Namensgeber für Schule mit Vergangenheit in der NS-Rüstungsindustrie

Es sind die Sklaverei, die unerhörte Summe an Elend, Leid und Tod des Lagers Dora im Dienst der Herstellung von Fernwaffen, die Hitler nicht den Sieg gebracht, später aber die Eroberung des Weltraums ermöglicht haben, nachdem Russen und Amerikaner ohne eine Spur von Scham die Wissenschaftler des Reiches in ihre Dienste gestellt hatten.

Jean Michel, Dora, Paris 1975
(Nach: Eifeld, Seite 277)

Nicht nur Kasernen erhalten Namen von Personen mit brauner (Militär-)Geschichte, auch bei Schulen findet sich so manch seltsamer Namenspatron. Eigentlich aber sind die Zeiten in denen Schulen z.B. nach der NS-gläubigen Dichterin Agnes Miegel benannt werden vorbei. Zwar existieren noch z.B. Straßen, die nach ihr benannt wurden bis heute, aber die Benennung ist schon älteren Datums. Doch kann dergleichen auch heute noch geschehen. Auf eine mehr als zweifelhafte Neu-Benennung mach der Autor Lars Gaede in der Tageszeitung „taz“ aufmerksam.
Screenshot_Klaus-Riedel-Schule
Eine Mittelschule in Bernstadt auf dem Eigen (Ost-Sachsen) wurde im September 2007 nach einem Entwickler der Nazi-Rakete V2 benannt, der selbst ein Sohn der Stadt ist und dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Doch Klaus Riedel ist nicht irgendein Raketenforscher. Er entwickelte die „Wunderwaffe“ der Nazis, die V2-Rakete, mit. Schätzungweise sollen bei der Produktion bis zu 20.000 Zwangsarbeiter umgekommen sein, z.B. bei der Sklavenarbeit um die unterirdischen Produktionsstätten in den Fels zu treiben. Die Häftlinge kamen aus den Konzentrationslagern Dachau (Zeppelin), Mauthausen (Rax), Sachsenhausen (DEMAG) und Buchenwald (Heeresversuchanstalt Peenemünde), bzw. dem Unterlager Dora-Mittelbau (siehe Zitat oben).
Weitere 12.000 Menschen starben bei den Raketenangriffen z.B. auf Großbritannien. Zum Glück stellte sich die „Wunderwaffe“ als sehr verwundbar heraus, so dass nur eine Minderheit ihr Ziel erreichte.
Riedel selbst starb 1944 bei einem Autounfall und konnte sich im Gegensatz zu seinen Kollegen daher nicht als Experte von den Alliierten anwerben lassen. Die frühen Raketenprogramme der NASA gehen z.B. auf berühmte NS-Experten zurück. Der berühmteste davon ist wohl Wernher von Braun. Auch dieser ist Namenspatron, nämlich
Bis jetzt ist die Kritik an der Neubenennung der Schule eher eine Minderheitenposition eines Gymnasium im bayerischen Friedberg und einer weiteren Schule im hessischen Neuhof.
Laut dem taz-Artikel stellte sich der Bürgermeister von Bernstadt auf dem Eigen hinter die Benennung. Laut einem Spiegel-Artikel ließ der Ort Riedel bereits 1993 ein Denkmal bauen.

Verwendete Literatur
Lars Gaede: Schule nach Nazi-Raketen-Erfinder benannt. Waffenschmied als Vorbild, in: taz, 04.02.2008, http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/waffenschmied-als-vorbild-fuer-schueler/?src=SZ&cHash=0f520cf3f1

Rainer Eisfeld: >Fortschritt< durch Vernichtung Raketenpioniere und KZ-Häftlinge im NS-Staat, in: Yves Beon: Planet Dora, Gerlingen 1999, Seite 276-298

Klaus Riedel – nur ein „Raketenpionier“?, Linksammlung der Grünen-Politikerin Astrid Günther Schmidt, http://www.astrid-guenther-schmidt.de/kontrovers.html/p2_articleid/181

Alexandra Sillgitt und Jochen Leffers: Raketenbauer der Nazis ist Namenspate einer Schule, Spiegel-Online, 05. Februar 2008, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,533072,00.html

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