Archiv für April 2008

Neonazis in der französischen Armee

In Frankreich wurde in der Presse ein Foto veröffentlicht, dass drei Soldaten beim Hitlergruß, mit SS-Zeichen am Stahlhelm und mit einem Hakenkreuzbanner zeigt. Die Soldaten sollen zum 17. Regiment der Fallschirmspringer von Montauban (Tarn-et-Garonne) gehören. Das Foto soll aus der Zeit von vor Oktober 2005 stammen, wenn auch noch zwei der drei Abgebildeten in der Armee dienen. Obwohl diese Umtriebe Offiziellen schon seit Dezember 2007 bekannt war, wurden erst nach Hinweisen eines jüdischen Militärgeistlichen reagiert.
Ein Hauptmann, der zuvor mehrmals auf die Umtriebe der Neonazis in Uniform aufmerksam gemacht hatte, wurde der Vertrag wegen „emotionaler Instabilität“ nicht verlängert.
Derzeit wird noch gegen die drei Abgebildeten ermittelt.

Fallschirmjäger gelten allgemein als Eliteeinheit mit stärkeren Traditionsbewußtsein als andere Einheiten. In Frankreich nahmen auch Fallschirmjägerverbände am rechten Putschversuch gegen de Gaulle 1961 teil.

Quellen:
* APA: Frankreich: Ermittlungen gegen drei Soldaten wegen Nazi-Grußes, http://www.ikg-wien.at
* Französische Soldaten zeigten Nazi-Gruß http://volksgruppen.orf.at/diversity/stories/82426/

Voll auf Linie

Im Stil eines Landser-Heftchen erzählt der spätere Bundeswehr- und NATO-General Johann Adolf Graf von Kielmansegg (1906-2006) von seiner Beteiligung beim Überfall auf Polen und auf Frankreich.
Da Kielmansegg in der späteren Bundeswehr eine wichtige Position inne hatte, lohnt sich der Blick in das Buch. Wie die Lektüre nämlich zeigt, handelt es sich beim Autoren nicht „nur“ um einen Mitläufer und kadavergehorsamen Wehrmachtsoffizier, es handelt sich vielmehr um einen führertreuen Nazi. Voll auf Linie eben.
Panzerschlacht-Buch
Hier ein paar exemplarische Zitate aus dem Buch „Panzer zwischen Warschau und Atlantik“:

Es war uns allen klar, Deutschland machte sich bereit, den polnischen Übermut zu brechen, der bereits über die Grenze griff. Wir hielten den Atem an, als wir des Führers letztes Angebot an Polen hörten, eine Straße und eine Eisenbahnlinie! Und wir wären keine deutschen Soldaten gewesen, wenn wir micht gewünscht hätten, daß Polen nicht annähme.

(Seite 13)

Kein Mensch schießt oder geht in Deckung, es waren ja nicht die ersten deutschen Bomber, die heute aus Polen zurückkamen.

(Seite 20, 21)

Auch die Gefangenen mehren sich, sie werden einfach nach hinten geschickt. Bewachung ist gar nicht möglich, wo es geht, werden Volksdeutsche mit der Führung beauftragt. Man kann dies alles ohne Besorgnis tun, die gefangenen Polen sind froh, daß sie das Leben gerettet haben; Entbehrung und Entsetzen der letzten Tage stehen deutlich in ihren Gesichtern geschrieben.

(Seite 48, 49)

In Wiskitki war es unglaublich. Unmöglich, darin Unterkunft zu beziehen. Die Häuser starrten vor Schmutz, die Luft war kaum zu atmen. Erklärlich wurde das wenn man die fast durchweg jüdischen Einwohner sah. Überhaupt haben wir alle es wohl kaum für möglich gehalten, daß es solche Typen, wie wir sie zwar aus dem »Stürmer«, aber doch nicht aus Deutschland kannten, in solcher Zahl und in solcher Vollkommenheit – mit negativen Vorzeichen – in Polen geben könnte.

(Seite 61)

Der Pole hat, wie er es liebt, noch bei Dunkelkeit beginnend, mit überraschend starken Kräften von Norden und Nordwesten angegriffen.

(Seite 69)

Alles sah friedlich aus, selbst die Ruinen der abgebrannten Häuser hatten irgendwie einen anderen, fast möchte man sagen unwirklichen Charakter bekommen.

(Seite 75)

Ich saß auf dem Stuhl des Oberhauptes eines Staates, den wir nicht nur einfach militärisch besiegt hatten, sondern der durch unseren Sieg ausgelöscht war aus der Geschichte, entgegen deren Sinn er, künstlich ins Leben gerufen, zwanzig Jahre lang versucht hatte zu existieren […].

(Seite 81)

Nach der Durchfahrt von Chagny und Bouvellemont hören die bis dahin deutlich zu sehenden und zu riechenden Spuren des Kampfes auf. Diese beiden Orte sind die letzten zerstörten Dörfer einer breiten Zone, in welcher sich die Durchbruchsschlacht von Sedan in den vergangenen drei Tagen abgespielt hat. In dieser Zone gibt es keinen Ort, der nicht zerschossen oder verbrannt wäre, in dem nur wenige Häuser noch die Möglichkeit einer Unterkunft bieten. Brandgeruch liegt überall in der Luft, und an vielen Stellen sind die Flammen noch nicht erloschen.

(Seite 131)

Denn in dieser friedlichen Landschaft fehlt der Mensch. Alles ist tot und leer, nicht einmal die alten Leute sind dageblieben.

(Seite 131)

Wir können melden, daß wir den Auftrag, den die Geschichte, Deutschland und der Füher uns gestellt haben, durchführten bis zum letzten, und wir können melden, daß wir bereit sind, genauso den Auftrag durchzuführen, der als einziger noch zwischen uns und der Freiheit steht, die Vernichtung Englands.

(Seite 248)

Bleibt nur hinzuzufügen, dass die Wehrmacht bereits 1939 beim Überfall auf Polen zahlreiche Kriegsverbrechen verübte (vgl. Jochen Böhler, 2006). Gleiches gilt auch für den Frankreich-Feldzug, wo es insbesondere zu Verbrechen an farbigen Kolonialsoldaten kam 8VGL: Scheck: Keine Kameraden).

Die Homepage der Bundeswehr über Kielmansegg früheres Wirken und seine Wiederverwendung:

Graf Kielmansegg absolvierte von 1937 bis 1939 die letzte noch im Frieden stattfindende Ausbildung für den Generalstabsdienst, in den er 1940 übernommen wurde. Es folgten Verwendungen in Truppengeneralstäben in Polen, Frankreich, Russland und anschließend in der Operationsabteilung des Heeres. Er war befreundet mit Graf von Stauffenberg und wurde nach dem Attentat am 20. Juli 1944 verhaftet. Eine direkte Beteiligung an den Attentatsplänen war ihm nicht nachzuweisen. Nach der Versetzung zur Truppe führte er das Panzergrenadierregiment 111 bis zum Kriegsende, das an der Westfront eingesetzt war. Als Oberst geriet er in Gefangenschaft, aus der er Mitte 1946 entlassen wurde. Die nächsten Jahre war er journalistisch und im Verlagswesen tätig.
Mit der Ernennung zum General hatte er die höchste Sprosse der militärischen Karriereleiter erreicht. Ende März 1968 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

(Rede zum Tode von Kielmansegg, 2006)

Quellen:
Graf Kielmansegg (Major im Generalstabe einer Panzer-Division): Panzer zwischen Warschau und Atlantik, Verlag „Die Wehrmacht“ Berlin 1941

Zum Tode von General a. D. von Kielmansegg, Berlin, 0.05.2006, http://tinyurl.com/27c6ok

Jochen Böhler: Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt/M. 2006

Raffael Scheck: Keine Kameraden, in: DIE ZEIT 03/2006 S. 88 [http://www.zeit.de/2006/03/A-Gefangene]