eingestuft wird.
Ich würde jedenfalls in Zukunft niemals derartigen Medien ein Interview geben. Pazifismus, dem ich mich verpflichtet fühle, und Kriegsverharmlosung schließen sich grundsätzlich aus.
Ungeachtet des Ortes, stehe ich zu jedem Satz meines Interviews. Insofern sollte der Interviewtext lediglich als Analyseanregung genutzt, jedoch im Kontext von DZM nicht weiterverbreitet werden.“

Den Fehler, auf Grund mangelhafter Recherche der DMZ für ein Interview zur Verfügung gestanden zu haben, kann insofern etwas korrigiert werden, als der Interviewpartner sich öffentlich von der DMZ distanziert. Getan hat das in Vergangenheit z.B. die FDP-Politikerin Birgit Homburger (September/Oktober 2006, Nr. 53).

Ansonsten auch in dieser Ausgabe wieder mit dabei sind folgende extrem rechen Dauer-Anzeigenkunden: Der Germania-Verlag aus Weilheim, die FPÖ-nahe österreichische Wochenzeitung „Zur Zeit“, das deutschnationale Studentenmagazin „Die Aula“ aus Österreich oder der „Buchdienst Südtirol“ aus Nürnberg.

Quellen:
* Anton Maegerle: Konspirativer Kongress, in: „Blick nach Rechts“ (BnR) – Ausgabe 05/2005
* „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) – Ausgabe Mai-Juni

Die Bundeswehr entsorgt NS-Geschichte

In Bremen plant die Bundeswehr anscheinend den U-Boot-Bunker „Valentin“ zu verkaufen. In den Jahren 1943 bis 1945 starben beim Bau dieses Bunkers etwa 3.500 KZ-Häftlinge an Erschöpfung oder Mißhandlungen durch ihre Aufseher. Insgesamt wurden 10-12.000 Menschen (Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge) aus ganz Europa hier Sklavenarbeit leisten. Das Mammut-Projekt war damit Teil der „Vernichtung durch Arbeit“, dem Versuch Gefangene vor ihrem beschlossenen Tod noch bis aufs Blut auszubeuten.
Im Juni 2007 war erst eine Ausstellung über diesen Ort des Terrors eröffnet worden, der Besucher über die Vergangenheit des Ortes aufklärte.
Die Bundesmarine nutzt heute große Teile des für ihre Vorgängerin, die Hitlersche Kriegsmarine, erbauten Bunker als Materialdepot.
Nun will sich die Marine aus dem Unterhalt des Bunkers zurückziehen und ihn verkaufen. Die Existenz und regelmäßige Besuchbarkeit der Ausstellung sind damit gefährdet.

Quelle:
* Raimund Gaebelein (VVN-BdA): Gedenkort zu versteigern?, in: „Antifaschistische Nachrichten“ Nr. 06/2008, aus: Bremer Antifaschist 4-2008, http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2008/06/1gedenkort.shtml

Wehrmachtsveteran spricht vor jugendlichen Sympathisanten in Dresden

Laut dem Bericht der sächsischen Nazi-Newspage „Freie Offensive“ fand am 13.04.2008 in Dresden in der Reihe „Soldaten erzählen“ eine Veranstaltung mit Walter Heinlein statt. Laut dem Homepage-Eintrag ist Heinlein (* 1919) ein ehemaliger Hauptmann in der 2. Panzerdivision und Abteilungsführer im Panzerartillerieregiment 74 gewesen. In dieser Funktion soll er von 1939 bis zu seiner Gefangennahme 1944 in der Wehrmacht gekämpft haben, u.a. in Jugoslawien, Griechenland und bei der so genannten „Ardennenoffensive“, dem erfolglosen Versuch Hitlers die Invasion der Westalliierten zu brechen. In Griechenland und Jugoslawien kam es während der deutschen Besatzung zu zahlreichen Kriegsverbrechen, aber auch bei der Ardennenoffensive wurden z.B. gefangene US-Soldaten ermordet.
Das rechtsextreme Publikum bejubelt natürlich die Landser-Berichte des alten Unverbesserlichen, der sogar für Hitlers Ehrenauszeichnung, das Ritterkreuz, vorgeschlagen worden sein soll.

Quelle:
* Bericht „Ein echtes Vorbild für unser aller Taten“ von „Anton“, 13.04.2008

Wehrmachtsflieger in Wien aufgetreten

Nach Angaben der Antifaschistischen Nachrichten 08 vom April 2008 ist Ende März der Ex-Jagdflieger Oberst a.D. Hajo Hermann (95) im Wiener „Haus der Heimat“ aufgetreten. Organisiert wurde die Veranstaltung vom FPÖ-nahen „Neuen Klub“. Hermann trat in Vergangenheit auch schon für DVU und NPD auf die Bühne. Unter den Teilnehmern fanden sich auch einige österreichische Militärs wie der Generalinspekteur des österreichischen Bundesheeres, Karl Majcen, und Oberst a.D. John Graf Gudenus.

Quelle:
* Hma: Ex-Jagdflieger im „Haus der Heimat“, aus: Antifaschistische Nachrichten 08/April 2008, http://www.nrw.vvn-bda.de/hma/an_2008_08.htm