Lesetipp: AsFrAb-Positionspapier

Die „Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung“ (AsFrAb) hat ein lesenswertes Positionspapier zu dem Skandal in Coesfeld veröffentlicht. Zur Erinnerung: Insgesamt 18 Ausbilder einer Bundeswehreinheit in Coesfeld wurde in einem Prozess vorgeworfen 163 ihrer Untergebenen misshandelt zu haben.
Das Positionspapier ist im Januar 2008 erschienen und trägt den Titel:
Bundeswehrskandal Coesfeld – Bedauerlicher Einzelfall oder mehr?, Autor ist Michael Behrendt.
Der knappe Text enthält eine kluge Analyse was die Armee bzw. das System dahinter allgemein angeht und entlarvt die „Einzelfall“-Konstruktion als solche. In der Armee wird nämlich, verstärkt durch die militärtypische Entindividualisierung (Uniformiertheit, Kollektivstrafen) und Kämpferkult, generell ein System geschaffen dass Fälle wie dem von Coesfeld fördert:

Militärische Organisationsformen arbeiten systematisch mit Gewalt. Gewalt wird offiziell nach außen angewandt und herrscht im Innern.

Auch die Spiegelbild-These, nämlich dass die Bundeswehr ein Abbild der Gesellschaft darstelle, wird als solche entlarvt.
Im Übrigen ist der Fall Coesfeld auch quantitativ kein Einzelfall. Laut einer in dem Text zitierten Studie des Familienministeriums von 2004 hatten 58,9% der Befragten angegeben während des Wehrdienstes schikaniert, misshandelt oder unterdrückt worden zu sein.
Eher selten aber kommen systematische Misshandlungen ans Licht, in Coesfeld hatte sich von den 163 betroffenen Soldaten keiner beschwert, nur der Zufall brachte die unglaublichen Zustände ans Licht.

Zum Positionspapier: http://www.asfrab.de/Publikationen/Positionen.php