Das Prinzip Stahlgestalten – am Beispiel Werner Mölders

Das Verhältnis der Bundeswehr zu ihrer deutschen Vorgängerarmee, der Wehrmacht hat sich über die Jahrzehnte unzweifelhaft gewandelt. Eine offene Bezugnahme war über Jahrzehnte völlig normal und geradezu selbstverständlich. Bei der Gründung der Bundeswehr existierte sogar die Idee diese neu-alte Armee wieder auf den Namen „Wehrmacht“ zu taufen, was aber politisches Kalkül (Westbindung, …) und möglicherweise auch Bauchschmerzen verhinderten. Doch gerade im Offizierskorps stellten Wehrmachts-Gediente die Mehrheit und Bundeswehr-Einheiten übernahmen ganz selbstverständlich Patenschaften über alte Veteranen-Verbände, also Wehrmachts-Einheiten.
Mit der Zeit starben die ehemaligen Wehrmachts-Angehörigen in der Bundeswehr und parallel dazu setzte in der Gesellschaft eine Diskussion ein, die sich auf jahrzehntealte Forschungsergebnisse über die Verbrechen der Wehrmacht stützte und besonders um die so genannte „Wehrmachts-Ausstellung“ richtig ausbrach.
Eine zu offene Bezugnahme auf die Wehrmacht schien nicht mehr opportun. Trotzdem blieb eine Orientierung an der Wehrmacht bestehen. Hinter den Kasernenmauern werden weiter Wehrmachts-Feiertage gefeiert, statt wie früher offiziell nun aber inoffiziell. Viele Offiziere von heute, die meist von alten Wehrmachts-Offizieren in der Bundeswehr ausgebildet wurden, sehen in der Wehrmacht durchaus ein Vorbild, sagen das aber – anders als früher – lieber nicht zu offen. Oder aber sie sagen dergleichen erst nach ihrer Pensionierung. Es ist auffällig, dass eine Reihe von Offizieren nach ihrem aktiven Dienst sich anfängt politisch rechts zu betätigen und in Wehrmachts-Apologie zu üben. Diese Einstellung dürfte nicht erst mit Dienstende gekommen sein, sondern schon früher vorhanden gewesen sein. Bei der Bundeswehr von heute, sollte also nicht nur auf die Oberfläche, sondern auch tiefer geschaut werden.
Doch der Fisch stinkt nicht nur vom Schwanze her. Parallel zu rechten Tendenzen und Wehrmachts-Apologie unter Offizieren und Berufssoldaten, finden sich in den Kasernen unter den Wehrpflichtigen rechtslastige Tendenzen. Hier dürfte sich auch der erhöhte Anteil ostdeutscher, junger Männer mit eher geringer Bildung auswirken.

Im Folgenden mit dem Prinzip „Stahlgestalt“ an Hand des Beispiels Mölders erläutert werden, wie eine positive Bezugnahme auf die Wehrmacht in der Bundeswehr und ihrem Umfeld heutzutage aussieht.

Das Prinzip „Stahlgestalt“
Eine zu offene Bezugnahme auf die Wehrmacht ist derzeit wie bereits erläutert eher tabu. Eine relative Ausnahme bilden die so genannten „Stahlgestalten“. Mit „Stahlgestalten“ sind Wehrmachts-Angehörige gemeint die sich durch besondere „Leistungen“ im Krieg auszeichneten. Piloten mit einer hohen Abschusszahl, Artilleristen die viele Panzer abschossen und ähnliche „Heldentaten“. In Bezug auf den Zweiten Weltkrieg werden damit besondere Leistungen einzelner Mitglieder der als „apolitische“ und „effizient“ konstruierten Wehrmacht hervorgehoben. Deren Erbringer werden gerne verharmlosend „Stahlgestalten“ genannt. Diese „Stahlgestalten“ gibt es auf niedriger Ebene (Mölders, Novotny, Rudel), aber auch auf höherer Ebene (Rommel).
Das Prinzip ist dabei, dass völlig unkritisch auf diese „Leistungs-“Träger positiv Bezug genommen wird. Dabei wird der Hintergrund stark ausgeblendet, nämlich das diese außerordentlichen „Leistungen“ im Rahmen eines verbrecherischen Angriff-Krieges vollbracht wurden, der im Osten als Rasse- und Vernichtungskrieg geführt wurde. Jede dieser „Leistungen“ half dabei den Krieg und das Leiden der Nazi-Opfer zu verlängern. Oft stimmt es auch gar nicht, dass diese Helden persönlich wirklich unbefleckt sind, was Kriegsverbrechen angeht. Selbst der als „genialer Feldherr“ bis heute von vielen angehimmelte Rommel muss sich einige in seinem Befehlsbereich geschehene Kriegsverbrechen zuschreiben lassen.
Dieses von Kritikern als „sezierende Ansatz“ bezeichnetes Vorgehen wird von einer Funktionalisten-Fraktion in der Bundeswehr verwendet.

Wer war Mölders?
Oberst Werner Mölders trat freiwillig in die berüchtigte deutsche Freiwilligen- und Unterstützer-Einheit Legion Condor ein, die auf Seiten des späteren Diktators Franco kämpfte und an Kriegsverbrechen (u.a. Bombardierung von Guernica) beteiligt war.

Auf Grund seiner „guten“ Leistungen im Krieg wurde Mölders von den NS-Herrschern mit dem Ritterkreuz-Orden ausgezeichnet und zum Fliegerheld aufgebaut. Wie die Bilder unten zeigen hat Mölders anscheinend kein Problem mit dieser Rolle gehabt.

Mölders mit Eichenlaub

Mölders nach 32. Luftsieg

Mölders mit Hitler

Mölders Ritterkreuzfeier

Der Mölders-Kult und seine Apologeten und Fans
Als am 28. Januar 2005 die Werner-Mölders-Kaserne in Visselhövede und das gleichnamige Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau durch Anordnung des Verteidigungsministers Struck umbenannt werden, erhebt sich starker Protest (vgl. Banholzer). Die Mölders-Kaserne in Visselhövede wurde gegen den zähen Widerstand rechter und strukturkonservativer Militärs und Politiker vor Ort umbenannt. Nach einem RBB-Bericht von 2007 stritt beispielsweise der damalige Staatsekretär Christian Schmidt (CSU), damals einer der Stellvertreter des Bundesverteidigungsministers für die Rehabilitierung des Fliegers.

Der Protest äußert sich auch darin, dass im März 2005 116 Soldaten aller Dienstgrade in der konservativen FAZ eine ganzseitige „Todesanzeige für Mölders“ schalten. Als Organisation der Mölders-Anhänger bildet sich eine Mölders-Vereinigung mit dem Vorsitzenden Helmut Ruppert (Oberst a. D. und Ex-Kommodore). Diese Vereinigung hat sich die Rehabilitierung von Oberst Werner Mölders zum Ziel gesetzt.

Ebenfalls an der Pro-Mölders-Front kämpft General a. D. Dr. Hermann Hagena (* 1931), der (ehemalige?) stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese. Hagena schreibt gelegentlich für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und verfasste für das unkritische Magazin „Militär&Geschichte“ einen ausführlichen Lob-Artikel auf Mölders. Hagena war Pilot im Jagdgeschwader 74, eben der Einheit die von 1973 bis 2005 Mölders als Namenspate hatte. Das Mitglied diverser Militaristen-Gruppen (Clausewitz-Gesellschaft, „Arbeitskreis Militär- und Sozialwissenschaften“, „Dresdner Studiengemeinschaft für Sicherheitspolitik“, „Gemeinschaft der Flieger Deutscher Streitkräfte“) veröffentlichte zudem im Helios-Verlag des früheren NPD-Fuktionärs Karl-Heinz Prohuber ein Buch über Mölders.

Ein weiterer Mölders-Apologet ist der Bestseller-Autor Frederick Forsyth aus Großbritannien, Verfasser von bekannten Büchern wie „Der Schakal“ und „Hunde des Krieges“. Forsyth war 1956-58 RAF-Pilot und soll Anteilseigner an Söldnerfirmen sein (vgl. Uesseler). Er verteidigte den Wehrmachtsflieger“helden“ Werner Mölders in einem Interview mit der extrem rechten „Deutschen Militär-Zeitschrift“.

Allen Mölders-Apologeten ist in ihrer Verteidigung gemeinsam, dass sie Mölders als unpolitisch zu konstruieren versuchen und in seinen „Leistungen“ etwas per se Positives sehen. Dafür blenden sie den Kontext („Drittes Reich“) konsequent aus.

Übrigens: Möldersstraßen gibt es bis heute noch.
Mölders-Straßen

Quellen:
* Michael Banholzer: Skandal-Kalender, in: Die Linke im Bundestag: Schwarzbuch zur Sicherheits- und Militärpolitik Deutschlands, Berlin 2007, Seite 77-79
* Rolf Uesseler: Krieg als Dienstleistung, Berlin, Seite 80
* Michael Berger: An der Möldersstraße rechts abbiegen, in: Jungle World Nr. 23, 4. Juni 2009, http://jungle-world.com/artikel/2009/23/35213.html
* Alexander Kobylinski und Caroline Walter: Merkwürdige Traditionspflege: Nazi-Held als Vorbild für die Bundeswehr, RBB-Sendung vom 07. Juni 2007, http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_5983349.html

Das Prinzip Stahlgestalten – am Beispiel Werner Mölders

Das Verhältnis der Bundeswehr zu ihrer deutschen Vorgängerarmee, der Wehrmacht hat sich über die Jahrzehnte unzweifelhaft gewandelt. Eine offene Bezugnahme war über Jahrzehnte völlig normal und geradezu selbstverständlich. Bei der Gründung der Bundeswehr existierte sogar die Idee diese neu-alte Armee wieder auf den Namen „Wehrmacht“ zu taufen, was aber politisches Kalkül (Westbindung, …) und möglicherweise auch Bauchschmerzen verhinderten. Doch gerade im Offizierskorps stellten Wehrmachts-Gediente die Mehrheit und Bundeswehr-Einheiten übernahmen ganz selbstverständlich Patenschaften über alte Veteranen-Verbände, also Wehrmachts-Einheiten.
Mit der Zeit starben die ehemaligen Wehrmachts-Angehörigen in der Bundeswehr und parallel dazu setzte in der Gesellschaft eine Diskussion ein, die sich auf jahrzehntealte Forschungsergebnisse über die Verbrechen der Wehrmacht stützte und besonders um die so genannte „Wehrmachts-Ausstellung“ richtig ausbrach.
Eine zu offene Bezugnahme auf die Wehrmacht schien nicht mehr opportun. Trotzdem blieb eine Orientierung an der Wehrmacht bestehen. Hinter den Kasernenmauern werden weiter Wehrmachts-Feiertage gefeiert, statt wie früher offiziell nun aber inoffiziell. Viele Offiziere von heute, die meist von alten Wehrmachts-Offizieren in der Bundeswehr ausgebildet wurden, sehen in der Wehrmacht durchaus ein Vorbild, sagen das aber – anders als früher – lieber nicht zu offen. Oder aber sie sagen dergleichen erst nach ihrer Pensionierung. Es ist auffällig, dass eine Reihe von Offizieren nach ihrem aktiven Dienst sich anfängt politisch rechts zu betätigen und in Wehrmachts-Apologie zu üben. Diese Einstellung dürfte nicht erst mit Dienstende gekommen sein, sondern schon früher vorhanden gewesen sein. Bei der Bundeswehr von heute, sollte also nicht nur auf die Oberfläche, sondern auch tiefer geschaut werden.
Doch der Fisch stinkt nicht nur vom Schwanze her. Parallel zu rechten Tendenzen und Wehrmachts-Apologie unter Offizieren und Berufssoldaten, finden sich in den Kasernen unter den Wehrpflichtigen rechtslastige Tendenzen. Hier dürfte sich auch der erhöhte Anteil ostdeutscher, junger Männer mit eher geringer Bildung auswirken.

Im Folgenden mit dem Prinzip „Stahlgestalt“ an Hand des Beispiels Mölders erläutert werden, wie eine positive Bezugnahme auf die Wehrmacht in der Bundeswehr und ihrem Umfeld heutzutage aussieht.

Das Prinzip „Stahlgestalt“
Eine zu offene Bezugnahme auf die Wehrmacht ist derzeit wie bereits erläutert eher tabu. Eine relative Ausnahme bilden die so genannten „Stahlgestalten“. Mit „Stahlgestalten“ sind Wehrmachts-Angehörige gemeint die sich durch besondere „Leistungen“ im Krieg auszeichneten. Piloten mit einer hohen Abschusszahl, Artilleristen die viele Panzer abschossen und ähnliche „Heldentaten“. In Bezug auf den Zweiten Weltkrieg werden damit besondere Leistungen einzelner Mitglieder der als „apolitische“ und „effizient“ konstruierten Wehrmacht hervorgehoben. Deren Erbringer werden gerne verharmlosend „Stahlgestalten“ genannt. Diese „Stahlgestalten“ gibt es auf niedriger Ebene (Mölders, Novotny, Rudel), aber auch auf höherer Ebene (Rommel).
Das Prinzip ist dabei, dass völlig unkritisch auf diese „Leistungs-“Träger positiv Bezug genommen wird. Dabei wird der Hintergrund stark ausgeblendet, nämlich das diese außerordentlichen „Leistungen“ im Rahmen eines verbrecherischen Angriff-Krieges vollbracht wurden, der im Osten als Rasse- und Vernichtungskrieg geführt wurde. Jede dieser „Leistungen“ half dabei den Krieg und das Leiden der Nazi-Opfer zu verlängern. Oft stimmt es auch gar nicht, dass diese Helden persönlich wirklich unbefleckt sind, was Kriegsverbrechen angeht. Selbst der als „genialer Feldherr“ bis heute von vielen angehimmelte Rommel muss sich einige in seinem Befehlsbereich geschehene Kriegsverbrechen zuschreiben lassen.
Dieses von Kritikern als „sezierende Ansatz“ bezeichnetes Vorgehen wird von einer Funktionalisten-Fraktion in der Bundeswehr verwendet.

Wer war Mölders?
Oberst Werner Mölders trat freiwillig in die berüchtigte deutsche Freiwilligen- und Unterstützer-Einheit Legion Condor ein, die auf Seiten des späteren Diktators Franco kämpfte und an Kriegsverbrechen (u.a. Bombardierung von Guernica) beteiligt war.

Auf Grund seiner „guten“ Leistungen im Krieg wurde Mölders von den NS-Herrschern mit dem Ritterkreuz-Orden ausgezeichnet und zum Fliegerheld aufgebaut. Wie die Bilder unten zeigen hat Mölders anscheinend kein Problem mit dieser Rolle gehabt.

Mölders mit Eichenlaub

Mölders nach 32. Luftsieg

Mölders mit Hitler

Mölders Ritterkreuzfeier

Der Mölders-Kult und seine Apologeten und Fans
Als am 28. Januar 2005 die Werner-Mölders-Kaserne in Visselhövede und das gleichnamige Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau durch Anordnung des Verteidigungsministers Struck umbenannt werden, erhebt sich starker Protest (vgl. Banholzer). Die Mölders-Kaserne in Visselhövede wurde gegen den zähen Widerstand rechter und strukturkonservativer Militärs und Politiker vor Ort umbenannt. Nach einem RBB-Bericht von 2007 stritt beispielsweise der damalige Staatsekretär Christian Schmidt (CSU), damals einer der Stellvertreter des Bundesverteidigungsministers für die Rehabilitierung des Fliegers.

Der Protest äußert sich auch darin, dass im März 2005 116 Soldaten aller Dienstgrade in der konservativen FAZ eine ganzseitige „Todesanzeige für Mölders“ schalten. Als Organisation der Mölders-Anhänger bildet sich eine Mölders-Vereinigung mit dem Vorsitzenden Helmut Ruppert (Oberst a. D. und Ex-Kommodore). Diese Vereinigung hat sich die Rehabilitierung von Oberst Werner Mölders zum Ziel gesetzt.

Ebenfalls an der Pro-Mölders-Front kämpft General a. D. Dr. Hermann Hagena (* 1931), der (ehemalige?) stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese. Hagena schreibt gelegentlich für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und verfasste für das unkritische Magazin „Militär&Geschichte“ einen ausführlichen Lob-Artikel auf Mölders. Hagena war Pilot im Jagdgeschwader 74, eben der Einheit die von 1973 bis 2005 Mölders als Namenspate hatte. Das Mitglied diverser Militaristen-Gruppen (Clausewitz-Gesellschaft, „Arbeitskreis Militär- und Sozialwissenschaften“, „Dresdner Studiengemeinschaft für Sicherheitspolitik“, „Gemeinschaft der Flieger Deutscher Streitkräfte“) veröffentlichte zudem im Helios-Verlag des früheren NPD-Fuktionärs Karl-Heinz Prohuber ein Buch über Mölders.

Ein weiterer Mölders-Apologet ist der Bestseller-Autor Frederick Forsyth aus Großbritannien, Verfasser von bekannten Büchern wie „Der Schakal“ und „Hunde des Krieges“. Forsyth war 1956-58 RAF-Pilot und soll Anteilseigner an Söldnerfirmen sein (vgl. Uesseler). Er verteidigte den Wehrmachtsflieger“helden“ Werner Mölders in einem Interview mit der extrem rechten „Deutschen Militär-Zeitschrift“.

Allen Mölders-Apologeten ist in ihrer Verteidigung gemeinsam, dass sie Mölders als unpolitisch zu konstruieren versuchen und in seinen „Leistungen“ etwas per se Positives sehen. Dafür blenden sie den Kontext („Drittes Reich“) konsequent aus.

Übrigens: Möldersstraßen gibt es bis heute noch.
Mölders-Straßen

Quellen:
* Michael Banholzer: Skandal-Kalender, in: Die Linke im Bundestag: Schwarzbuch zur Sicherheits- und Militärpolitik Deutschlands, Berlin 2007, Seite 77-79
* Rolf Uesseler: Krieg als Dienstleistung, Berlin, Seite 80
* Michael Berger: An der Möldersstraße rechts abbiegen, in: Jungle World Nr. 23, 4. Juni 2009, http://jungle-world.com/artikel/2009/23/35213.html
* Alexander Kobylinski und Caroline Walter: Merkwürdige Traditionspflege: Nazi-Held als Vorbild für die Bundeswehr, RBB-Sendung vom 07. Juni 2007, http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_5983349.html

Bei Reservistenkameradschaft aktiv trotz tiefbrauner Verstrickung

Die Frankfurter Rundschau wies in einem Artikel auf mehrere Fälle hin bei denen sich Neonazis oder zumindest Männer mit einer solchen Vergangenheit weitgehend ungestört in Reservistenkreisen bewegen.

Wolfram M.
M. ist Chef der Reservisten-Kameradschaft in Großropperhausen, einem Ortsteil von Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis. Der heute 52-Jährige war von 1983 bis 1991 Vize-Vorsitzender der neonazistischen „Hilfsgemeinschaft für nationale Gefangene“ (HNG). Im Jahr 1980 hatte er selbst mit einem 20-köpfigen Schlägertrupp aus dem Umfeld der militanten „Volkssozialistischen Bewegung Deutschland“ in einer Frankfurter Fußgängerzone Passanten angegriffen.
Die zuständigen bei dem Reservistenverband hatten nach einer Prüfung verlauten lassen, dass es keinerlei Hinweise auf eine aktuelle extrem rechte Gesinnung gäbe. Seltsamerweise hatte Wolfram M. versucht in der Ausgabe Mai 1998 des neofaschistischen Monatsmagazins „Nation und Europa“ über eine Anzeige versucht ausgediente Bundeswehr- und Bundesgrenzschutzfahrzeuge zu verkaufen. Und in diesem Jahr „pöbelte er via Leserbrief in der örtlichen Presse gegen den Besuch von US-Präsident Barack Obama in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald“, berichtet die „Frankfurter Rundschau“.

Rainer V.
Der Postbeamte V. wurde im August 2007 von der Kameradschaft Frielendorf für seine 20-jährige Mitgliedschaft im Reservistenverband geehrt. Rainer V. ist aber nicht nur bei Reservisten, sondern auch in der extremen Rechten aktiv. Laut „Frankfurter Rundschau“ führte ihn seine „Karriere am rechten Rand, von NPD über „Republikaner“ und das rechtsextreme „Bürgerbündnis Pro Schwalm-Eder“ bis zur Splitterpartei „Ab jetzt … Bündnis für Deutschland“, für die der 57-Jährige bei der Landtagswahl 2008 antrat.“

Martin B.
Der 33jährige Martin B. nahm im September in Frielendorf an einer Reservistenübung teil. Laut „Frankfurter Rundschau“ handelt es sich bei B. um einen „polizeibekannten“ Neonazi.

Natürlich sind diese drei Fälle angesichts tausender Reservisten nur eine kleine Minderheit. Jedoch sind es nur Beispiele, eine empirische Untersuchung zu extremen Rechten und rechten Tendenzen existiert nach dem Wissen vom AK Braunzone Bundeswehr bisher noch nicht. Besonders erschreckend ist die fehlende Reaktion auf die Mitgliedschaft von Personen mit extrem rechten Hintergrund. Vielmehr werden diese auf Grund persönlicher Sympathien verteidigt. Dabei wird in den Reservisten-Verbänden der Waffengebrauch geübt. Jeder Rechte der daran teilnehmen kann, ist einer zuviel. Wer kann garantieren, dass solche Personen ihr erworbenes Wissen nicht gemäß ihrer (Hass-)Ideologie einsetzen?

Quelle:
* Joachim F. Tornau und Carsten Meyer: Neonazis bei der Bundeswehr. Braune Flecken auf der Uniform, http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/2147863_Neonazis-bei-der-Bundeswehr-Braune-Flecken-auf-der-Uniform.html

Deutsche Militär-Zeitschrift (DMZ) Nr. 73 – Januar/Februar 2009 erschienen

DMZ Nr. 73
Im Heftinnern findet sich u.a. in der Rubrik „Landser erzählen“ ein Beitrag mit dem Titel „Dänische Freiwillige. Waffen-SS im Kaukasus“ aus der Feder von Henry Pedersen, der 1941 freiwillig der 5. Waffen-SS-Division „Wiking“ beitrat, einer Einheit für skandinavischen NS-Kollaborateure.
DMZ Nr. 73

Interviewpartner dieser Ausgabe sind:
* Generalmajor a.D. Jürgen Reichardt (* 1938), seit 2000 Präsident des „Bayrischen Soldatenbundes“.
* Prof. Dr. Martin van Creveldt aus Israel, ein Professor an der Hebräischen Universität von Jerusalem, der sich in der deutschen Rechten durch sein Lob für die Wehrmacht großer Beliebtheit erfreut. Van Creveldt ist regelmäßiger Autor für die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und schrieb auch schon für die DMZ. Beim 8. Berliner Kolleg (Dezember 2004) des neurechten „Institut für Staatspolitik“ trat er zudem als Referent auf.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* dem Scherzer Militär-Verlag (Schwerpunkt: sächsische Ritterkreuzträger).
* das Waffen-SS-Ehemaligen-Magazin „Der Freiwillige“.
* dem rechtsextremen Tübinger Hohenrain-Verlag.
* dem national“revolutionären“ Bublies-Verlag.
* dem Magazin „Militaria“.

Zusätzlich liegen in dem Heft noch zwei Prospekte, je eins von dem rechtslastigen Leopold-Stocker-Verlag aus Österreich und eins von einem Atlas-Verlag.

Bundeswehr wird mit Wehrmachts-Literatur trainiert

Ein Artikel in der Berliner Tageszeitung „taz“ berichtet über die Verwendung von Wehrmachts-Literatur bei der Ausbildung von Bundeswehr-Soldaten. Dabei bezieht sich die „taz“ auf einen Beitrag des Historikers Detlef Bald in der neuen Ausgabe des Hefts des „Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik“ an der Universität Hamburg mit dem Titel „Bundeswehr im Krieg – wie kann die Innere Führung überleben?“. Der Historiker analysiert darin kritisch die Ausbildungsrichtlinien und -materialien der Bundeswehr. Dabei stieß er auch auf die Bücher „Einsatznah ausbilden“ und „Üben und schießen“, die in der Grundausbildung benutzt werden und den Ausbildern als Nachschlagewerke dienen.
So wird u.a. empfohlen die „Vorstellung von Kriegswirklichkeit“ u.a. durch beispielhafte Erfahrungsberichte des deutschen Heeres im Zweiten Weltkrieg heranzuziehen. Eine positive Bezugnahme auf den Rasse- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht also. Im Konkreten dient z.B. der Winterkampf in der Sowjetunion oder die Abwehr der Operation der Alliierten in der Normandie als vorbildhaftes Schlachtengemälde.
Auch kleine gereimte Merksätze für die Panzerabwehr der Wehrmacht werden zitiert:
„Selbst in der äußersten Erregung /
bewahre kühle Überlegung.“
Der Historiker Bald fasst zusammen: „Die ,Ausbildungshilfen‘ sind ein Machwerk der Legendenbildung. […] Perfide ist der Duktus, Vorschriften und Richtlinien aus der Zeit des Nationalsozialismus in vermeintlich unpolitischer Absicht durch Zitate in die Gegenwart der Bundeswehr zu holen und amtlich zu erklären, diese Lehren seien ,zeitlos‘. Damit werden Wehrmacht und ihre Nazi-Ideale ethisch gesäubert und enthistorisiert. Das Gütesiegel des Heeresamtes bestätigt dies.“

Quelle:
* Bettina Gaus: Bundeswehr-Lehrmaterial von der Wehrmacht. Von Stalingrad nach Afghanistan, 08.12.09,
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/von-stalingrad-nach-afghanistan/

Österreich: Gedenken mit Freikorps-Anhängern

Das Hartmut-Mayer-arxhiv des VVN-BdA NRW berichtet:

Zu den Teilnehmern an der im November durchgeführten Gedenkfeier für den ehemaligen NS-Jagdflieger Walter Nowotny auf dem Wiener Zentralfriedhof gehörte auch eine Delegation der extrem rechten „Kameradschaft Freikorps Oberland – Bund Oberland“.
Vertreter des Traditionsverbandes des berüchtigten „Freikorps Oberland“ hatten noch im Sommer eine Einladung des „Österreichischen Kameradschaftsbundes“ nach Moosburg/Kärnten zur Teilnahme am Kaiser-Arnulf-Fest angenommen. Vor der Teilnahme am örtlichen Festumzug fand man noch die Gelegenheit eines gemeinsamen Gedenkens an dem Ort, an dem Jörg Haider tödlich verunglückt war. Daran nahm auch eine Klagenfurter Stadträtin teil, so „Kameradschaftsführer“ Jürgen Popp in „Der Oberländer“ (hma).

Quelle:
* Hartmut-Mayer-Archiv: Alte Kameraden, aus: Antifaschistische Nachrichten 25/Dezember 2009

DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter als neuer Chefredakteur von „Zuerst!“?

Das Informationsportal „redok“ berichtet:

„Nun soll als Nachfolger das neue rechte Monatsmagazin mit dem Titel Zuerst! Neuland für die extreme Rechte erschließen. Als journalistische Führungsfigur soll offenbar Manuel Ochsenreiter dienen, der einst Redakteur der neurechten Jungen Freiheit war und dem norddeutschen Verleger Munier bereits seit einiger Zeit als Chefredakteur der Deutschen Militärzeitschrift dient.“
Dem widerspricht aber bnr.de, dessen „Informationen zufolge hat der Historiker Günther Deschner (Jg. 1942) die Funktion des Chefredakteurs inne.“

Berichtigung (21.12.09):

Redok schrieb nicht von Ochsenreiter als Chefredakteur, sondern „als journalistische Führungsfigur“. Ochsenreiter zeichnet laut Impressum von „Zuerst!“ verantwortlich für den Inhalt der Webseiten und verfasste auch einen Artikel für „Zuerst!“.
Der Initiator des ganzen Projektes, der Verleger Dietmar Munier, äußerte sich über Ochsenreiters Rolle bei „Zuerst!“ im Interview mit gesamtrechts.net:

Munier: Neben Dr. Deschner, dem eigentlichen „Blattmacher“, spielt Manuel Ochsenreiter eine wichtige Rolle bei ZUERST!. Ochsenreiter ist ja seit fünf Jahren Chefredakteur der Deutschen Militärzeitschrift (DMZ), was er vorläufig auch bleiben wird. Wir haben ihn dort aber durch einen zusätzlichen Redakteur entlastet, damit er seine wirklich herausragenden journalistischen Befähigungen bei ZUERST! voll zum Einsatz bringen kann. Seine Reportagen in der DMZ etwa über die Hisbollah im Libanon sind ja legendär.

Quellen:
* redok: Rechtes Monatsblatt: Medienkonzern übernimmt Vertrieb, 06.12.09, http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1596&Itemid=36
* am: Sprungbrett nach rechts, 10.12.09, http://www.bnr.de/content/sprungbrett-nach-rechts

Neonazis üben mit

Der Hessische Rundfunk berichtet davon, dass zwei bekannte Rechtsextreminaus des hessischen Schwalm-Eder-Kreis vor einigen Wochen an einem Bundeswehr-Manöver in Frielendorf als Reservisten teilgenommen haben. Einer der beiden, Martin B., ist Aktivist der „Freien Kräfte Schwalm-Eder“, die 2008 durch einen Überfall auf ein Zeltlager bundesweit bekannt wurden, bei dem ein junges Mädchen fast mit einem Klappspaten erschlagen wurde. Der andere, Wolfram M., ist sogar Vorsitzender der Reservisten-Kameradschaft Großropperhausen, einem Ortsteil von Frielendorf und soll jahrzehntelang in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen sein.

Der hessische Reservistenverband will sich nun angeblich von den Reservesoldaten trennen.

Quelle:
* Hessischer Rundfunk, Magazin „de facto“, 4. Oktober 2009, zitiert unter: http://www.antimanifest.de/ararrese.htm

Ungarn: rechtsextreme Miliz wird von Offizieren ausgebildet

Am 25. August 2007 wurde in Ungarn die rechtsextreme paramilitärische „Ungarische Garde“ („Magyar Gárda“) gegründet. Trotz Verbote des Trägervereins existiert diese Miliz in SA-Analogie bis heute und soll über mindestens 3.000 Mitglieder verfügen. Sie steht der rechtsextremen Partei „Jobbik Magyarországért Mozgalom“ (kurz: Jobbik, „Die Besseren“) nahe, die es bei den letzten Europa-Wahlen schaffte drei Sitze im Europa-Parlament zu erringen. Ihr Motto lautet „Die ungarische Garde ist hart wie die geballte Faust, zäh wie Bast, scharf wie das Schwert.“ Etwa 10% aller Ungarn sympathisieren laut einer Umfrage von 2009 mit der Garde. Die Garde marschiert gerne gegen „Zigeunerkriminalität“, demonstriert aber auch gegen Juden.
Nach Informationen des Journalisten Karl Pfeifer sollen ehemalige Offiziere, darunter auch ein Generalmajor a.D., die Garde ausbilden.

Quelle:
* Karl Pfeifer: Hohe Offiziere bilden verbotene Ungarische Garde aus, 16.11.09, http://www.redok.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1560&Itemid=38

SS-Veteran tritt für Neonazis auf

Waffen-SSler bei NPD
Unter dem Titel „Soldaten erzählen!“ wird auf der Homepage der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ ein Vortrag am 28. November angekündigt. In der Westpfalz soll Toon Paul, ein ehemaliger Angehöriger der flämischen Waffen-SS, dazu vor Publikum sprechen. Als Email-Kontakt ist die Adresse einer „Aktion Südwest“ angegeben. Diese Emailadresse und die angegebene Telefonnummer wurden bisher von der NPD Zweibrücken (Saarland) und den NPD-Kreisverbänden Südwestpfalz und Kaiserslautern verwendet.

Ergänzung (20.11.09)
Für die Veranstaltung mit dem SS-Mann wurde auch in dem neofaschistischen Monatsmagazin „Nation & Europa“ geworben. Laut einer Meldung des Hartmut-Mayer-Archivs des VVN-BdA in NRW war Pauli „2001 Kontaktadresse für ein Treffen der flämischen Ostfrontgemeinschaft „Sint-Maartensfonds“ mit Sitz in Antwerpen.“

USA: Angehöriger rechtsextremer Milizen tut Dienst im Irak

Die US-Watch-NGO „Southern Poverty Law Center” (SPLC) berichtet in einem Beitrag davon, dass ein Mitglied der Miliz “Oath Keepers” ein Foto ins Internet gestellt hätte auf dem eines ihrer Mitglieder als US-Soldat in Mosul (Irakisch-Kurdistan) zu sehen ist. Der Abgebildete zeigt die Symbole rechter Gruppen. Laut SPLC gehören die „Oath Keepers“ zu den Antiregierungs-Milizen. Diese Milizen tragen beispielsweise Namen wie „Michigan Militia“, „Militia of Montana“, „Arizona Patriots“, „Texas Constitutional Militia“, “Wolverines”, “Montana Freeman”, “Free Militia”, “Indiana Militia”, “Minnesota Patriots Council”, “Viper Militia”, “Militia-at-Large for the Republic Georgia”, “West Virginia Mountineer Militia”, “Big Star One” oder “Almost Heaven survivalist compound”. Laut dem Buch „Terrorismus – der unerklärte Krieg“ gab es vor etwa zehn Jahren in den Vereinigten Staaten 809 Milizen, die landesweit 50.000 Mitglieder und 150.000 Sympathisanten hatten. Der harte Kern wurde aber auf 10.000 Mann geschätzt. Diese Milizen sind eine Ansammlung von rechten Regierungsgegnern und viele von ihnen sind auch mehr oder weniger den Suprematisten zuzurechnen. Suprematisten glauben an die Höherwertigkeit einer „weißen Rasse“ und wenden sich gegen „Rassenmischung“. Zudem sind viele dieser Mitglieder christliche Fundamentalisten und Verschwörungs-Anhänger. Aus diesen Punkten resultiert ein apokalyptisches Weltbild. Die Milizen erwarten einen bevorstehenden Bürgerkrieg, den viele auch als „Rassekrieg“ bzw. RaHoWa („Racial Holy War“) verstehen. Der harte Kern der Milizen schottet sich deswegen, nicht selten in abgelegenen ländlichen Regionen, von der Umwelt ab und bereitet sich auf den kommenden Endkampf vor. Dafür werden Waffen gehortet und an diesen trainiert. Einige Miliz-Mitglieder scheinen nun auch in die US-Army zu gehen, um sich dort ausbilden zu lassen.

Quellen:
* Rob Waters: Oath Keepers Say They’re on Patrol in Iraq, 21.10.09, http://www.splcenter.org/blog/2009/10/21/oath-keepers-say-theyre-on-patrol-in-iraq/
* Bruce Hoffmann: Terrorismus – der unerklärte Krieg, Frankfurt a. M. 1999, Seite 139-140

Österreich: Bundesheer distanziert sich von nationalistischer Organisation

Die österreichische Armee will laut Pressemeldung zukünftig nicht mehr mit dem „Kärntner Abwehrkämpferbund“ (KAB) zusammenarbeiten. Der mitgliederstarke KAB versteht sich als deutschnationaler Interessens-Bewahrer in Kärnten gegenüber der slowenischen Minderheit. Die Bemühungen der slowenischen Minderheit um Sprach-Gerechtigkeit, beispielsweise auch bei der Verwendung der slowenischen Namen auf den Ortsschildern, werden als Vorform des Separatismus angesehen. Diese deutschnationalen Ängste existieren schon recht lange.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte es eine Abstimmung in Kärnten über den Zugehörigkeits-Wunsch der Bewohner zu Jugoslawien oder zu Österreich gegeben. Dabei verblieb ein Teil der slowenischen Bevölkerung als Minderheit bei Österreich. Im Zweiten Weltkrieg war es dann zu Zwangsdeportationen der slowenischen Minderheit in Kärnten durch die Nationalsozialisten gekommen. Aus der slowenischen Minderheit entstanden Partisanen-Einheiten, die aktiv Widerstand leisteten. Nach dem Krieg hatte beispielsweise der verstorbene Rechtspopulist und Kärntner Landeshauptmann Haider den Konflikt beschworen, um so Stimmen der deutschsprachigen Mehrheit zu gewinnen.
Als der KAB-Chef Fritz Schretter am 10. Oktober in chauvinistischer Manier vor einer drohenden „Slowenisierung“ Südkärntens warnte, kündigte das Bundesheer in Kärnten die Zusammenarbeit auf. Bis dato hatte das Militär unter anderem die Musik bei Veranstaltungen gestellt.
Die Partei des verstorbenen Jörg Haider, das „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ), zeigte sich natürlich empört über diese Reaktion: „Das Bundesheer ist verpflichtet auch weiterhin ohne Wenn und Aber unsere heimattreuen Traditionsverbände und deren Mitglieder zu unterstützen“.

Quelle:
* Eurorex: Österreich: Bundesheer kündigt Zusammenarbeit mit Kärntner Abwehrkämpferbund auf, 23.10.2009, http://www.eurorex.info/2009/10/23/osterreich-bundesheer-kundigt-zusammenarbeit-mit-karntner-abwehrkampferbund-auf/

Deutsche Militär-Zeitschrift (DMZ) Nr. 72 – November/Dezember 2009 erschienen

Pünktlich vor Weihnachten gibt es in der jüngsten DMZ-Ausgabe einen 16seitigen Katalog-Teil über Buch-Neuerscheinungen und mehrere Seiten, auf denen auch Kleidung z.B. in „Wehrmachts-Eichentarn“ angeboten wird. Exklusiv zu ordern über den DMZ-Versand.

Interviewpartner dieser Ausgabe sind:
Jan von Flocken
* Jan von Flocken (* 1954), freier Buchautor. Ein Foto in der DMZ von seinem Schreibtisch, zeigt, dass darauf mehrere kleinere Südstaaten-Flaggen stehen, also die Fahnen der separatistischen Sklavenhalter-Staaten-Konföderation.
Jan von Flocken Büro
Jan von Flocken ist Gelegenheitsautor und Interviewpartner in der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Früher arbeitete er für den Focus, so interviewte im Focus 53/1998 den Ex-RAF-Angehörigen Horst Mahler, der zu dieser Zeit schon sein rechtes „coming out“ gehabt hatte. Seine Bücher „Krieger-Schicksal“ und „Krieger-Leben“ wurden auch von dem rechtsextremen Traditionsmagazin „Nation Europa“ beworben und im Buchdienst von „Nation Europa“ angeboten.
Kai Homilius Bücher bei
Diese beiden Bücher erschienen im Kai-Homilius-Verlag, der durch sein stark antiamerikanisches, antizionistisches und verschwörungstheoretisches Angebot auffällt. In jüngster Zeit unterstützte der Kai-Homilius-Verlag die rechtslastige „Volksinitiative gegen Finanzkapital“ um den Journalisten Jürgen Elsässer. Im Verlag erscheint die Volksinitiative-Buchreihe „Compact“ und der Kai-Homilius-Verlag verantwortet auch die Homepage der „Volksinitiative gegen Finanzkapital“.
* Heinz Magenheimer (* 1943), ein ehemaliger Dozent an der österreichischen Landesverteidigungsakademie Wien. Magenheimer war bereits mehrfach mit Beiträgen in der DMZ vertreten (u.a. in Ausgabe 46, 49, 50, 52, 53, Sonderausgabe 2006, …). Somit betreibt die DMZ nur ein Selbstverhör mit einem Stammautor.

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal von:
* dem rechtslastigen Ares-Verlag aus Österreich.
* dem extrem rechten Verlag „Pour le Merite“.
* dem Scherzer Militär-Verlag (Schwerpunkt: sächsische Ritterkreuzträger).
* das Waffen-SS-Ehemaligen-Magazin „Der Freiwillige“.
* dem deutschnationalen, burschenschaftlichen Organ „Die Aula“ aus Österreich.
* dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag.
* der FPÖ-nahen Wochenzeitung „Zur Zeit“.
* dem national“revolutionären“ Bublies-Verlag.
* dem Limbus-Verlag.
* der revanchistischen „Vertriebenen“-Zeitung „Der Schlesier“.

Und so stellt die DMZ die Grenzen in Ostdeutschland da. Trotz über 60 vergangenen Jahren mag sie sich nicht endgültig vom Sudetenland oder Schlesien trennen.
DMZ-Karte

Lesetipp: „Sprengstoff und Waffen“

Die NGO “German Foreign Policy” hat einen kritischen Artikel über die jüngst aufgedeckten Verbindungen zwischen dem Lörracher Neonazi-Bombenbastler und dem Marine-Soldaten Julien L., der in den „Spezialisierten Einsatzkräften der Marine“ (SEK M) diente, einmal genauer hinzuschauen und auch noch einmal den deutschen Beitrag zum rechtsterroristischen Gladio-Netzwerk zu erwähnen. Auch hier hatte ein rechter Bombenbastler Kontakte zu den Streitkräften.

Quelle:
* German Foreign Policy: Sprengstoff und Waffen, 06.10.09, http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57638 bzw. http://linksunten.indymedia.org/en/node/12179

Großbritannien: Generäle warnen vor BNP-Einfluss

Einige britischen Generäle warnen in einem offenem Brief, dass die neofaschistische „British National Party“ (BNP) oder andere rechtsextreme Gruppen versuchen könnten, die Armee „für ihre eigenen zweifelhaften Zwecke“ zu missbrauchen. Dies schade dem Ruf und Ansehen der Armee. Dieser Offene Brief wurde von General Sir Mike Jackson, General Sir Richard Dannatt, Lord Guthrie of Craigiebank und Generalmajor Patrick Cordingley unterzeichnet. Die BNP, die seit der letzten Europawahl im Europaparlament mit zwei Abgeordneten vertreten ist und die gute Beziehungen zur NPD unterhält, hatte gegenüber Medien von sich behauptet eine bessere Beziehung zu den Streitkräften habe als die anderen politischen Parteien. Neu aufgetauchte BNP-Mitgliederlisten enthalten anscheinend tatsächlich auch die Namen von Soldaten.

Quellen:
* Eurorex: Großbritannien: Generäle warnen vor Vereinnahmung der Armee durch die BNP, 21.10.2009, http://www.eurorex.info/2009/10/21/grosbritannien-generale-warnen-vor-vereinnahmung-der-armee-durch-die-bnp/
* js: Know your local Fascist, in: “Jungle World” Nr. 43 vom 22.10.09, http://jungle-world.com/artikel/2009/43/39615.html

13% extrem rechte Studenten an den Bundeswehr-Unis

Laut einer ddp-Meldung stimmen 13 Prozent der Studenten an den Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg einer Befragung zufolge den antidemokratischen Politikzielen der „Neuen Rechten“ zu. Danach sehen sie u.a. die „nationale Identität Deutschlands durch die vielen Ausländer bedroht“ und bejahten die Aussage „eine starke Führungselite sollte den Weg Deutschlands“ bestimmen.
An den beiden Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München wird das zukünftige Offiziers-Korps der Bundeswehr ausgebildet.
Dies geht aus einer unveröffentlichten Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr hervor und bestätigt den anhaltenden Trend vorangegangener Studien.

Quelle:
* ddp: Magazin: Rechtes Gedankengut bei 13 Prozent der Bundeswehr-Studenten, 12.10.09, http://de.news.yahoo.com/17/20091010/tde-magazin-rechtes-gedankengut-bei-13-p-08c524b.html

Schweiz: Nazi-Schläger und Soldat

Die Schweizer Presse berichtet, dass ein 23-jähriger verurteilter Schläger und mutmasslicher Neonazi als Leutnant in der Armee beschäftigt ist. Er soll Ende August vor Gericht gestanden haben, weil er einen Italiener angepöbelt und verprügelt hatte. Trotz fadenscheiniger Ausflüchte verurteilte ihn das Gericht wegen Angriffs mit Körperverletzung. Der Verurteilte soll laut einem Opfer, das er verprügelte, extrem rechtes Gedankengut propagieren.
Ein Leutnant befehligt in der Schweiz 120 Mann.

Quelle:
* Rechter Schläger – als Kommandant in der Armee, 04.10.09, http://bazonline.ch/schweiz/standard/Rechter-Schlaeger--als-Kommandant-in-der-Armee/story/14245342

Marine-Elitesoldat und JN-Mitglied

In der im schleswig-holsteinischen Eckernförde stationierten „Boardingkompanie“ der „Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine“ gibt es laut Medienberichten ein braunes Ei im Nest. Gemeint ist der 23jährige Julien L. aus Lörrach, der sich als Zeitsoldat für vier Jahre in der „SEK Boardingkompanie, Team Nr. 5“ verpflichtet hat. In Lörrach war Julien L. Gründungsmitglied des dortigen JN-Stützpunktes. Der Leiter des Stützpunktes, Thomas Baumann, geriet in die Schlagzeilen, als eine Hausdurchsuchung den Verdacht bestätigte, dass er bombenfähiges Material horte. Seither sitzt Baumann in Haft. Zu genau diesem verhinderten Bombenbastler unterhielt der Marine-Elitesoldat Kontakte.
Über Konsequenzen ist noch nichts bekannt.

Quelle:
* Stefan Schölermann: Reportage: Ein Neonazi als Bundeswehr-Elitesoldat, NDR Info, 24.09.09, http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/nazibundeswehr100.html

Österreich: Ulrichsberg-Feier im kleinen Rahmen

Nach Presseberichten haben 150 Rechte vor allem von der FPÖ und deren Umfeld sich an einer Kranzniederlegung beim umstrittenen Heimkehrerdenkmal beteiligt. Dagegen protestierten 60 AntifaschistInnen.
Doch neben der FPÖ-Wandertour scheint es noch weitere Besuchsgruppen auf dem Ulrichsberg gegeben zu haben. Die österreichische Presse veröffentlichte ein Bild, dass beweist das der wohl bekannteste österreichische Neonazi, Gottfried Küssel, auch auf dem Berg war. Eventuell sogar mit der FPÖ-Delegation.

Quellen:
* Fritz Kimeswenger: Neonazi Küssel am Ulrichsberg, „Kärntner Krone“, 22.09.09, http://www.krone.at/krone/S25/object_id__162650/hxcms/
* APA: FPÖ-Wandertag auf den Ulrichsberg ohne Zwischenfälle, 20.09.09, http://derstandard.at/fs/1252771755475/FPOe-Wandertag-auf-den-Ulrichsberg-ohne-Zwischenfaelle

Österreich: braune Nester in der Armee

Unter der Überschrift „Die Traditionspflege des Bundesheeres“ versucht ein knapper Kommentar in der Tageszeitung „Der Standart“ kritisch zu reflektieren, wie es mit dem Traditionsverständnis der österreichischen Armee, dem „Bundesheer“, aussieht. So wir auch im Zusammenhang mit der Beteiligung des Bundesheeres an der Ulrichsberg-Gedenkfeier von Waffen-SS- und Wehrmachtsveteranen konstatiert: „Gut möglich, dass da auch unbehelligte Kriegsverbrecher transportiert wurden.“
Unter Bezug auf einen Essay in der Österreichischen militärischen Zeitschrift (ÖMZ) von General i.R. Hubertus Trauttenberg und Hauptmann d.Res.i.R. Gerhard Vogl heißt es weiter:
„Die Traditionspflege und – wichtiger – die Mentalität der Offiziere orientierte sich jahrzehntelang an der Deutschen Wehrmacht – von unkritischer Anbetung der militärischen Leistungen und einem falschen Ehrbegriff („Eid geleistet“ ) bis zu klassisch neo-nazistischer Ideologie.
Erst in den letzten Jahren begann man zaghaft die Frage zu stellen, ob man einem verbrecherischen Regime gegenüber seinen Eid halten oder „seine Pflicht tun“ (Kurt Waldheim) muss; wurden Offiziere, die im Widerstand waren und starben, mit Kasernenbenennungen, Gedenktafeln etc. geehrt. Rechte Tendenzen im Heer gibt es immer noch (und schon wieder). Einer der engsten Mitarbeiter von Generalmajor Raffetseder (Militärkdo. OÖ) behauptete, die Ernennung von General Trauttenberg zum Adjutanten von Bundespräsident Klestil sei das „Werk einer jüdischen Lobby“ . Der Militärgeistliche Superior Siegfried Lochner, der die Absolventen der Militärakademie in Wr.Neustadt betreut (und H.-C. Strache firmte), behauptet, der von den Nazis ermordete Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter verdiene praktisch nicht seinen Status als christlicher Märtyrer, weil sich Hitlerdeutschland ab 1943 in einem „Verteidigungskrieg“ (!) befunden habe. Handlungsbedarf für Kardinal Schönborn.
Das Verteidigungsministerium war lange Zeit eine Domäne der ÖVP, die auf die ländlichen Kameradschaftsbünde Rücksicht nahm, und der FPÖ, die mehr als bedenkliche Kader (u.a. einen schlagenden „Olympen“ im Heeresnachrichtenamt) unterbrachte. Das Heer ist an sich in keinem guten Zustand. Es braucht nicht auch noch die Duldung oder gar Förderung rechtsextremer Tendenzen. Deswegen war die Absage an den Ulrichsberg so wichtig; nun sollte ein weiteres Vorgehen gegen diverse „Nester“ folgen.“

Quellen:

* Hans Rauscher: Die Traditionspflege des Bundesheeres, in: „Der standart“, 02.09.09, http://derstandard.at/fs/1250691754448/Die-Traditionspflege-des-Bundesheeres
* Siehe auch: Feiger Fortschritt: Veteranen der Waffen-SS feiern am Ulrichsberg 50-jähriges Jubiläum, 22.8.2009, http://www.profil.at/articles/0934/560/249316/feiger-fortschritt-veteranen-waffen-ss-ulrichsberg-50-jaehriges-jubilaeum



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