Die Falschbehauptung eines Ex-Generals und Geschichtsrevisionisten

In der aktuellen Online-Ausgabe der „Antifaschistische Nachrichten“ wird eine Behauptung des derzeit populären Geschichtsrevisionisten Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof geanuer unter die Lupe genommen. Die Behauptung nämlich, polnische Juden seien 1933-38 zu hunderttausenden ins benachbarte Deutschland geflüchtet. Das Motiv dieser absurden Behauptung ist schnell klar, denn damit soll widerlegt werden dass es sich beim „Dritten Reich“ um ein radikal antisemitischen Staaten gehandelt hat oder zumindest einen nicht so schlimmen wie der polnische Nachbar. Wie überhaupt Schultze-Rhonhof den totalitären Nazi-Staat als rational und friedliebend versucht darzustellen.
Michael Quelle vom VVN Stade macht sich nun die Mühe und zerrt hervor, was sich hinter der Fußnote verbirgt, auf der diese Behauptung steht. Die Fußnote führt zu dem Autor Benoist-Méchin (1901-1983), der ein französischer Militärschriftsteller war und dessen Werke auch in rechtsextremistischen Verlagen in Deutschland veröffentlicht wurden. Benoist-Méchin war ein Kollaborateur des Nazi-freundlichen Vichy-Regimes und wurde dafür zum Tode verurteilt, später aber begnadigt. Aber auch Benoist-Méchin bezieht sich nur auf eine weitere Fußnote, die zu dem Autor Erich Kern (eigentlicher Erich Johannes Kernmayr bzw. Erich Kern 1906-1991) führt. Dieser wurde auch der „Rosenberg der Hitlerjugend“ genannt und war 1939 Gaupresseamtsleiter in der Gauleitung Wien der NSDAP und später SS-Sturmbannführer. Doch selbst dieser Autor behauptet ohne Quellenangabe nur dass 557.000 Juden 1933-38 Polen verlassen haben, nicht aber dass diese nach Deutschland gegangen wären.

Michael Quelle (VVN-BdA Stade): Es bleibt dann am Ende eine Naziquelle!. Überprüfung einer Behauptung von Generalmajor a. D. Schultze-Rhonhof , in: „Antifaschistische Nachrichten“ Nr. 01/2008, http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2008/01/1schultzerhon.shtml