Buchtipp: Die Macht im Hintergrund

Kritische Bücher zu dem Thema „Rechtsextremismus und Militär“ sind Mangelware. Ab und zu gibt es ein paar Artikel zu dem Thema in antifaschistischen Fachpublikationen und wenn das Thema Konjunktur hat, greifen es auch einmal Tagespresse oder das Fernsehen auf.
Selten sind diese Artikel aber umfassender oder wirklich analytisch.
Eine Ausnahme bildet das 2004 erschienene Buch „Die Macht im Hintergrund“ des Autors Ullrich Sander. Im Gegensatz zu dem Buch „Szenen einer Nähe. Das große Rechtsum bei der Bundeswehr“ (Köln, 1998) des Autors ist es weniger eine Fallsammlung und sehr analytisch.
So beleuchtet der Autor auch wie die Reichswehr-Führung bereits seit 1925 die Revanche plante. Hitler konnte auf diese Planungen dann zurückgreifen.
Doch der Hauptteil des Buches widmet sich der Zeit nach 1945, also der Bundeswehr, und ihren Wurzeln in der Hitler-Wehrmacht. Sander deckt dabei deutlich antidemokratische Töne in der Truppe auf. Enthalten ist in dem Buch eine Analyse der 1960er Jahrgänge der Truppen-Zeitschrift „Information für die Truppe“ (IfdT). Das mag lang zurück liegend erscheinen, aber die Soldaten die unter den damaligen Bedingungen und dem damaligen Geist ausgebildet worden, sind heute in den höchsten Offiziersrängen angekommen. Doch ausgebildet hat die heutige Führungsgeneration in der Bundeswehr, eine Generation, die in der Wehrmacht „groß geworden“ ist:

Der »deutsche Weg« hinein in die NATO war von Wehrmachtsoffizieren geebnet worden. Ihre Nachfolger versuchen, Verbrechen deutscher Militärs im Zweiten Weltkrieg zu rechtfertigen, damit die Bundeswehr, geprägt von ihrer Vorläuferin, der Wehrmacht, nationalen deutschen Kriegskurs hält.

(Sander: 51)

Im Gegensatz zu den offiziellen Darstellungen war die Bundeswehr und ihre militärische
Führung nicht nur Befehlsempfänger der deutschen Regierung, sondern auch selbst ein Akteur. In der so genannten „Schule der Nation“ manifestierte sich ein deutscher Militarismus, der an die Politik eigene Forderungen stellte und eine eigene Agenda aufstellte.
Dieser deutsche Militarismus wird ebenso mitgetragen und vorangetrieben von einer Reihe illustrer Organisationen, die neben der Bundeswehr existieren, wie beispielsweise die Clausewitz-Gesellschaft. Hier bietet der Autor einen Blick hinter die Kulissen.
Durch gezielte Schwerpunkt-Lobbyarbeit bei Medien und Politik und Einwirkung in den normalen bundensdeutschen Alltag versuchen solche Organisationen ihre Forderungen einzubringen.
Das Fazit des Autors ist, dass rechte Tendenzen in der Bundeswehr ihre Quelle oft in der Truppe selbst haben und nicht das Ergebnis von Einwirkungen von außerhalb sind.

Schade ist dass dem Buch ein Namens- und Organisations-Verzeichnis fehlt um besser Recherche betreiben zu können.
Auch ein Vergleich zwischen den Wehrmachts-Wurzeln der NVA, die es durchaus gab, und denen der Bundeswehr und den unterschiedlichen Auswirkungen wären interessant gewesen.

Ullrich Sander: Die Macht im Hintergrund. Militär und Politik in Deutschland von Seeckt bis Struck, Köln 2004, Papyrossa-Verlag, 204 Seiten
Preis: 14 Euro
ISBN: 3-89438-287-2