Nachgelesen: Raki am Igman

Erschienen ist „Raki am Igman“, Untertitel: „Texte und Reportagen aus dem Bosnien-Einsatz der Bundeswehr“ im unbekannten Verlag „edition die Lanze“ mit Postfach im Steinheim (Bayern). Am Ende des Buches findet sich die Werbung für zwei CDs mit „Soldaten- und Freiheitsliedern“, zu bestellen unter „Die Schallquelle“, einem Label mit demselben Postfach in Steinheim, dass heute in Kempten (Allgäu) ansässig ist und immer noch als einziges Buch „Raki im Igman“ im Angebot führt. Daneben gibt es Lyrik von dem „Blut-und-Boden“-Schriftsteller Hermann Löns oder Agnes Miegel, die einst Lobhymnen auf Adolf Hitler verfasste, und diverse Musik-CDs, vornehmlich mit bündischer und Volksmusik oder Soldatenliedern. Auf einer der CDs ist die „Deutsche Gildenschaft“ als Urheber benannte. Dabei dürfte es sich um die „Deutsche Hochschulgilde“ (DHG) handeln, eine elitär-völkische Studentenverbindung, der auch der Autor Kubitschek nachweislich angehört. Da dass Buch auf der Homepage mit „Bündische in Bosnien“ beworben wird, dürfte auch der Co-Autor Peter Felser aus diesen bündischen Zusammenhängen stammen. Er ist ebenso wie Hendrik Brödenfeld, von dem die fünf Zeichnungen im Buch stammen, gelegentlicher Autor in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Die Einbindung des Labels „Die Schallquelle“ in die rechte Szene beweist auch beispielsweise deren Werbung in dem „nationalrevolutionären“ Magazin „wir selbst“ 1998 und 1999 (Clemens Heni: Salonfähigkeit der Neue Rechten, Marburg 2007, Seite 437).
Laut einer Meldung des Informationsdienst „Blick nach Rechts“ (BnR) aus dem Jahr 2003 schreibt der Betreiber der „Schallquelle“, Bernd Widmer als Gast in der revanchistischen der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ und war ehemals „Leitstellenführer Süd des Bund Heimattreuer Jugend (BHJ). BnR nennt Kubitschek als zweiten „Schallquelle“-Gründer.

Raki am Igman

Das Buch selbst ist eine Sammlung von recht banalen Erlebnissen der beiden Autoren, die sie auf knapp 150 Seiten in 20 kurze Kapitel unterteilt haben. Trotz der Wiedergabe von unspektakulären Erlebnissen und Anekdoten ist das Buch auch erkennbar politisch.
Dass fängt schon im Vorwort an, in dem der Autor gegen ein, vermeintlich unbedarftes, „westliches Friedensgehirn“ (Seite 6) wettert.
Mit Pathos und nur mäßig spannend erzählt Kubitscheks kaum verhohlenes alter ego im Buch, Oberleutnant Rieboch, von seinen Erlebnissen in Bosnien-Herzegowina, wo er als Teilnehmer an einer UN-Friedenstruppe mehrere Monate verbrachte.
Interessant wird es kurz, als am Rande erwähnt wird, dass im Lager der deutschen Truppen der Text eines „Panzerliedes“ aushängt (S. 90), was noch aus Vor-Bundeswehr-Zeiten her stammt. Laut kurzer Internet-Recherche stammt das Lied aus der Feder eines Oberleutnants, der es am 25. Juni 1933 verfasste . Hier ein kleiner Ausschnitt aus diesem Opus, zum besseren Verständnis:

Für unsres Reiches Heer?
Ja Reiches Heer?
Für Deutschland zu sterben
Ist uns höchste Ehr.

Auch interessant wird es, als das gute Verhältnis von deutschen Mannschaftsangehörigen mit einem, aus Deutschland stammenden, Fremdenlegionär beschrieben wird. Dieser, im Buch „Kleister“ genannt, war in der Bundeswehr Unteroffizier und NPD-Mitglied (dort: Saalordner), in der französischen Fremdenlegion nach der im Buch wiedergegebenen eigenen Aussage an einem Attentat auf den französischen Präsidenten beteiligt und nach eigener Aussage immer noch bekennender Rassist. Das Verhältnis des 1997 34jährigen Hauptgefreiten der Fremdenlegion zu den Bundeswehrangehörigen schien solch eine offenbarte Biografie nicht sonderlich zu stören (S. 91-94).
Nach mehreren Kapiteln vorangestellten Zitaten des Kriegsliebhabers Ernst Jünger (S. 26, 43) berichtete Kubitschek alias Rieboch auch von dem Vorkommnis, dass ihn zeitweilig Rang und Dienst kostete. Kubitschek war 16. August 2001 entlassen worden, wegen dieses Vorkommnis, seiner Autorentätigkeit in der nationalistisch „Jungen Freiheit“ und der Veröffentlichung von „Raki am Igman“. Allerdings wurde Kubitschek nach einer rechten Solidaritäts-Kampagne im April 2002 bereits wieder rehabilitiert. Auch im Buch schildert Kubitschek wie er als Reaktion auf die Nachricht von dem Tod Ernst Jüngers eine, mit fünf Mann schlecht besuchte, Lesung mit Texten aus Jüngers Buch „Stahlgewitter“ veranstaltet (S. 116-123).
Im 18. Kapitel („Wehrmacht“) versucht Kubitschek seine „Kritik“ an der so genannten „Wehrmachtsausstellung“ in einem als Dialog nur spärlich bekleidetem Monolog wiederzugeben (S. 124-134). Partisanenerschießungen werden da als vom Völkerrecht angeblich gedeckt verteidigt, Völkermord wird frei nach Nolte als dem Krieg innewohnende Brutalisierungstendenz relativiert bzw. als Reaktion auf sowjetische Verbrechen dargestellt („Da rollt eine Armee anders weiter als in Frankreich“, S. 129) und unhaltbare Aussagen werden gemacht:
„Was sich dort [in Ostpreußen] an willkürlicher und planmäßiger Vergewaltigung und Verstümmelung abgespielt hta, monatelang, bis nach Berlin hinein, wirst du bei der Wehrmacht nicht finden.“ (S. 131)
Es ist typisch für Rechte alle Verbrechen während der Besatzung in anti-slawischer Manier nur auf die Sowjets zu projezieren und so dass Nazi-Propagandabild von den „bloschewistisch-asiatischen Horden“ zu bedienen.
Alles in allem ein Buch, dass als Produkt eines zweier Bundeswehroffiziere auf Auslandseinsatz durchaus skandalös ist. Auch in Verbindung mit den anderen politischen Aktivitäten Kubitscheks erscheint dessen Entlassung mehr als gerechtfertigt. Sie wurde aber auf Grund einer von Rechtskonservativen bis Rechtsextremen getragenen Unterschriftenkampagne wieder zurückgenommen.

Verwendete Literatur

Götz Kubitschek, Peter Felser: Raki am Igman, Steinheim 1999

Meldungen (über die Schallquelle), Blick nach Rechts – Ausgabe 11/2003

AutorInnenverzeichnis der „Jungen Freiheit“