PM „Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren“ vom 22.04.2012

Bad Reichenhall General-Konrad-Kaserne wird umbenannt – Bürgermeister soll sich vom Kameradenkreis distanzieren Die „General-Konrad-Kaserne wird umbenannt“, dass berichtet die
„Abendschau“ des Bayerischen Fernsehens am Freitag den 20.04.2012 [1]. Dem Bericht zufolge habe das Bundesverteidigungsministerium angekündigt, die General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall noch im Laufe dieses Jahres umbenennen zu wollen. Der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) bestätigte in dem
TV-Bericht diese Meldung. Wörtlich sagte er: „Es ist in der Tat richtig, dass der bisherige Name der General Konrad Kaserne umbenannt werden soll. Das ist jetzt ein Thema, das man angehen kann, weil jetzt erst klar ist, dass die Kaserne überhaupt weiterhin besteht“. Zum möglichen neuen Namen wollte sich Schmidt laut Süddeutscher Zeitung [2] nicht äußern. Nachdem der Nazigeneral Konrad auch für das Bundesverteidigungsministerium untragbar geworden ist, sieht das RABATZ-Bündnis nun auch Bad Reichenhalls Bürgermeister Herbert Lackner (CSU) in der Pflicht. Er solle sich von dem von General Konrad gegründeten Kameradenkreis der Gebirgstruppe distanzieren, so Anna Jade eine Sprecherin des Bündnisses. Dieser von Kritikern als „Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ [3] bezeichnete Kameradenkreis organisiert jährlich im Mai in Bad Reichenhall eine sogenannte „Kreta Gedenkfeier“. Dazu Anna Jade wörtlich: „Es ist ein Skandal, dass ein demokratischer Bürgermeister bei einer solch geschichtsrevisionistischen Gedenkfeier, bei der die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt werden, teilnimmt“.

1 http://www.br.de/themen/aktuell/inhalt/kaserne-bad-reichenhall-umbenennung100.html

2 http://www.sueddeutsche.de/V5938X/583965/Reichenhaller-Kaserne-wird-umbenannt.html

3 http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/135718/index.html

PM „Bad Reichenhall: Kasernenumbenennung kann nur ein erster Schritt sein“

Der in den Medien [1] diskutierte Vorschlag der “Initiative gegen falsche Glorie“, die nach dem dem Nazigeneral Konrad („Schlächter von der Krim“ [2]) benannte Bad Reichenhaller Kaserne endlich umzubenennen, wird vom Rabatz Bündnis begrüßt. Das Bündnis hatte in der Vergangenheit
mehrfach auf die skandalöse Namensgebung und rechte Traditionspflege hingewiesen [3].
An der menschenverachtenden Ideologie von General Konrad besteht für das Rabatz Bündnis keinerlei Zweifel. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte der Bad Reichenhaller Nazigeneral [4]: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück“. Der Kasernenname steht für das Rabatz-Bündnis symbolisch für die kontinuierliche rechte Traditionspflege in Bad Reichenhall. Konrad war nach dem II. Weltkrieg auch an der Gründung des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ beteiligt.
Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“

Der von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnete „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ veranstaltet noch immer jährlich im Mai eine sogenannte Kretagedenkfeier. Dabei wird der „Kampf um Kreta“ „gefallenen“ Reichenhaller Gebirgsjäger und dem Bombenangriff auf Reichenhall gedacht, wobie die Täter_innen zu Opfern und Held_innen
verklärt werden. Dass Rabatz-Bündnis geht davon aus, dass dabei auch dieses Jahr die auf Kreta begangenen Kriegsverbrechen der Wehrmacht (über 3500 Zivilist_innen wurden ermordet und über 30 Dörfer komplett zerstört) im Allgemeinen und die Greueltaten der Reichenhaller Gebirgstruppe im Besonderen (u.a. die Zerstörung der Stadt Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941) verschwiegen werden. Angesichts dieser Bad Reichenhaller Zustände erklärt Anna Jade, eine Sprecherin des Rabatz-Bündnisses:

„Eine Umbenennung der Bundeswehrkaserne ist mehr als überfällig, dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Die rechte Gedenkpolitik in Bad Reichenhall stinkt seit Jahrzehnten zum Himmel. Egal ob das ungestörte jährliche SS-Gedenken der NPD am Kugelbach oder die geschichtsrevisionistische Kretagedenkfeier des Kamaradenkreises, eine solche Gedenkpolitik ist nicht tolerierbar. Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert werden“

1 Nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/y5w38v/562924/Neue-Debatte-um-Konrad-Kaserne.html) berichtet auch die Lokalpresse (u.a. bgland24.de). Der Radiosender Bayernwelle Süd -Ost fragt in einer Umfrage bereits: „Die General-Rudolf-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall soll einen neuen Namen bekommen. Denn Konrad war ein General in der Nazi-Zeit. Nach wem oder wie würden Sie die Kaserne benennen?“

2 Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden
bombadieren“. Vgl. Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.

3 Zuletzt am 10.Juni 2011 in der Pressemitteilung „Auch Name der Kaserne ist skandalös“,
http://rabatz-buendnis.org/2011/06/auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/)

4 Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger-Regiments 100

Türkei: Homophobie in der Armee

In einem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ geht es um Homophobie in der türkischen Armee. In der Türkei gilt die Wehrpflicht und Homosexualität gilt als eines der wenigen Argumente, dass die Armee akzeptiert, um junge Männer vom Wehrdienst zu entschuldigen. In der Türkei gilt Homosexualität als „Krankheit“
In dem Artikel heißt es:

Verweigerern droht sogar Gefängnisstrafe. So mancher junge Mann kommt da auf den Gedanken, sich als schwul auszugeben, nur um dem Wehrdienst zu entgehen. Das ist aber gar nicht so leicht.
Denn die Armee hat diesen Weg, um den verhassten 15-monatigen Wehrdienst herumzukommen so schwer und erniedrigend wie nur möglich gemacht. „In der Regel werden zumindest Fotos verlangt“, sagte kürzlich ein Betroffener namens Gökhan in einer Dokumentarsendung der BBC vom 27. März. Akzeptiert würden Fotos des Kandidaten in Frauenkleidern, oder beim Sex – aber nur in passiver Rolle.
[…] Ist man erst einmal anerkannt, können die Folgen ein Leben lang nachwirken. In der Türkei weigern sich viele Arbeitgeber, ungediente Männer einzustellen. Routinemäßig fragen Unternehmen beim Militär nach, und erfahren so den Grund für die Befreiung vom Wehrdienst: „Psychosexuelle Störung (Homosexualität)“ lautet die offizielle Formel. Damit ist man dann gebrandmarkt. Entweder man bekommt den Job nicht, oder man bekommt ihn, und wird von den Kollegen verspottet. […] Warum aber die ganze Schwulen-Phobie? Es ist eine Mischung aus traditionellen Vorurteilen in der muslimischen Türkei, und aus veralteten Nato-Regeln. Die „Sag’ nichts, frag’ nichts“-Regel wurde aus den USA übernommen, und auch die Kennzeichnung von Homosexualität als „psychosexuelle Störung“ erwuchs nicht aus einheimischen Studien, sondern wurde aus einem amerikanischen Dokument aus dem Jahr 1968 übernommen.“

Quelle:
* Boris Kálnoky: Die Angst der türkischen Armee vor den Schwulen, 09.04.12, http://www.welt.de/vermischtes/article106156264/Die-Angst-der-tuerkischen-Armee-vor-den-Schwulen.html

Ex-KSK-Soldat im Rückblick auf Rechtsterrorismus mit dabei

In einem beim „Blick nach Rechts“ erschienen Rückblick auf rechtsterroristische Umtriebe wird auch der Überfall eines ehemaligen KSK-Soldaten erwähnt:
Im Juni 2000 überfiel dann ein ehemaliges Mitglied des Kommandos Spezialkräfte (KSK), der Neonazi Andre Chladek, eine Bundeswehreinheit während einer Übung auf einem Truppenübungsplatz in Baden-Württemberg, er erbeutete sechs Pistolen und 1550 Schuss Munition. Später floh Chladek nach Gera und wurde gestellt.

Quelle:
* Andrea Röpke: Explosive Stimmung in der braunen Szene, Blick nach Rechts, 12.03.2012, http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/explosive-stimmung-in-der-braunen-szene

Frankreich: 2008 Neonazi-Zelle in Armee aufgeflogen

Im Zusammenhang mit dem antisemitischen Vierfachmord in Toulouse erinnert Bernhard Schmid in einem Artikel auf „Blick nach Rechts“ daran, dass 2008 eine Neonazi-Connection in einer Kaserne in Montauban ausgehoben wurde.  Damals hatte ein französischer Soldat maghrebinischer Herkunft die Behörden alarmiert: In örtlichen Kasernen feierten Soldaten Feten mit Hakenkreuzfahnen und SS-Symbolen. Drei besonders stark belastete Militärs wurden daraufhin aus dem Dienst entlassen.

Quelle:
* Bernhard Schmid: Ideologisch motivierte Mordtaten, Blick nach Rechts, 20.03.2012 , http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/ideologisch-motivierte-mordtaten

963 Verdachtsfälle in der Bundeswehr 2010 und 2011

Der Bundeswehr-eigene Geheimdienst MAD stufte nach Medienberichten 69 Bundeswehrangehörige als rechtsextrem ein und hat 2010 und 2011 963 Verdachtsfällen ermittelt

Quelle:
* Dapd: MAD stufte 69 Bundeswehrangehörige als rechtsextrem ein – In 963 Verdachtsfällen hat der Geheimdienst in 2010 und 2011 ermittelt, http://www.weltexpress.info/cms/index.php?id=6&tx_ttnews[tt_news]=36728&tx_ttnews[backPid]=385&cHash=b5093de8fa7f5383251a27980b06d99f

Neonazi-Reservisten vor Rauswurf

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet über die Anwendung eines neuen Beschlusses des Reservistenverbandes. Im November 2011 hatte der Reservistenverband auf Bundesebene festgelegt, dass eine Mitgliedschaft in der NPD sich nicht mit der Satzung des Verbandes verträgt.

In der Reservistenkameradschaft Wetterau konnten zwei bekannte Neonazis unbehelligt an verschiedenen Reservisten-Wettkämpfen teilnehmen. Gegen die beiden sind nun Ausschlussverfahren eingeleitet worden. Die Reservistenkameradschaft selbst schweigt zu den Vorgängen.
Stefan F. aus Friedberg und Falko S. aus der Nähe von Aschaffenburg haben einiges gemeinsam. Eine Vorliebe für militärische Übungen etwa, die sie regelmäßig in der Reservistenkameradschaft Wetterau ausleben. Zusammen mit ihren Kameraden haben sie an verschiedenen Reservisten-Wettkämpfen mit Namen wie „wachsamer Keiler“ oder „Silbersee-Militärpatrouille“ teilgenommen. Diesem Hobby werden sie nicht mehr lange nachgehen können. Denn neben ihrem Engagement als Reservisten haben sie noch etwas gemeinsam – die rechtsextreme Gesinnung. Wie der Verband der Reservisten der Frankfurter Rundschau bestätigte, sind sowohl gegen Stefan F. als auch gegen Falko S. bereits Ausschlussverfahren eingeleitet worden.

NPD-Funktionär Schüssler

Quelle:
* Neonazis in Reservistenkameradschaft, http://www.fr-online.de/rhein-main/neonazis-in-reservistenkameradschaft-rechtsradikale-an-der-waffe,1472796,11639816.html

Lettland: SS-Veteranen marschieren

Waffen-SS-Veteran in Riga 2012
Am 16. März sind in Riga (Lettland) erneut noch lebende Angehörige der lettischen Waffen-SS-Divisionen und ihre SympathisantInnen aufmarschiert.
Die Medien berichten von 1.500 bis 2.000 Teilnehmern des Marsches durch die Innenstadt. Davor gab es einen Gedenk-Gottesdienst im Rigaer Dom.
Den Marsch gibt es seit Jahren, er findet immer am 16. März statt, der als „Tag der Legionäre“ gilt. Als „Lettische Legionäre“ dienten 140.000 Letten in der Waffen-SS und 50.000 davon fielen im Krieg. Teile der lettischen Kollaborateure waren direkt in den Mord an den baltischen und weißrussischen Juden involviert.
Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnt etwa die Hälfte der Bevölkerung den Marsch ab.

Quellen:
* Lettische SS-Veteranen marschieren trotz Protest, tagesschau.de, 16.03.12, http://www.tagesschau.de/ausland/lettland138.html
* FOCUS Online: Umstrittenes Gedenken in Lettland: SS-Veteranen marschieren durch Riga, Freitag, 16.03.2012, http://www.focus.de/politik/ausland/umstrittenes-gedenken-in-lettland-ss-veteranen-marschieren-durch-riga_aid_724898.html
* Hannes Gaillscheg: Lettland: Marsch der SS-Veteranen in Riga, „Die Presse“, 16.03.12, http://diepresse.com/home/panorama/welt/741061/Marsch-der-SSVeteranen-in-Riga?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do

DMZ Nr. 86 vom März/April 2012 erschienen

Die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) Nr. 86 vom März/April 2012 ist erschienen.
DMZ Nr. 86
In dieser DMZ-Ausgabe geht es u.a. um die Waffen-SS-Division „Das Reich“.
DMZ Nr. 86 - Freiheitskämpfer
Der ehemalige DMZ-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter berichtet von seiner Teilnahme an einer Konferenz in Teheran. Auf der Konferenz trat auch der iranische Autokrat Ahmadinedschad auf. Es sollen insgesamt 1.000 Personen aus 57 Ländern teilgenommen haben.
DMZ Nr. 86 - Teheran-Konferenz

Interviewpartner dieser Ausgabe war:
* Andreas Engelbrecht, der Direktor für „Maritime Security“ beim „International Security Network“ (ISN).

Die Anzeigen in der DMZ stammen diesmal u.a. von:
* dem Nazi-Magazin „Zuerst!“
* dem extrem rechten Magazin „Die Aula“
* dem rechten Blatt „Zur Zeit“
* dem extrem rechten Versand Kienesberger
* Venatus-Messer
* dem Militaria-Magazin

Doch keine Briefmarken-Ehrung für Weltkriegs-Flieger

In einer Meldung des Hartmut-Mayer-Archiv heißt es:

Eigentlich sollte am 17.November 2011 aus Anlaß des 70.Todestages des Jagdfliegers Ernst Udet ein Sonderstempel der Deutschen Post erscheinen. Doch der Stempel erschien letztlich nicht. Wegen Udets NS-Vergangenheit sei der Stempel “von oben” verhindert worden, heißt es in der von dem ehemaligen DVU-Chef Gerhard Frey herausgegebenen “National-Zeitung”. Udet war beileibe kein “Mitläufer”. Der Jagdflieger des Ersten Weltkriegs mit der zweithöchsten Zahl von Flugzeugabschüssen machte während des NS-Regimes eine steile Karriere. 1935 wurde er Oberst im Reichsluftfahrtministerium, 1936 Inspekteur der Jagd- und Sturzkampfflieger, 1939 Generalluftzeugmeister und 1940 Generaloberst der Luftwaffe. Nach dem deutschen Scheitern in der Luftschlacht um Großbritannien und einer heftigen Auseinandersetzung mit Göring und Hitler beging Udet am 17.November 1941 Selbstmord. Offiziell erlitt er einen Unfalltod. In Carl Zuckmayers Schauspiel “Des Teufels General”, das später auch verfilmt wurde, war Udet fälschlicherweise als Widerständler dargestellt worden.

Quelle:
* Hartmut-Mayer-Archiv: Kein Stempel für Udet, aus: Antifaschistische Nachrichten 03/Februar 2012

Braunes Blatt im neueröffneten Bundeswehr-Museum

Eine Presse-Meldung berichtet darüber das im Shop des Dresdner Militärhistorischen Museums der Bundeswehr auch drei Exemplare des braunen Magazins „Deutsche Geschichte“ zum Kauf angeboten wurden.
In der Presse-Meldung heiß es:

Ein Historiker habe die Magazine Ende vergangener Woche entdeckt und das Verteidigungsministerium informiert, sagte Bangert weiter. Daraufhin seien diese sofort aus dem Verkehr gezogen worden.

Quelle:
* dapd-lsc: Rechtsextremen-Magazin in Militärhistorischem Museum angeboten, http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Rechtsextremen-Magazin-in-Militaerhistorischem-Museum-angeboten-artikel7893081.php

Bundeswehr-Soldat hört im ICE Nazi-Musik

Am 29. Januar 2012 wurde auf der Zugfahrt von Berlin nach Hannover ein 20jähriger Mann mit dem Ziel Wilhelmstein-Kaserne in Neustadt-Luttmersen festgenommen, weil er herumpöbelte, Fahrgäste belästigte und auf seinem Notebook Nazi-Musik hörte. Bei dem Festgenommenen handelte es sich nach Medienberichten um einen stark alkoholisierten Bundeswehrsoldaten des Panzerbataillons 33 der 1. Panzerdivision, deren Stab ihren Sitz in Hannover hat. Nach der Beschlagnahme seines Laptops wurde der Festgenommene den Feldjägern übergeben.

Quellen:
* dapd: Bundeswehrsoldat beschallt ICE mit rechtsextremer Musik, 30.01.2012, http://www.derwesten.de/panorama/bundeswehrsoldat-beschallt-ice-mit-rechtsextremer-musik-id6297765.html
* Soldat hört Rechtsrock im ICE, 30.01.2012,
http://www.sn-online.de/Nachrichten/Hannover/Uebersicht/Soldat-hoert-Rechtsrock-im-ICE

USA: Marines posieren mit SS-Flagge

In den USA ist ein Foto von US-Marine-Scharfschützen in Afghanistan aufgetaucht, die vor einer SS-Fahne posieren. Die Soldaten, die auf dem online zu findenden Foto zu sehen sind, gehörten laut Armee-Pressesprecher nicht mehr der Einheit an. Das Foto war im September 2010 in Afghanistan gemacht worden.
SS-Flagge US-Marines
Rabbi Marvin Hier von der NGO „Simon Wiesenthal Center“ bemerkt dazu:

That 70 years after the United States Armed Forces helped liberate Europe from Nazi Germany, to learn that a unit of the United States Marine Corps serving in Afghanistan adopted the SS insignia alongside the Stars and Stripes, desecrates the memory of some 200,000 Americans who gave up their lives to defend freedom against that infamous symbol. The SS units bore the principal responsibility for carrying out Hitler’s Final Solution, which led to the extermination of six million Jews including a million and a half children. In addition, members of the SS murdered unarmed American POWs from Normandy to the Battle of the Bulge.
We call on President Obama and the Secretary of Defense Panetta to immediately investigate on how such an outrage could have occurred and to discipline all those involved. In addition, it is clear that younger generations entering the US military need to be better educated about the lessons of World War II and the Holocaust. The Simon Wiesenthal Center stands ready to assist the US military in an ongoing education effort.

Quellen:
* dapd: Marines posieren mit SS-Flagge, taz vom 10.02.2012, http://www.taz.de/US-Soldaten-in-Afghanistan/!87433/
* Simon Wiesenthal Center Statement on Marine SS Flag Outrage, 09.02.12, http://www.wiesenthal.com/site/apps/nlnet/content2.aspx?c=lsKWLbPJLnF&b=4441467&ct=11624277

Braune Einsprengsel im olivgrünen Vorfeldgeflecht der Bundeswehr

Die rechtskonservative „Preussische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.“ hat am 15. Januar 2012 in Berlin im Hilton-Hotel ihren Neujahrsempfang abgehalten. Dafür wurde auch in der ultrarechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ per Anzeige geworben. In dieser Anzeige wird auch Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, als Ehrengast angekündigt.
In einem Bericht in der „Preußisch Allgemeinen Zeitung“ vom 28.Januar zu dem Neujahrsempfang heißt es:

Als Ehrengast und Festredner begrüßte Tschapke den Wehrbeauftragten des Deutschen
Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP). Dieser bekannte sich in seiner Rede uneingeschränkt
zu den preußischen Tugenden. So führte er aus, Gehorsam und Pflichterfüllung seien einst die
Eckpfeiler der preußischen Armee gewesen und hätten auch für die Bundeswehr zu gelten.

JF-Anzeige Neujahrsempfang
Beim Neujahrsempfang waren neben der „Jungen Freiheit“ oder der ihr nahe stehenden „Bibliothek des Konservatismus“ auch der „Verband der Reservisten der Bundeswehr e.V.“ und das „Wachbataillon beim Bundesminister der Verteidigung“ mit einem Stand vertreten.

Österreich: Armeeuniformen müssen draußen bleiben

Auf dem umstrittenen Ball des „Wiener Korporationsring“ (WKR), einem Verbund deutschnationaler Studentenverbindungen, sollen dieses Jahr keine Träger von Uniformen des österreichischen Bundesheeres auftreten dürfen. Das österreichische Blatt „Die Presse“ berichtet, dass der Verteidigungsminister Darabos (SPÖ) keine Uniform am WKR-Ball in der Hofburg erlaubt. „Man wolle nicht den Anschein erwecken, dass das Heer extreme Rechte unterstützt.“
Dieses Jahr findet der WKR-Ball am 27. Januar, am Auschwitz-Befreiungstag statt. Am Rande des Balls, ohnehin ein elitäres Stelldichein, treffen sich Mitglieder der extremen Eurorechten zur besseren Vernetzung. Dieses Jahr sind u.a. Bruno Gollnisch vom französischen „Front National“.

Quellen:
* APA: Verbot für Heeres-Uniform auf Burschenschafter-Ball, 11.01.2012, „Die Presse“, http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/723106/Verbot-fuer-HeeresUniform-auf-BurschenschafterBall
* apa/red: Ausgehuniform verboten, 11. Jänner 2012, http://www.news.at/articles/1202/11/316252/wkr-ball-ausgehuniform

Hamburg: Burschenschaft Germania, Militär und Bundeswehr

In einem lesenswerten Beitrag auf dem linken Informationsportal „Indymedia linksunten“ heißt es:

Wer Mitglied der Germania werden will, darf weder Frau noch offensichtlich „undeutsch“ sein, er kann aber Neonazi sein und er muss gedient haben. Denn bei den Waffenstudenten wird nicht nur die Verteidigung der Ehre bei der Mensur, sondern auch die des Vaterlandes mit der Waffe verlangt. So wundert es wenig, dass Alte Herren im Reservistenverband der Bundeswehr organisiert sind und Aktive an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSU) studieren. Auch Veranstaltungen widmet die Germania gerne soldatischen Themen.
So machte HSU-Student Martin D. im Juli 2010 seinen Fuxenvortrag zum Thema „private Söldnerfirmen“ und im November folgte dann Fux Jan-Mortimer B. mit dem Thema „Afghanistan – Der deutsche Versuch im ‚großen neuen Spiel’ zu bestehen – aus Sicht eines Truppenoffiziers“.
Die wichtigste Verbindung der Germanen zur Bundeswehr dürfte jedoch Oberstleutnant d. R. Ramon-Stefan Schmidt als Vorsitzender der Landesgruppe Hamburg des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. repräsentieren. Dass Kamerad Schmidt auch zum Vortrag des Naziideologen Schwab in sein Burschenhaus ging, ist nicht unwahrscheinlich. Immerhin war der Oberreservist bis 2009 auch stellvertretender Vorsitzender des Altherrenverbandes der Germania. Die Alten Herren haben durch ihre finanzielle, personelle und ideelle Unterstützung erheblichen Einfluss auf die Vorgänge im Germanenhaus. Ob sich der Genuss, oder auch nur die Duldung von Nazivorträgen allerdings mit der Verantwortung für 2.200 Reservisten aus Hamburg verträgt ist fraglich. Nazifreund Schmidt ist formell immerhin auch Vorsitzender von Hauptmann der Reserve Michael Neumann, besser bekannt als Hamburgs Innensenator.

Quelle:
* Felix Krebs: HH: Nazis, Burschen, Bundeswehr, 11.01.2012, http://linksunten.indymedia.org/de/node/53106

USA: mutmaßliche Mitglieder des US-Marinkorps schänden Leichen

In einem Online-Video ist zu sehen wie offenbar vier Mitglieder des US-Marinekorps in Afghanistan unter Gelächter und Scherzen auf die Leichen von toten Taliban oder getöteten Zivilisten urinieren.
Eine Video-Unterschrift beschreibt die Urinierenden als Mitglieder eines Sniper-Teams aus Camp Lejeune (US-Staat North Carolina).
Inzwischen hat die Armee hat eine Untersuchung eingeleitet und es hieß, der Fall werde der Strafverfolgungsbehörde der Marine (NCIS) übergeben.
Inzwischen wurden offenbar alle an der Leichenschändung beteiligten US-Marines identifiziert.

Quellen:
* jam/sda: US-Marines pinkeln auf tote Taliban, Januar 2012, http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/US-Marines-pinkeln-auf-tote-Taliban-29014900
* dpa: Alle US-Marines nach mutmaßlicher Leichenschändung identifiziert, 13.01.2012, http://www.tagesspiegel.de/politik/skandalvideo-alle-us-marines-nach-mutmasslicher-leichenschaendung-identifiziert/6066346.html

Bundeswehr-Studimagazin fest in neurechter Hand

Die neue Ausgabe von „campus“, der „Zeitschrift des studentischen Konvents“ der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München ist erschienen. Die letzte Ausgabe von „campus“ war umstritten, weil der neue Chefredakteur, Oberleutnant Martin Böcker aus München, und mehrere weitere Mitarbeiter der rechten Strömung der „Neuen Rechten“ zuzuordnen sind (BraunzoneBw berichtete), die sich an der antidemokratischen „Konservativen Revolution“ orientiert. So trat Böcker als Autor für die neurechten Online-Formate „Blaue Narisse“ und „Sezession“-Blog (seit 3. Dezember 2009) und die Print-Formate „Sezession“ und „Junge Freiheit“ in Erscheinung. Böckers politische Orientierung schlug sich auch massiv inhaltlich im ersten Heft unter seiner Ägide als Chefredakteur nieder, in dem sich u.a. eine Anzeige des extrem rechten Thinktanks „Instituts für Staatspolitik“. Trotz laut gewordener Kritik konnte sich Böcker auf dem Posten als Chefredakteur halten.

campus 02-2011

Die zweite „campus“-Ausgabe unter Böckers Verantwortung trägt das Titelthema „Offizierskorps und Gesellschaft – Wer nicht redet, wird nicht gehört“.
Der Chefredakteur Martin Böcker beklagt in seinem Leitartikel unter der Überschrift „Wirkung geht vor Deckung“ die „Marginalisierung des Soldaten“ und fordert den (politisch) eigenmächtigen Soldaten, der sich als Teil der Elite versteht. Als Gewährsmann wird der Rechtsschreiber Gerd-Klaus Kaltenbrunner und dessen Elite-Definition herangezogen. Mit Verweis auf Kaltenbrunner wird sich auf dessen Absage an die „„humanitaristischen Werten“ wie „Mündigkeit, Emanzipation, Gleichheit“. Martin Böcker nennt diese Werte, „Werte, die in einer funktionierenden Armee nicht im selben Maße umgesetzt
werden können, wie in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft – auch und gerade, wenn die Armee diese Gesellschaft schützt.“ Böcker beendet seinen Leitartikel mit der Forderung:

Dazu müssen deutsche Offiziere aus dem Schatten der reinen Funktions-Elite heraustreten und die Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs beanspruchen, in Teilen also selbst Elite werden.

Als Interviewpartner stand dem Magazin der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld zur Verfügung, dessen Gast-Vortragsreihe in Trier auf Grund seines vulgären Antifeminismus und Sexismus nach Protesten abgebrochen werden musste (BraunzoneBw berichtete).
Auf die Frage „Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung deutscher Offiziere?“ antwortet van Creveld:

Ihre Offiziere haben Angst. Und das auch aus guten Gründen, schließlich kann der kleinste Fehler zur Folge haben, dass er als „Extremist“ gebrandmarkt und wie ein wildes Tier zur Strecke gebracht wird. Das Ergebnis ist, dass man keine Bundeswehr-Einrichtung betreten kann, ohne sofort mit diesem Geruch von Bürokratie, politischer Korrektheit und Unterwürfigkeit konfrontiert zu werden.

Unter dem Titel „Entschieden für die Tapferkeit“ schreibt Böckers Gesinnungsgenosse Lars Kempf über Tapferkeit „nicht nur ein pathetischer Anspruch an den Soldaten, sondern“ als „ethisches Fundament.“ Kempf will im Kampf das Nachdenken ausgeschaltet wissen:

So relevant die Fragen nach Gewissen und Verantwortlichkeit im Vorfeld sein mögen, führen sie im Gefecht selbst bloß zu Irritationen und stiften Verwirrung.

Zu der Bundeswehr-Werbekampagne „Wir. Dienen. Deutschland“ hat Böcker einen lobenden Kommentar verfasst:

Diese implizit vermittelte Erkenntnis [Deutschland zu dienen] bringt dem Soldaten die Achtung entgegen, die der irgenwie eher so pazifistische Bionade-Intellektuelle nicht aufbringen kann. […] Vielleicht könnte dieser Zusammenhang, würde er in der Kampagne deutlicher hervorgebracht, nicht nur für den Dienst in den Streitkräften, sondern auch für den Dienst der Streitkräfte werben.

Fazit: So genannte „Neue Rechte“, Sympathiegänger der antidemokratischen „Konservativen Revolution“, haben das Studimagazin an einer Universität gekapert, an der etwa die Hälfte des deutschen Offiziersnachwuchses ausgebildet wird. Die rechte Wortergreifungsstrategie im Rahmen des geschriebenen Wortes schlägt sich auch inhaltlich nieder. Ganz unverhohlen und vor allem offenbar auch ohne dabei aufgehalten zu werden arbeitet eine rechte Jungoffiziers-Riege an der rechten, politischen Verschiebung ihrer Offizierskameraden.

Israel: frauenfeindliche Tendenzen in der Armee

In einem Artikel über Ultraorthodoxe in Israel in der Zeitung „Die Welt“ werden auch frauenfeindliche Tendenzen in der israelischen Armee erwähnt:

Diese Tendenz zur Radikalisierung innerhalb der religiösen Gemeinschaft hat es nun auch in eine Organisation geschafft, die sich das ganz und gar nicht leisten kann: die Armee. Der Armeechef müsse eine Entwicklung verhindern, „die die Sicherheit des israelischen Staates und die fundamentalen Werte der israelischen Gesellschaft als Ganzes“ gefährde, schrieben 19 Generalmajore der Reserve jüngst in einem Brief an Stabschef Benni Gantz.
Denn auch bei der Armee, wo man sich in Fragen der Religion bisher immer um den kleinsten gemeinsamen Nenner bemüht hatte, soll plötzlich überall die radikalste orthodoxe Interpretation gelten. Im September verließen neun männliche Kadetten eine Feier, bei der Soldatinnen sangen. Vier wurden schließlich von einem Offizierskurs ausgeschlossen, weil sie eine Entschuldigung verweigerten. Prompt verlangte der Oberrabbiner von Samarien – einem Teil des Westjordanlandes – von religiösen Soldaten, sie sollten lieber ihr Leben opfern, als singenden Frauen zuzuhören.
Ein schleichender Prozess
Nur einen Monat später mussten 100 Soldatinnen auf Aufforderung der Armeerabbiner die Feier zum Ende des Simchat-Thora-Feiertags verlassen und in einem räumlich abgetrennten Gebiet allein feiern. Liat Cohen war eine der Soldatinnen und erinnert sich: „Zwischen uns und den Jungs waren große Tische aufgebaut, wir haben ja nicht gemeinsam getanzt, sondern getrennt“, sagt sie. Und das ist seit ehedem nicht nur in der Armee, sondern selbst in vielen orthodoxen Gemeinschaften genug der Züchtigkeit gewesen.
Als die Soldatinnen sich dann darüber beschwerten, von der Musik und der Feststimmung abgeschnitten zu sein, ließen ihre Vorgesetzen die Mädchen in Bussen zurück in die Kaserne bringen: „Alle Offiziere haben nur mit den Schultern gezuckt“, erzählt Liat.

Quelle:
* Michael Borgstede: Wie Frauen aus der Öffentlichkeit verbannt werden, in: „Die Welt“, 28.12.2011, http://www.welt.de/politik/ausland/article13786527/Wie-Frauen-aus-der-Oeffentlichkeit-verbannt-werden.html

Neonazis in der Bundeswehr resozialisieren?

In der vom Thüringer Verfassungsschutz herausgegebenen Zeitschrift „Nachrichtendienst“ hieß es im Mai 1998 nach einem Papier der Linkspartei-Fraktion in Thüringen:

Gespräch mit dem Standortaltesten, Oberst Kuhn. […] Dass unser vor zwei Jahren hoffnungsvoll begonnenes Projekt, mit Hilfe der Bundeswehr junge wehrpflichtige Neonazis zu resozialisieren, den Bach herunter ist, nehmen wir resigniert zur Kenntnis. Spätfolgen der Pressekampagne aus dem letzten Sommerloch

Quelle:
* Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag: Nazi-Terror und Verfassungsschutzskandal. Chronik der Ereignisse, 19.12.2011



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