Archiv für Dezember 2007

Braunes von Ex-Militärs unterm Weihnachtsbaum

In der aktuellen Ausgabe des braunen Magazins „Deutsche Geschichte“ (6/2007) wird auf der farbigen Cover-Innenseite ein Weihnachts-Spezial der besonderen Art angeboten. Neben Himalaja-Salz („Salz der Erde“) oder Himalaja-Duschgel werden zwei DVDs als potenzielles Weihnachtsgeschenk angepriesen. Beide DVDs sind Dokumentationen von Auftritten zweier extrem rechter Referenten aus dem Bereich Militär. Bei dem einem handelt es sich, angepriesen als „Kamerad Schweiger“, um das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Herbert Schweiger, der als Referent vor allem gerne bei der NPD auftritt. Bei jüngeren Neonazis ist er deshalb beliebt, weil er als noch lebender Waffen-SSler so etwas wie Authentizität verkörpert. Bei Sudholt jedenfalls wird sein Vortrag „Deutschland und Rußland im Blickpunkt europäischer Zukunft“, gehalten am 9. November 2007, angeboten (Preis: 14 Euro).
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung der rechtsextremen Organisationen „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ (vormals: „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“), dem NPD geführtem „Nationalen Bündnis Dresden“ und dem NPD-Kreisverband Dresden am 6. November 2007 hatte Schweiger diesen Vortrag schon vor angeblich 90 ZuhörerInnen (Eigenangabe!) zum Besten gegeben. Die Videoaufzeichnung vom 9. November stammt von einer ähnlichen Veranstaltung, nämlich von einer Veranstaltung mit dem NPD-Kreisverband Stollberg, an der angeblich 50 Personen (Eigenangabe!) teilnahmen.
Die zweite DVD dokumentiert einen Auftritt von Ex-KSK-General Reinhard Günzel, der wegen seines Lobes für die antisemitisch durchsetzte Rede des Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus der Bundeswehr entlassen wurde. Dieser stammt vom 13. Oktober 2007 und heißt „Sprechen wir über Deutschland“ (Preis: 14 Euro).
Bestellt werden können die beiden DVDs über die Linda Sudholt Online Versandbuchhandlung mit Sitz in Inning am Ammersee (Bayern). Linda Sudholt ist die Gattin von Gert Sudholt, der Betreiber der rechtsextremen Verlagsgesellschaft Berg, der auch zweimonatlich die „Deutsche Geschichte“ herausgibt.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Dezember 2007
Quellen:
„Deutsche Geschichte“ 06/2007, Seite 2

Bericht vom NPD-Kreisvorsitzenden Jens Baur auf der NBDD-Homepage (07.11.2007)

Bericht auf der rechtsextremen Homepage „Freies Netz Chemnitz“ (16.11.2007)

Deutsche Militärzeitschrift Nr.61 Januar – Februar 2008

In der Ausgabe Januar/Februar 2008 der DMZ finden sich Interviews mit folgenden Personen:
* Gulbuddin Hekmatyar, afghanischer „Widerstandskämpfer“. In dem Harenberg Länderlexikon 95/96 findet sich zu Hekmatyar folgende Angabe (Seite 26):

* 1950 (1951?) in der Provinz Kunduz. 1977 gründete Hekmatyar die Mudschaheddin-Organisation Hesb-e-Eslami. Die USA unterstützen den islamischen Fundamentalisten gegen die Kommunisten im Bürgerkrieg. Am 7.3.1993 wurde Hekmatyar Premierminister, trat sein Amt jedoch nie offiziell an.

Die DMZ scheut sich also nicht ausgewiesene Islamisten zu Wort zu kommen. Kein Einzelfall. Gab doch schon der DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter am 17.05.2005 dem islamistischen und deutschsprachigen Portal „Muslimmarkt“ ein ausführliches Interview.
* Christoph R. Hörstel, Journalist und Afghanistan-Experte.
* Alexander Rahr, Kaukasus-Experte und Publizist.
* Wilhelm Tieke, einem freiwilligen Waffen-SS-Mitglied (Jahrgang 1923).

In dieser Ausgabe findet sich Werbung für die rechtsextreme Zeitung „Der Schlesier“, das ebenfalls sehr rechte Magazin „Die Aula“ (Österreich) und die extrem rechte Wochenzeitung „Zur Zeit“, die der FPÖ nahe steht.
An Verlagen werben neben dem renommierteren Militär-Verlag „Bernard + Graefe“, auch der rechtsextreme „Pour-le-Mérite-Verlag“ (Selent) aus dem Verlagskomplex von Diemar Munier, der Ares-Verlag von Leopold Dvorak-Stocker (Österreich), der NPD-eigene Verlag „Deutsche Stimme“ oder der „Buchdienst Südtirol“ (Nürnberg) in dieser DMZ-Ausgabe.
Kleinere Anzeigenkunden in dieser Ausgabe waren ein HJB Verlag & Shop KG mit Sitz in Radolfzell, der Romane herausgibt, die die in rechten Kreisen beliebte Mär von in der Antarktis überwinternden Nationalsozialisten zum Thema haben, und der Nordheide-Versand, der ein besonders treuer DMZ-Anzeigenkunde ist.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Ende Dezember 2007
Quelle: Deutsche Militärzeitschrift Nr.61 Januar – Februar 2008

Wehrmachtsflieger-Ehrung in Wien

In Wien kam es wie in den Jahren zuvor am 11. November auf dem Wiener Zentralfriedhof zu einer Gedenkveranstaltung für den 1944 abgestürzten NS-Jagdflieger Walter Nowotny. Noowotny war vor und nach seinem Tod vom Regime zur Ikone ausgebaut worden. Die Veranstaltung war im Gegensatz zu den vergangenen Jahren mit 100 Personen eher schwach besucht. Dafür gaben sich allerhand honorige Personen die Ehre: Walter Graf, der Bezirksobmann des ÖVP-nahen Kameradschaftsbund Spitz an der Donau, einige Landtagsabgeordnete der FPÖ und der Wiener FPÖ-Stadtrat Johann Herzog. Ebenso kam der Alt-Rechte Leo Malleczek (98), seit 1940 Obmann der Wiener akademischen Turnerschaft Danubo-Markomania.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: 11. November
Quelle: Hma: Nowotny-Ehrung in Wien, www.nrw.vvn-bda.de/hma/an_2007_25.htm

Militaristen bauen sich eine Lobby

Laut dem Newsportal „german foreign policy“ bauen sich Deutsch-französische Militärkreise gerade einen Lobby-Verband, der die Stärkung der Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung vorantreiben soll.
Deutscher Kooperationspartner ist dabei „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“ (GfW) und auf der französischen Seite beteiligt sich die Organisation CiDAN (Civisme Défense Armée Nation). Spätere sollen ähnlich gestrickte Verbände aus anderen EU-Staaten folgen. Die GfW stand in Vergangenheit bereits wegen ihrer Nähe zu rechten Kreisen in Kritik.
Die Absicht geht nun dahin Medienvertreter, davon zu überzeugen, „die Anstrengungen auf dem Gebiet der Sicherheit und der Verteidigung zu bündeln“.
Über den Treffpunkt der Militaristen schreibt „foreign policy“:

„Die aktuellen Bemühungen um die Stärkung der Kriegsbereitschaft in der europäischen Bevölkerung finden im Rahmen des diesjährigen „Klingenthal-Treffens“ statt, das von der französischen Organisation CiDAN (Civisme Défense Armée Nation) veranstaltet wird. Es hat am gestrigen Montag im Schloss Klingenthal in der Nähe von Strasbourg begonnen und dauert bis Freitag an. Schloss Klingenthal befindet sich im Besitz der Basler Johann Wolfgang von Goethe Stiftung, die 1968 von dem früheren NS-Kulturfinanzier Alfred Toepfer ins Leben gerufen wurde – unter weitgehender Übernahme der Mittel einer gleichnamigen Stiftung aus Vaduz. Bei der 1931 in Vaduz eingetragenen Institution handelte es sich um eine Parallelgründung zur Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., die bis heute wegen der Tätigkeit ihres Stifters zur NS-Zeit kritisiert wird.“

Über die 1952 gegründete GfW berichtete „german foreign policy“ auch, dass zu ihren Gründern ehemalige Wehrmachtsoffiziere gegründet wurde und das sie 1954 bis 1963 von dem verurteilten Kriegsverbrecher Generaloberst a.D. Georg-Hans Reinhardt geleitet wurde (zu 15 Jahren Haft verurteilt, aber nur 1948-52 in Haft abgesessen).

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Anfang Dezember 2007
Quelle: Gfp: Kriegsbereitschaft, 04.12.2007, http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57089

Offizier soll in Afghanistan Gebrauch von der Peitsche gemacht haben

Ein Luftwaffenoffizier wird derzeit verdächtigt in Afghanistan Untergebene mißhandelt zu haben. Derzeit ermittelt jedenfalls die Staatsanwaltschaft Flensburg gegen einen Stabsoffizier der Luftwaffe wegen dieser Vorwürfe. Laut SPIEGEL werden dem Major „verbale Entgleisungen und Tätlichkeiten“ zu Last gelegt, darunter, so der SPIEGEL, einen Angriff mit Peitsche auf Offizierskollegen. Die Sache ins Rollen gebracht hatten erst Berichte von Heimgekehrten und nicht etwa Beschwerden.
Der Beschuldigte gehört dem Tornado-Aufklärungsgeschwader „Immelmann“ im schleswig-holsteinischen Jagel an und Major leitete laut SPIEGEL-ONLINE bis Anfang November den für die Flugzeugwartung zuständigen Bereich „Einsatzunterstützung“ auf dem Flugplatz Masar-i-Scharif in Afghanistan.

Bei der Bezeichnung „Immelmann“ scheint es sich um einen Traditionsnamen zu handeln, den es auch in der Hitler-Luftwaffe bereits gab. Vor über 30 Jahren, im Jahre 1976, war schon einmal ein Aufklärungsgeschwader SI „Immelmann“ in den Focus der Presseöffentlichkeit geraten. Damals war herausgekommen, dass Hans-Ulrich Rudel, höchstdekorierter Kampfflieger Hitlers und umtriebiger Altnazi, mit anderen Ehemaligen des Aufklärungsgeschwader SI „Immelmann“ vom Aufklärungsgeschwader 51 der Bundeswehr zum Kameradschaftstreffen in die Kaserne des Fliegerhorstes Berngarten bei Freiburg eingeladen wurde. Nachdem dass ans Licht gekommen war mussten die beiden ranghöchsten Offiziere der Luftwaffe, Bundeswehrgeneralleutnant Walter Krupinski und Stabschef Karl-Heinz Franke, gehen.

+++ Ergänzung +++
Max Immelmann war ein Jagdflieger im ersten Weltkrieg, der 15 „Luftsiege“ errang bevor er 1916 abstürzte. Im zu Ehren wurden 1935 und 1961 Einheiten in Wehrmacht bzw. Bundeswehr benannt.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Anfang November 2007 bzw. Anfang Dezember 2007
Quelle:
DDP: Luftwaffenoffizier soll Soldaten mit Peitsche misshandelt haben, in: SPIEGEL ONLINE vom 01.12.07, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,520802,00.html

Drei tschechische Soldaten möglicherweise Neonazis

In der Tschechischen Republik werden derzeit drei tschechische Soldaten von der Polizei verdächtigt Neonazis zu sein. Bei einer Polizeidurchsuchung wurde festgestellt, dass zwei Angehörige der Sondereinsatzkräfte („Czech army’s rapid-response unit“) und ein Angehöriger der Artillerie an Neonazi-Demonstrationen (z.B. für Rudolf Hess) teilgenommen haben und zwei der Verdächtigen Mitglied in einer rechtsextremen Organisation sind. Ob es sich um die berühmten „Einzelfälle“ handelt oder um einen gezielten Unterwanderungsversuch ist unklar.
Dass aber zwei der drei Verdächtigen in einer Spezialeinheit zu finden waren, gibt zu denken. So oder so.

Zwei der drei Verdächtigen sind seit 2005 in der Armee. 2005 wurde die Wehrpflicht abgeschafft und die tschechischen Streitkräfte in eine reine Berufsarmee umgewandelt. Möglicherweise ging damit auch eine Herabsenkung der Einstellungskriterien einher, um genügend Bewerber für die Berufsarmee zu finden.

Der Militärpolizeichef Oldrich Kubat teilte mit, dass es die derzeitigen Gesetze nicht möglich machen würden, die Enttarnten einfach loszuwerden.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Ende Oktober 2007
Quellen:
Czech soldiers accused as neo-Nazis, 02.12.2007
http://www.jta.org/cgi-bin/iowa/breaking/105643.html

APA: Mutmaßliche Neonazis dienen in tschechischer Armee, http://www.ikg-wien.at/IKG/Members/irene/1104751983285/1196677216941?portal_skin=News&id=1196677216941