Archiv für November 2007

Lesetipp: Antifa-Infoblatt Nr. 77

AIB.77
Der Schwerpunkt des Antifa-Infoblatt Nr. 77 liegt im Bereich Militarismus und Anlieger, wozu es folgende Artikel gibt:

»Landser«-Romane: Extrem rechter Ideologietransfer in Serie – Geschichtsfälschung auf Hochglanz: Die Deutsche Militärzeitschrift – In Tradition von Wehrmacht und SS – Partei-Soldaten der extremen Rechten

Der Artikel „In Kameradschaft treu“ findet sich auch online zum lesen.

+++ Ergänzung +++
Lanser-Heft
Der kritische und kluge AIB-Beitrag über die Landser-Romane ist besonders gelungen. Einmal weil er die Verbindungen der Landser-Autoren zur deutschen Nachkriegsrechten aufzeigt, aber vor allem weil er schön die Wirkung dieser Lektüre auf den, zumeist jungen und männlichen, Leser darstellt und analysiert. Endlich mal wieder ein kritischer Beitrag zum Thema Landser-Heftchen, nachdem der letzte kritische Text, von dem der Blog-Autor weiß, vor neun Jahren im Spiegel erschienen ist.

„Heldengedenken“ dieses Jahr ohne Bundeswehr?

Jedes Jahr zum Volkstrauertag (in der Nazizeit zum „Heldengedenktag“) versammeln sich verschiedene Gruppen und Personen an Militärgräbern und –mälern die die Jahreszahlen 1870/71, 1914-18 oder 1939-45 tragen. Es sind aber zumeist keine Denk- sondern eher vollkommen unkritische Ehrenmäler. Fast in jedem Dorf findet sich ein, oft sehr gehegtes und gepflegtes, steingewordenes Mal für die „Krieger“, „die im Felde unbesiegt“ „für die Heimat“ fielen, so die Inschriften. Manchmal, seltener, findet sich dazu noch das Bekenntnis „gegen Krieg“ oder „gegen Faschismus“. An einigen diesen Steinen und Gräbern treffen Gruppen aus dem rechtsextremen Spektrum (NPD, DVU, „Freie Kameradschaften“) aufeinander mit trauernden Privatpersonen, den wenigen noch lebenden Wehrmachtsveteranen und Bundeswehr-Soldaten (nicht selten in Uniform). Diese aufmarschierenden Bundeswehrsoldaten kommen damit nicht nur in den Kontakt mit Rechtsextremen, sondern zeigen durch ihr Auftreten auch, dass sie sich in der Tradition von Wehrmacht und Kaiserarmee sehen.

Ein Beispiel für ein solches Aufeinandertreffen der Generationen und Gruppen war früher das „Heldengedenken“ am Volkstrauertag auf den Garnisonsfriedhof in Berlin-Neukölln.
Dabei versammelten sich Mitglieder von NPD, DVU, Stahlhelm (offiziell aufgelöst) mit dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“, Bundeswehr-Reservisten und –Aktivitas, Mitglieder von Organisationen von Wehrmachts- und Waffen-SS-Veteranen (z.B. Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger, Ring deutscher Soldatenverbände Berlin und HIAG) und deutschnationale Burschenschafter zur militaristischen Traditionspflege. Das Standortkommando Berlin der Bundeswehr stellte bisher einen Trompeter und betreute ausländische Militärattachés.
Insgesamt versammelten sich dabei knapp 200 Mann.

In einer Pressemitteilung von Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ heißt es nun:

Die rechte „Heldengedenkfeier“ des Rings Deutscher Soldaten in Berlin findet dieses Jahr ohne die Bundeswehr statt. „Die Teilnahme von Soldaten der Bundeswehr an den Feierlichkeiten am Volkstrauertag auf dem alten Garnisonsfriedhof am Columbiadamm in Berlin ist durch das Standortkommando Berlin untersagt worden. Reservisten wurde für diese Veranstaltung das Tragen der Uniform auch außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses untersagt“, teilte die Bundesregierung heute auf eine Anfrage von mir mit.

* * *

An dem Jungle-World-Artikel besonders interessant ist, dass am Rande erwähnt wird, dass sich die Reservistenkameradschaft „Freiherr von Lützow“ im Haus der laut Antifa TU extrem rechten Berliner Burschenschaft Gothia trifft.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Mitte November 2007
Quellen: Arno Nolden: Mittenwalder Verhältnisse, in: Jungle World Nr. 46 vom 15. November 2007, Seite 19, http://www.jungle-world.com/seiten/2007/46/10995.php

Ulla Jelpke: Rechte Veranstaltung am Volkstrauertag ohne Bundeswehr (Pressemitteilung), 14.11.2007, http://www.dailynet.de/News-file-article-sid-9672.html

+++ Ergänzung +++
Zur Gedenkfeier auf den ehemaligen Berliner Standortfriedhof in Neukölln sollen in den letzten Jahren auch Mitglieder des Wachbataillons, der Generalinspekteur Schneiderhan und ein Stabsmusikkorps gekommen sein.

Nach einem Bericht der „taz“ waren weder Bundeswehr-Angehörige noch Neonazis erkennbar vor Ort unter den diesmal 70 Beteiligten vertreten. Auch Kränze der NPD fehlten.

Quellen:
Wolfgang Ruff: Soldatengräber – Kameradschaftswerke und Traditionsverbände, in: „Kameraden“ 1/2-2007, Seite 35

Anna Lehmann / Benjamin von Brackel: Nazis suchen neue Helden, in: taz vom 19.11.2007, http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/?dig=2007%2F11%2F19%2Fa0157&src=UA&cHash=c2b742af2b

Menschenbrechung unter Uniformierten

Es geht zwar nicht um die Armee, aber Polizei und Armee haben genug gemeinsam um auch auf diesem Blog auf folgenden Skandal aufmerksam zu machen.

An der Polizeihundeschule in Herzogau (Bayern) wurden Medienberichten zufolge Rituale durchgeführt, die sehr an ähnliche Formen der Verrohung und Barbarisierung in der Bundeswehr erinnern.
Einem anonymen achtseitigen Brief nach mussten auf der Abschlussfeier der Polizeischule junge Polizistinnen und Polizisten diverse Rituale durchstehen. Sie mussten Urin trinken, Frauen Hundehalsbänder tragen und aus einer Schüssel auf dem Schoß eines Ausbilders Bier trinken. Dazu hätte es dann Kommentare wie „Polizeischlampen, die lieber kochen lernen sollten“ gegeben. Auch Quälereien mit Stromstößen soll es gegeben haben.
Die Ausbildungsstätte im bayerischen Wald war in der Nazizeit ein ehemaliges Erholungs- und Fortbildungsheim der SS gewesen. Diesen Umstand hätten die Vorgesetzten mit den Worten kommentiert: „In diesen Betten haben schon richtige Männer gelegen.“
Im „Dritten Reich“ hatte das KZ-Wachpersonal auch häufig Hunde eingesetzt, um die Gefangenen zu bewachen, zu foltern oder gar zu töten.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte indessen als Reaktion auf diese Umtriebe die sofortige Schließung der Polizeihundeschule.

Inzwischen haben sich ein Teil der Vorwürfe bestätigt. Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätte es tatsächlich „Erstlingshundeführertaufen“ mit Elektrohalsbändern gegeben.
Jedoch wurden die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Hundeschule mittlerweile eingestellt, weil die Staatsanwaltschaft Regensburg keine Hinweise auf Straftaten gefunden hatte. Dazu bemerkte der Landtagsvizepräsident Paul Gantzer (SPD):

„Ich bin Fallschirmjäger, ich weiß, was Freiwilligkeit heißt, wenn ein solches Korps Rituale veranstaltet. Da sagt keiner Nein.“

Neben der wohl richtigen Einschätzung, ein interessantes Detail, dass der hohe bayrische Politiker in der Bundeswehr-Eliteeinheit gedient hat.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Ende Oktober 2007
Quelle: Claudia Wangerin: Neuer Polizeiskandal?, in „Junge Welt“ vom 01.11.2007, http://www.jungewelt.de/2007/11-01/055.php / Birgit Kruse: Skandal in bayerischer Polizeihundeschule, in: Süddeutsche vom 30.10.2007, http://www.sueddeutsche.de/bayern/artikel/853/140555/ / Beamte bestätigen Teil der Vorwürfe, in: Bayrischer Rundfunk, http://www.br-online.de/bayern-heute/artikel/0710/30-hundeschule-herzogau/index.xml

Wehrmacht nicht zackig, sondern gezackt

Laut den Antifaschistischen Nachrichten (AN) finden sich im Jahreskatalog „Lesen & Schenken“ 2008 des rechtsextremen Kieler „ARNDT-Buchdienst/Europa-Buchhandlung“ auch frankierte Briefumschläge mit der Motivreihe „Große deutsche Soldaten“. Das sind Porträts der Wehrmachts-Generalobersten Eduard Dietl und Heinz Guderian, der Generalfeldmarschalle Erwin Rommel und Erich von Manstein sowie die Jagdflieger Walter Nowotny und Erich Hartmann.
Diese Briefmarken gehen laut AN auf einem Service der Deutschen Post zurück, wonach Firmen fertige Briefumschläge mit offiziell aufgedruckten Briefmarken selbst gestalten dürfen.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Ende Oktober 2007
Quelle: hma: Braune Briefmarken, aus: Antifaschistische Nachrichten 22/November 2007, http://www.nrw.vvn-bda.net/hma/an_2007_22.htm

NPD gedachte Erwin Rommel

Zum Todestag von Hitlers Generalfeldmarschall Erwin Rommel am 14. Oktober treffen sich an Rommels Grab bis heute Veteranen der Wehrmacht, sowie der Alliierten.
Anläßlich seines 63. Todestages waren laut einem NPD-Bericht auch Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau mit dabei. In dem Bericht wird Rommel als der „populärste Feldherr des Zweiten Weltkrieges“ bezeichnet und davon geschrieben, dass die Neofaschisten eine Stunde vor der offiziellen Gedenkfeier aufgetaucht seien und ihren Kranz abgelegt hatten. Auch nahmen die NPDler ungestört an der offiziellen Gedenkfeier am Rommelgrab teil.

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Mitte Oktober 2007
Quelle: Bericht auf der Homepage der NPD Baden-Württemberg

Militär-Referenten bei der rechtslastigen Preußischen Gesellschaft

Die Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. hatte in den letzten Jahren folgende Referenten aus bzw. über den Bereich Militär:

18. Juli 2007
Thema: „Vernetzte Sicherheitspolitik“ (Rolle und Aufgaben der Bundeswehr im 21. Jahrhundert)
Referent: General Wolfgang Schneiderhan (Generalinspekteur der Bundeswehr)

18. April 2007
Thema: „Über echte und falsch verstandene Toleranz im Umgang mit dem Islam“
Referent: Pater Lothar Groppe (Militärpfarrer a. D., Dozent an der „Führungsakademie der Bundeswehr“, aktiv in der „Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft“, Autor in: „Junge Freiheit“, Criticon, „Der Schlesier“, „Erneuerung und Abwehr“)

21. März 2007
Thema: „Preußen und Christentum“
Referent: Dr. Rolf Sauerzapf (Kirchenrat i.R., ehemaliger evangelischer Militärpfarrer bzw. Grenzschutzpfarrer, aktiv im Hilfskomitee Südliches Afrika, beim Preußeninstitut e.V. und bei der „Stimme der Mehrheit“)

12. Juli 2006
Thema: „Bundeswehr – Die geduldete Armee“
Referent: Clemens Range (Inhaber der Kommunikationsagentur „Translimes Media“, Chefredakteur der revanchistischen „Preußischen Allgemeinen Zeitung – Ostpreußenblatt“, Oberstleutnant der Reserve)

Neuigkeitswert bzw. Aktualitätsgrad: Juli 2006 bis Juli 2007
Quelle: Homepage der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.