„Heldengedenken“ dieses Jahr ohne Bundeswehr?

Jedes Jahr zum Volkstrauertag (in der Nazizeit zum „Heldengedenktag“) versammeln sich verschiedene Gruppen und Personen an Militärgräbern und –mälern die die Jahreszahlen 1870/71, 1914-18 oder 1939-45 tragen. Es sind aber zumeist keine Denk- sondern eher vollkommen unkritische Ehrenmäler. Fast in jedem Dorf findet sich ein, oft sehr gehegtes und gepflegtes, steingewordenes Mal für die „Krieger“, „die im Felde unbesiegt“ „für die Heimat“ fielen, so die Inschriften. Manchmal, seltener, findet sich dazu noch das Bekenntnis „gegen Krieg“ oder „gegen Faschismus“. An einigen diesen Steinen und Gräbern treffen Gruppen aus dem rechtsextremen Spektrum (NPD, DVU, „Freie Kameradschaften“) aufeinander mit trauernden Privatpersonen, den wenigen noch lebenden Wehrmachtsveteranen und Bundeswehr-Soldaten (nicht selten in Uniform). Diese aufmarschierenden Bundeswehrsoldaten kommen damit nicht nur in den Kontakt mit Rechtsextremen, sondern zeigen durch ihr Auftreten auch, dass sie sich in der Tradition von Wehrmacht und Kaiserarmee sehen.

Ein Beispiel für ein solches Aufeinandertreffen der Generationen und Gruppen war früher das „Heldengedenken“ am Volkstrauertag auf den Garnisonsfriedhof in Berlin-Neukölln.
Dabei versammelten sich Mitglieder von NPD, DVU, Stahlhelm (offiziell aufgelöst) mit dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, Bundeswehr-Reservisten und –Aktivitas, Mitglieder von Organisationen von Wehrmachts- und Waffen-SS-Veteranen (z.B. Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger, Ring deutscher Soldatenverbände Berlin und HIAG) und deutschnationale Burschenschafter zur militaristischen Traditionspflege. Das Standortkommando Berlin der Bundeswehr stellte bisher einen Trompeter und betreute ausländische Militärattachés.
Insgesamt versammelten sich dabei knapp 200 Mann.

In einer Pressemitteilung von Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ heißt es nun:

Die rechte „Heldengedenkfeier“ des Rings Deutscher Soldaten in Berlin findet dieses Jahr ohne die Bundeswehr statt. „Die Teilnahme von Soldaten der Bundeswehr an den Feierlichkeiten am Volkstrauertag auf dem alten Garnisonsfriedhof am Columbiadamm in Berlin ist durch das Standortkommando Berlin untersagt worden. Reservisten wurde für diese Veranstaltung das Tragen der Uniform auch außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses untersagt“, teilte die Bundesregierung heute auf eine Anfrage von mir mit.

* * *

An dem Jungle-World-Artikel besonders interessant ist, dass am Rande erwähnt wird, dass sich die Reservistenkameradschaft „Freiherr von Lützow“ im Haus der laut Antifa TU extrem rechten Berliner Burschenschaft Gothia trifft.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Mitte November 2007
Quellen: Arno Nolden: Mittenwalder Verhältnisse, in: Jungle World Nr. 46 vom 15. November 2007, Seite 19, http://www.jungle-world.com/seiten/2007/46/10995.php

Ulla Jelpke: Rechte Veranstaltung am Volkstrauertag ohne Bundeswehr (Pressemitteilung), 14.11.2007, http://www.dailynet.de/News-file-article-sid-9672.html

+++ Ergänzung +++
Zur Gedenkfeier auf den ehemaligen Berliner Standortfriedhof in Neukölln sollen in den letzten Jahren auch Mitglieder des Wachbataillons, der Generalinspekteur Schneiderhan und ein Stabsmusikkorps gekommen sein.

Nach einem Bericht der „taz“ waren weder Bundeswehr-Angehörige noch Neonazis erkennbar vor Ort unter den diesmal 70 Beteiligten vertreten. Auch Kränze der NPD fehlten.

Quellen:
Wolfgang Ruff: Soldatengräber – Kameradschaftswerke und Traditionsverbände, in: „Kameraden“ 1/2-2007, Seite 35

Anna Lehmann / Benjamin von Brackel: Nazis suchen neue Helden, in: taz vom 19.11.2007, http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/?dig=2007%2F11%2F19%2Fa0157&src=UA&cHash=c2b742af2b